Die Fleischbrücke in Nürnberg

Die Stelle der Fleischbrücke ist die engste Stelle des Pegnitzdurchflusses in Nürnberg und somit ist eine Brücke an dieser Stelle den stärksten Fließkräften ausgesetzt.

Die erste hölzerne Brücke an dieser Stelle brannte im Jahre 1418 ab.

Die Nachfolgebrücke wurde im Jahre 1432 von der Pegnitz mitgerissen.

Danach wurde eine Steinbrücke mit zwei Bögen über einem Mittelpfeiler errichtet. Diese wurde zusammen mit dem Henkersteg und der Hallertorbrücke durch das verheerende Frühjahrshochwasser im Jahre 1595 abermals zerstört.

Da die Brücke den Hauptverkehr der Innenstädte bewältigen musste entschloss sich der Rat der Stadt Nürnberg erneut eine Brücke bauen zu lassen und beauftragte den Ratsbaumeister Wolf-Jacob Stromer mit dem Bau. Baumeister Stromer ließ sich bei seiner Konstruktion von der Ponte di Rialto über dem Canale Grande in Venedig inspirieren und konstruierte eine einbogigie Brücke auf 2000 Holzpfählen, die heute noch steht. Unterstützt wurde er von den Zimmermeistern Mathes Herdegen und Peter Carl, sowie von Jacob Wolff d. Ä.. Sie galt zu ihrer Zeit als technisch bedeutsamster Brückenbau Europas und hielt selbst den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg stand.

Ihren Namen erhielt sie von an ihr liegenden Fleischbänken. Der "Ochs auf der Fleischbrück'n, der nie ein Kalb gewesen" ist ein volkstümliches Wahrzeichen Alt-Nürnbergs.

Pressemitteilung vom 10.06.2011:

Bedeutende Auszeichnung für Nürnberger Fleischbrücke

Die Bundesingenieurskammer Berlin und die Bayerische Ingenieurekammer-Bau haben die Fleischbrücke in Nürnberg mit dem Titel „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ ausgezeichnet. Bürgermeister Horst Förther und Dr.-Ing. Jens Karstedt, Präsident der Bundesingenieurkammer, enthüllten am Freitag, 10. Juni 2011, in Anwesenheit von Ministerialdirigent Dipl.-Ing. Günther Hoffmann, Leiter der Abteilung Bauwesen des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, eine Ehrentafel an dem Brückenbauwerk.

Die Fleischbrücke verbindet die Stadtteile St. Lorenz und St. Sebald miteinander. In der offiziellen Würdigung der Bundesingenieurkammer wird die Ende des 16. Jahrhunderts errichtete Fleischbrücke als „bedeutendste Steinbogenbrücke der Spätrenaissance in Deutschland“ bezeichnet: „Planung, konstruktive Durchbildung und Realisierung sind Resultat einer hoch entwickelten reichsstädtischen Baukultur, Infrastruktur und Logistik an der Schwelle zur Neuzeit.“

Bürgermeister Horst Förther hob während des Festakts auf die Herausforderungen ab, die sich den Nürnberger Stadtbaumeistern im Jahr 1595 stellten. Die Fleischbrücke liegt an einer der engsten Stellen der Pegnitz im Nürnberger Stadtgebiet und ist deshalb den stärksten Fließkräften innerhalb der Stadtmauern ausgesetzt. Die erste Holzbrücke an der Stelle war 1418 abgebrannt. Eine 1487 errichtete zweibogige Steinbrücke war 1595 Opfer eines verheerenden Hochwassers geworden.

Die neue Brücke sollte keinen Mittelpfeiler haben, um das Durchflussprofil der Pegnitz an der engen und sumpfigen Stelle nicht zu verkleinern. Die Uferseiten waren zudem mit überkragenden Häusern dicht bebaut, was die Bauarbeiten erschwerte. Zudem sollte die einbogige Brücke flach beschaffen sein, um den Lieferverkehr zu erleichtern. Die Widerlager, die im schlickigen Baugrund zu errichten waren, mussten daher besonders massiv ausfallen, denn sie hatten einen großen Horizontalschub aufzunehmen. Darüber hinaus waren die Flussufer unterschiedlich hoch.

Dazu die offizielle Würdigung der Bundesingenieurkammer: „Als Antwort auf diese Herausforderungen haben die Schöpfer der Fleischbrücke ein Hochtechnologie-Bauwerk entwickelt. Seine besonderen Kennzeichen sind:
- ein schräg geschnittener, sich zu den Widerlagern hin aufweitender Brückenkörper,
- eine innovative Pfahlgründung mit über 2100 vertikalen und schrägen Rammpfählen,
- der sehr flache Bogen, der mit seiner Spannweite von 27 Metern sämtliche vergleichbare Bauten im deutschsprachigen Raum weit übertraf.

Entstanden im Zeichen der noch unwissenschaftlichen europäischen Bautechnik des ausgehenden 16. Jahrhunderts, hat sich dieses Ingenieurbauwerk als Lehrstück robusten und nachhaltigen Konstruierens erwiesen. Seit mehr als vier Jahrhunderten trotzt die Fleischbrücke allen Beanspruchungen und behielt selbst dann Bestand, als die Bombardements des Zweiten Weltkriegs die umgebende Nürnberger Altstadt in eine Ruinenlandschaft verwandelten. Noch immer weitgehend im Original erhalten und seit 1974 unter Denkmalschutz, bildet die Brücke heute ein Wahrzeichen mutiger Ingenieurbaukunst.“

Teilen: