Der Neptunbrunnen in Nürnberg

Das Original des Nürnberger Neptunbrunnens entstand 1649 aus Anlass des Westfälischen Friedens. Die Bronze stammte von Kanonen und Rüstungen aus dem Zeughaus und wurde getreu dem Motto „Schwerter zu Pflugscharen“ nach einem geheimen Rezept in ein „monumentum pacis“, ein Denkmal des Friedens, umgegossen. So vereinte es Tradition und Fortschritt und erlangte bald Ruhm weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Neptun selbst ist ein waschechter Nürnberger – ein gewisser Ludwig Fürlinger stand Modell für die Figur und auch die Wassernymphen wurden nach dem Vorbild einiger Bürgerinnen aus der Reichsstadt geschaffen. Zur endgültigen Aufstellung reichte jedoch damals das Geld nicht und so wurden die Figuren erst einmal 100 Jahre lang eingelagert. Man bot sie prominenten Persönlichkeiten aus ganz Europa zum Kauf an, darunter Ludwig XIV. und der russische Zarin, Katharina II. Deren Sohn, Paul I., war begeistert von den Figuren. Er erwarb den Brunnen zum Schnäppchenpreis von nur 60.000 Silbergulden und ließ ihn nach Russland bringen, wo er seit 1796 im Peterhof das Auge der Besucher erfreute. 145 Jahre stand der Brunnen an seinem Platz in der Parkanlage als die Deutschen Panzertrupps im September 1941 bis nach St. Petersburg, damals Leningrad, vorrückten. Mehr als 200 Plastiken hatten die Sowjets abgeräumt, versteckt, zum Teil sogar vergraben, nur den Brunnen ließen sie stehen, denn der galt als verhasstes „faschistisches Kulturgut“, von dem sie sich erhofften, dass es im Krieg zerstört werden würde. Doch das Monument hielt dem Bombenhagel stand und die Wehrmacht packte bei ihrer Ankunft den Brunnen sofort – ohne die Anweisung aus Berlin abzuwarten – ein und schickten ihn nach Nürnberg. 1902 war aber in Nürnberg eine Kopie des Brunnens nach Gipsabgüssen vom Original in Russland fertig gestellt worden, die Nürnberger konnten daher mit einem zweiten Neptunbrunnen nicht viel anfangen und lagerten ihn im Kunstbunker ein. Dort lag er bis nach Kriegsende, als die Alliierten beschlossen, die geraubten Kunstgegenstände in ihre Herkunftsländer zurück zu schaffen. Also wurde er auf dem gleichen Weg, auf dem er schon vor 150 Jahren von Lübeck aus auf einem Schiff nach Petersburg gereist war, in den Peterhof zurück gebracht. In 12 Kisten verpackt kam der Neptunbrunnen dort an. Die sowjetischen Militärs prüften ihn auf Vollständigkeit und tatsächlich – es fehlte eine Jungfrau. Doch dafür enthielt die Kiste zur Freude der Offiziere ein nagelneues Motorrad der Firma BMW. Das Motorrad leistete der Parkverwaltung im Peterhof noch viele Jahre treue Dienste, der Brunnen dagegen wurde weitere zehn Jahre eingelagert.Unter Chrustschow verbesserten sich die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland und man erinnerte sich an das deutsche Kulturgut. Der Brunnen wurde wieder auf das alte Fundament gesetzt. Einige kleinere Figuren fehlten, andere waren beschädigt, also half die Stadt Nürnberg, die fehlenden Brunnenfiguren in Kopie wieder herzustellen, so dass der Brunnen in Peterhof pünktlich zum 200jährigen Jubiläum am 1. Oktober 1996 in Anwesenheit des deutschen Botschafters und Vertretern der Stadt Nürnberg bei einer Feier mit bayrischem Bier und Nürnberger Bratwürsten zum zweiten Mal in Betrieb genommen werden konnte.Die Kopie des Brunnens stand von 1902 an 32 Jahre lang auf dem Hauptmarkt vor dem Rathaus, seinem ursprünglichen Bestimmungsort gemäß der Ausschreibung des Stadtrates im Jahr 1649 und wurde mit Pegnitzwasser gespeist. Als der Obstmarkt 1934 in Adolf-Hitler-Platz umbenannt wurde, wurde er von dort verbannt, weil es den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge war, dass einer der Geldgeber jüdischer Abstammung war. So zierte der Brunnen von 1937 bis 1957 den Marienplatz gegenüber der NN-Redaktion, bis er schließlich dem dort geplanten Busbahnhof weichen musste und in den Stadtpark verlegt wurde. Die Grundidee, nämlich dass der Brunnens einst ein Denkmal des Friedens war, ging in den deutschen Quellen irgendwann verloren und wurde erst jüngst in russischen Archiven wieder entdeckt. Und so gibt vereinzelte Stimmen in Nürnberg, die sich dafür einsetzen, dass der Neptunbrunnen wieder an seinem angestammten Platz am Hauptmarkt aufgebaut wird, weil er sonst keinen Frieden finden werde.

Dieser Artikel stammt von Christine Kammerer

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