Der Minnesängerbrunnen in Nürnberg

Der Minnesängerbrunnen steht heute im Rosenaupark.

Der ursprüngliche Aufstellungort war die Prateranlage (eine kleine öffentliche Grünanlage am Splittertorgraben). Die Assoziation zum Wiener Prater ist richtig, denn namensgebend für die Prateranlage war eine Gastwirtschaft am Splittertorgraben 31, die nach dem Wiener Prater benannt war. Die Prateranlage ist Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden, nachdem ein halbrundes Schanzwerk aus dem Dreißigjährigen Krieg vor der Splittertormauer abgetragen worden war.

Die völlige Zerstörung der Rosenau-Anlage im Zweiten Weltkrieg führte zu einer Neugestaltung des Parks und so kam der Minnesängerbrunnen an seinen heutigen Standort. Er wurde von Babette Bach (Kommerzienratswitwe) gestiftet und von Philipp Kittler (Hafner, Bildhauer, Medaillleur, 1861 bis 1944) 1905 gebaut, s.a. Pomonabrunnen. Die Figuren wurden in der Kunstgießerei Christoph Lenz (s.a. Dudelsackpfeiferbrunnen) gegossen.

Eine Schale erhebt sich über einem sechseckigen Brunnenbecken. Sie wird von mit fischschwänzigen Kinderfiguren geschmückten Stützbögen getragen. Die Kinderfiguren spielen verschiedene Instrumente und oben, in der Mitte, steht ein Laute spielender Minnesänger auf einer Säule. Die von Philipp Kittler im Jugendstil  gestaltete Figur, weist in ihrer Einfachheit bereits auf die nächste Kunstrichtung, die "Neue Sachlichkeit" (ab ca. 1909) hin. Im Beckenrand ist der Text eines Minnelieds aus dem 13. Jh. eingemeiselt. Der Brunnen verklärt die Figur des mitelalterlichen Minnesängers.

Der Minnegesang leitet sich vom Wort "Minne" her. Minne bedeutete in ihrer ursprünglichen Form "Gedenken", dann "liebendes Gedenken", schließlich "Liebe", aber zunächst die "helfende Liebe" (Caritas), erst später v. a. die Liebe zum anderen Geschlecht. Die Lyrik des Minnegesangs, hat sich mit der ritterlich höfischen Kultur um 1150 entwickelt. Ihren Höhepunkt hatte sie in den Jahren 1180 bis 1220. Das Besondere am Minnegesang war die Auffassung von Liebe und die dichterische Form, die sich nach französisch-provenzialischem Vorbild (Troubadoure) entwickelte. Auch die Liebeslyrik der Vaganten übte einen gewissen Einfluss auf den Minnegesang aus. Er entwickelte den Begriff der "hohen Minne", im Unterschied zur "niederen Minne", der Befriedigung des Liebestriebes. Der Reim im Minnegesang ist kunstvoll und seine Reinheit ist zwingend.

Quellen:
Stadtlexikon Nürnberg, herausgegeben von Michael Diefenbacher und Rudolf Endres, W. Tümmels Verlag, Nürnberg, 2000.
Berühmte Nürnberger aus neun Jahrhunderten, Herausgeber Christoff von Imhoff, Verlag Albert Hofmann, Nürnberg, 1984.
Das große Buch der Baustile, Herbert Pothorn, Südwest Verlag München, 1986.
dtv Brockhaus Lexikon in 20 Bänden, Verlag F. A. Brockhaus, Mannheim, 1989.

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