Kirche St. Jobst in Nürnberg

Die Kirche St. Jobst steht an der ehemaligen Fernhandelsstraße, der "Goldenen Straße", nach Prag, nordöstlich vor dem Laufer Tor im heutigen Stadtteil St. Jobst im Osten Nürnbergs.
Im Jahre 1300 wurde die Kapelle, die an dieser Stelle stand, zum Wallfahrtsort erhoben. Hier wurde der Pilgerpatron Jodokus (St. Jobst) verehrt. Anfang des 14. Jh. wurde ein Siechkobel (s. a. St. Leonhard) an dieser Stelle angelegt.
St. Jobst war der einzige Siechkobel bei dem das Siechenhaus direkt mit der Kapelle verbunden war. Es gab einen Siechmeister und acht Brüder. St. Sebald war für die Verwaltung dieser Siechkobel zuständig. Er beherbergte nicht nur Männer, sondern seit 1575 auch Frauen. Im Jahre 1356 ist eine Altarweihe belegt, welcher als Nachweis für den Bau einer Kirche gilt. Die Kirche brannte im Jahre 1451 nieder, wurde allerdings wieder aufgebaut. Im Jahre 1600 wurde eine Nordempore eingebaut. Im Jahre 1696 wurde St. Jobst zur Pfarrkirche erhoben und der Innenraum im Stil des Barock umgestaltet. In den Jahren 1783/85 wurde der Dachreiter (Ziertürmchen auf dem First eines Satteldaches) erneuert. Im Jahre 1891 wurde die Kirche im neugotischen Stil umgestaltet. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie wieder zerstört und in den Jahren 1947 bis 49 erweitert wieder aufgebaut. Dabei wurden die Gebäude des Siechkobels nicht wieder aufgebaut.

Die Architektur der Kirche St. Jobst zeigt ein einschiffiges, holztonnengewölbtes Langhaus mit Sakristei im Norden und einjöchigem, rippengewölbtem Chor mit 5/8 Schluss. Der holzgeschnitzte Pilgerpadron Jodokus (als Hauszeichen außen an der Langhausnordseite angebracht) wurde ca. 1460/70 ins Kircheninnere verlegt, um ihn vor Verwitterung zu schützen. Auf dem Altar steht der Schrein des Ottmaraltars (nach 1500) mit den Schreinfiguren der Muttergottes zwischen der heiligen Walburga und Ottmar und gemalten Flügeln mit Darstellungen des heiligen Urlich, Blasius, Bendedikt und der heiligen Scholastika (der Schrein ist eine Leihgabe aus St. Jakob). Im Auszug ist eine Kreuzigungsgruppe zu sehen (Kreuz um 1440/50). Assistenzfiguren (Figuren, die zur Darstellung eines Themas nicht notwendig sind und meist nur als Bereicherung figurenarmer Szenen dienen. Man findet Assistenzfiguren hauptsächlich in der italienischen Malerei des 15. Jh., wobei diese oft ein Porträt eines bekannten Zeitgenossen oder des Künstlers selbst abbilden) stammen vom Ende des 15. Jh.. Die Kreuzigungsgruppe ist eine Leihgabe von St. Johannis. An der Südwand des Kirchenschiffs findet man ein Kreuz aus dem Ende des 15. Jh. (Leihgabe der Stadt Nürnberg). An der Nordseite des Kirchenschiffs sind Maria und Johannes zu sehen (ebenfalls Ende 15. Jh.; Leihgabe von St. Jakob).

Beachtenswerte Glasgemälde aus dem 16. und 17. Jh. (meist Wappenscheiben) kann man an den Fenstern bestaunen. Neun Totenschilde ehren die Familien Harsdörffer, Holzschuher, Kreß und Imhoff.

Ein stark verwitterter Bildstock mit Kreuzigungsdarstellung, sowie der heilige Jobst sind außen am Chor zu finden (15./16. Jh.). Der Friedhof rund um die Kirche St. Jobst, der während einer Pestepidemie im Jahre 1483 angelegt wurde, befindet sich heute noch auf dem Gebiet des ehemaligen Siechkobels.

Kontakt:
Evanng. Luth. Kirchengemeinde St. Jobst
Äußere Sulzbacher Str. 146
90491 Nürnberg
Email: gemeindebuero@st-jobst.de
web: www.st-jobst.de

Tel.: 09 11/9 59 80 0
Fax: 09 11/9 59 80 10

Öffnungszeiten Pfarramt:
Montag-Freitag: 10-12 Uhr
Mittwoch: 14.30-17 Uhr (und Vereinbarung)

Öffnungszeiten Friedhofsverwaltung:
Montag und Freitag: 10-12 Uhr,
Donnerstag nachmittag nach Vereinbarung

Öffnungszeiten Gemeindehaus
(z.B. für Kunstausstellungen):

Mo. - Fr.: 8 - 18 Uhr
So.: 9 - 12 Uhr
 
Quellen:

Stadtlexikon Nürnberg, herausgegeben von Michael Diefenbacher und Rudolf Endres, W. Tümmels Verlag, Nürnberg, 2000.
dtv Brockhaus Lexikon in 20 Bänden, Verlag F. A. Brockhaus, Mannheim, 1989.

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