Der Gänsemännchenbrunnen - Brunnen in Nürnberg

Der Gänsemännchenbrunnen in Nürnberg

Der Gänsemännchenbrunnen ist heute im Hof hinter dem Rathaus zu finden, bis 1945 hatte der Brunnen seinen Standort auf dem Platz hinter der Frauenkirche – am Gänsemarkt, dem heutigen Obstmarkt. In der Mitte einer neueren Brunnenschale aus Granit befindet sich die volkstümliche Bronzefigur des Gänsemännchens, eines der bekanntesten Werke der kleinfigürlichen Bronzekunst in Nürnberg. Ein schmiedeeisernes Renaissancegitter umsäumt die Granitschale. Die Brunnenfigur stellt einen Bauern aus dem Knoblauchsland in modischer Kleidung des 16. Jahrhunderts dar, er hält zwei Gänse unter den Armen, aus den Tierschnäbeln sprüht Wasser. Der Brunnen wurde um 1550 wahrscheinlich von der Stadt in Auftrag gegeben, die näheren Begleitumstände sind nicht bekannt. Der Entwurf wird dem Bildschnitzer Hans Peisser zugeschrieben, der Guß stammt von Pankraz Labenwolf (Erzgießer, 1492 bis 1585). Ein Modell Peisser's Figur aus Lindenholz befindet sich im Stadtmuseum Fembohaus. Die Werkstadt Labenwolfs wurde von seinem Enkel Benedikt Wurzelbauer weitergeführt, von dem das große Kruzifix an der Westseite der Sebalduskirche stammt und der den Tugendbrunnen gestaltet hat. Kein anderer Brunnen Nürnbergs wurde so oft kopiert. Allein im Nürnberg gibt es mindestens zwei Gänsemännchenbrunnen. Eine Nachbildung des Gänsemännchenbrunnen steht in der Wilhelm-Spaeth-Straße. Auch für den Gänsemännchenbrunnen in Weimar, war der Nürnberger Brunnen Vorbild. Die wahrscheinlich berühmtesten Verehrer der Brunnenfigur waren Johann Wolfgang von Goethe und König Ludwig II.  In der Sebalder Altstadt im Hof des alten Rathauses steht der Gänsemännchenbrunnen seit 1945. Inmitten einer Brunnenschale aus Granit kann man dort das berühmte Gänsemännlein bewundern, etwa 1540 aus Bronze gegossen und umgeben von einem schmiedeeisernen Renaissancegitter. Die Figur ist bekleidet mit einem Gewand im Stile des 16. Jahrhunderts so wie dereinst die Bauern, die auf dem Marktplatz ihre Waren feil boten. Sie trägt unter jedem Arm eine fette Gans, aus deren Schnäbeln klares Wasser fließt. Um den Gänsemännleinbrunnen ranken sich viele Mythen. Der Legende nach soll sie einen Bauern aus dem Knoblauchsland darstellen, der dem Bier mehr zugetan war, als dem Wasser. Eines Tages aber war ihm das Geld gar ausgegangen und weil es ihn so sehr nach einem kühlen Trunk verlangte, mussten die beiden Gänse dran glauben - sein letztes Hab und Gut. Er machte sich also mit dem Federvieh unterm Arm auf den Weg in Richtung Nürnberg, doch die Sonne brannte gnadenlos herab, so dass er bald an heftigem Durst litt. Die Gänse schöpften Hoffung und sprachen zu ihm, dass sie ihm schon Wasser herbeischaffen würden, wenn er sie nur verschonte. Das ausgedürstete Bäuerlein stimmte in seiner Not zu und schon floss aus den Schnäbeln seiner gefiederten Begleiter das reinste, klare Wasser. Ein Fremder war hinzugekommen und sah ihm verwundert zu. Da erzählte der Gänsemann, was sich zugetragen hatte und gelobte, dass er von nun an nur noch Wasser und kein Bier mehr trinken wolle. Der Fremde wanderte weiter nach Nürnberg - es soll der Erbauer des Brunnes, Pankraz Labenwolf, gewesen sein - der Bauer begab sich auf seinen Hof und hielt von nun an Wort. Und als er eines Tages wieder einmal nach Nürnberg kam, staunte er nicht schlecht, als sein eigenes Konterfei den Marktplatz zierte.  Einer anderen Geschichte zufolge wollte der Rat ein Bild der Heiligen Magdalis auf dem Obstmarkt errichten, doch Labenwolf kam mit seinen Aufträgen nicht mehr hinterher und hat stattdessen der Stadt als Ersatz den Gänsemännchenbrunnen angeboten. Einige der Stadtoberen seien empört gewesen, denn sie wollten auf dem kleinen Platz hinter der Kirche "Unserer lieben Frauen" nicht die profane Abbildung eines einfachen Bäuerchens sehen, doch der Berühmtheit des Künstlers sei es zu verdanken gewesen, dass der Brunnen dennoch dort aufgestellt wurde. Es ist zwar schön erzählt, aber doch wohl nur frei erfunden, denn das Gänsemännlein war seit 1540 der Mittelpunkt des Nürnberger Gänsemarktes und wurde erst im frühen 19. Jh. an den Obstmarkt verlegt. Zu dieser Zeit waren Kopien des Brunnens, ein regelrechter Exportschlager - sie stehen in Meiningen, Weimar, Luzern und Thun. Sogar Geheimrat von Goethe, der Nürnberg des Öfteren besuchte, hatte einen „Entenmann“ aus Ton und auch Ludwig II. war ein Verehrer der Skulptur und orderte eine Kopie für Schloss Hohenschwangau. Heute stellt der Brunnen, dessen wahre Geschichte unbekannt ist und der auch als bekannteste deutsche Bronzeplastik der Renaissance bezeichnet wird, eines der wertvollsten Denkmäler der Nürnberger Altstadt dar. Die von Hans Peisser aus Holz geschnitzte Vorlage der Brunnenfigur befindet sich im Nürnberger Stadtmuseum Fembohaus.

Artikel von Christine Kammerer

Hier sehen Sie den Standort des Gänsemännchenbrunnen.
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