Der Teufelsbrunnen in Nürnberg

Der Teufelsbrunnen befindet sich direkt an der Lorenzkirche zwischen zwei Strebepfeilern des Nordturms, in der Lorenzer Altstadt. Der Brunnen bezieht sich auf die Sage vom "Schusserbuben" und indirekt auf das im Zweiten Weltkrieg untergegangene Lorenzer Schulhaus. Ein Schulbub hat nach dem Unterricht - Buch und Tafel noch unter dem Arm - auf dem Lorenzer Platz geschussert. Er war ein Hitzkopf und beschummelt hat er auch, wo er nur konnte. Als dies seine Kameraden bemerkten und ihn zur Rede stellten, bestritt er alles und beteuerte seine Unschuld. "Wenns nicht wahr ist, soll mich gleich der Teufel holen!" sagte er. Da war auf einmal ein Brausen in der Luft und der Teufel kam dahergefahren und ergriff den Sünder, Tafel und Buch glitten dem Buben aus der Hand. Diese Szene ist zur Mahnung an die Ehrlichkeit am Brunnen festgehalten.

Das Brunnenbecken ist mit Schutzgitter und Schwenkauslauf versehen. An der Rückseite befindet sich eine neugotische Rundsäule, auf der oben eine Fiale (ital., von grch. phiale "Schale" oder "Urne", in der gotischen Baukunst ein schlankes Türmchen als Bekrönung von Strebepfeilern und an Tür- und Fensterverdachungen) angebracht ist, darauf befindet sich das Wappen der Stadt Nürnberg und der Rost des Hl. Laurentius. Auf der schrägen Verdachung der Säule sitzt rechts ein geflügelter Drache und links der Teufel der den Schuljungen ergreift.

Die eigenwillige Form des Blechknaufs auf dem Chordach der Lorenzkirche hat die Fantasie der Betrachter dazu angeregt, die Geschichte vom "Schusselbuben" noch ein wenig weiter zu spinnen. Der Blechnknauf wird heute gemeinhin als "Lausbubenkäpple" bezeichnet, es soll angeblich die Kappe des Jungen sein, die er verloren hat, als ihn der Teufel durch die Luft davon trug.

Wen solche Geschichten interessieren, der sollte sich mal das Büchlein "Fundort Sagen und Legenden in Franken" von Gisela Lipsky und Gaby Ullmann, erschienen im Verlag ars vivendi, ansehen. Dort gibt es viele schaurige und schöne Geschichten über Franken zu lesen, u.a. "Die Totenmesse" (Geisterstunde in St. Lorenz), wo eine arme Frau, die sich schlafwandelnd des Nachts in die Lorenzkirche verirrt, nur knapp dem Tod entgeht, weil sie die dort stattfindende Totenmessen stört.

Quellen:

Stadtlexikon Nürnberg, herausgegeben von Michael Diefenbacher und Rudolf Endres, W. Tümmels Verlag, Nürnberg, 2000.
dtv Brockhaus Lexikon in 20 Bänden, Verlag F. A. Brockhaus, Mannheim, 1989.

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