Das Nürnberger Christkind

Das Nürnberger Christkind besucht die Kinder auf dem Markt.

Das Nürnberger Christkind - dabei handelt es sich nicht, wie vielfach vermutet, um einen Rauschgoldengel - eröffnete erstmals 1948 den Christkindlesmarkt. Dieser erste Markt nach dem Zweiten Weltkrieg fand inmitten der den Hauptmarkt umgebenden Trümmerwüste statt. Das Christkind wurde ab 1948 von der Nürnberger Volksschauspielerin Sofie Keeser dargestellt, Anfang der sechziger Jahre übernahm die Rolle die Nürnberger Schauspielerin Irene Brunner.

Seit 1969 wird das "Nürnberger Christkind" alle zwei Jahre von der Bevölkerung unter Mithilfe der Nürnberger Tageszeitungen gewählt. Dabei bitten die Medien Nürnbergerinnen, sich mit einem Bild und Lebenslauf zu bewerben, sofern die Bewerberinnen folgende Bedingungen erfüllen:

- Sie sollen möglichst in Nürnberg geboren sein, in jedem Fall aber schon längere Zeit hier wohnen.
- Sie müssen das 16. Lebensjahr vollendet haben und dürfen nicht älter als 19 Jahre alt sein.
- Nötig ist eine Körpergröße nicht unter 160 Zentimeter sowie
- absolute Schwindelfreiheit und
- eine gewisse Wetterfestigkeit.

Das erste von der Bevölkerung gewählte Nürnberger Christkind, Gabriele Jungk, eröffnete 1970 "seinen Markt". Die Schülerin Marisa Sanchez (17) spricht 2001 als 17. gewähltes Christkind zum ersten Mal den Eröffnungsprolog.

Dieser Prolog mit der Eröffnungszeremonie gilt als Hauptaufgabe des Nürnberger Christkinds. Beide überstanden die vergangenen 50 Jahre nahezu unverändert. Der Text stammt von dem Dramaturgen Friedrich Bröger, einem Sohn des Nürnberger Arbeiterdichters Karl Bröger und wurde Mitte der fünfziger Jahre leicht umgeschrieben. Er nimmt im Kern Bezug auf die Situation und die Umgebung des Marktes im Jahr 1948.

Zu den Aufgaben des Christkinds zählen in der Zeit vor Weihnachten vor allem die Auftritte auf dem Markt und der Kinderweihnacht und rund 130 weitere Termine. Dazu gehören viele Interviews, Fernsehauftritte und Besuche auf Weihnachtsmärkten in anderen Städten. Besonderen Wert legt das Nürnberger Christkind auf soziale Aufgaben, wie Besuche in Altenheimen, Kindergärten, Behinderteneinrichtungen und Krankenhäusern. In Nürnberger Kinderkliniken findet eine Bescherung statt.

Es ist bis heute eisernes Prinzip, die Institution Nürnberger Christkind nicht kommerziell zu vermarkten oder gar zu einem "Event" zu erklären. Seine Auftritte dienen ausschließlich sozialen und karitativen Zwecken und der Herstellung freundschaftlicher Verbindungen zur Bevölkerung anderer Städte.


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