Die Kirche St. Leonhard in Nürnberg

Die Kirche St. Leonhard befindet sich im Ortsteil St. Leonhard in der Schwabacherstraße 54.

Man geht davon aus, dass es an der gleichen Stelle schon eine sogenannte "Frauensiechkobel" gegeben hat (in Nürnberg gab es im Mittelalter insgesamt vier Siechkobel*1).

Im Jahre 1317 wurde die Kapelle St. Leonhard vom Lorenzer Pfarrer Herrmann Schürstab*2 gestiftet. Die "Kapelle der Aussätzigen" wie sie genannt wurde, entwickelte sich rasch zu einer Gemeindekirche für die umliegenden Dörfer (Sündersbühl und Schweinau). Im Jahre 1449 wurde die Kirche zum ersten Mal zerstört, der Wiederaufbau wurde von der Patrizierfamilie Schüsselfelder im Jahre 1490 finanziert. Abermals zerstört im Zweiten Markgrafenkrieg im Jahre 1552 und im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) wurden während dieser Zeit die Gottesdienste der Gemeinden in der Rochuskapelle*3 abgehalten.

Die gesamte Anlage wurde im Jahre 1806 versteigert. Heute sind nur noch der Chor der Kirche mit zwei kreuzrippengewölbten Jochen und 5/8 Schluss aus dem 15. Jh. (teilweise wieder aufgebaut), Teile der südlichen Langhauswand aus dem 17. Jh. und Teile der neugotischen Westturmanlage erhalten. Alles andere stammt aus dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg in den 1950er Jahren. Das einzige alte Ausstattungsstück in der Kirche ist eine Pietà aus dem 16. Jh. (1510/20).

Der Heilige Leonhard lebte wahrscheinlich im 6. Jh. bei Limoges als Einsiedler. Er wurde bereits im 11. Jh. in Mitteleuropa verehrt und gilt besonders in den Alpenländern als Patron des Viehs (Leonhardiritt).

*1 Siechkobel
Sog. Siechkobel oder Leprosenhäuser entstanden im 13. und 14. Jh. an den vier großen Ein- und Ausfallstraßen von und nach Frankfurt/Main, Augsburg, Regensburg und Prag. Dort wurden Aussätzige oder Menschen mit anderen ansteckenden Krankheiten betreut. Die Siechkobel (Kobel ist auch die Bezeichnung für das Nest eines Eichhörnchens) waren zusammen mit den Spitälern, den Pilgerhospizen, den Zwölfbrüderhausstiftungen, den Findelhäusern, den Klöstern sowie den zahlreichen Almosenstiftungen, wichtiger Bestandteil der mittelalterlichen Sozial-, Kranken-, Armen- und Altersfürsorge. Die Siechkobel widmeten sich in erster Linie den Kranken, ab dem 16. Jh. entwickelten sie sich zunehmend zu Pfründneranstalten, vergleichbar mit den heutigen Altersheimen. Die vier Siechkobel von Nürnberg waren St. Jobst, St. Johannis, St. Leonhard und St. Peter).

*2 Die Schürstabfamilie:
Die Schürstabs waren eine Patrizierfamilie, die ursprünglich aus Siebenbürgen stammte. Ihren Reichtum schöpften sie aus dem Fernhandel (Export und Import) und waren seit 1355 im Inneren Rat der Stadt Nürnberg vertreten, in der sie auch eine bedeutende Rolle im geistlichen Leben der Stadt spielten. Margaretha Schürstab war ab 1367 Äbtissin des Klaraklosters, ab 1403 folgte Elisabeth Schürstab.

*3 Rochuskapelle mit Rochusfriedhof:
Der Rochusfriedhof wurde während einer Pestepidemie aus hygienischen Gründen außerhalb des bebauten Stadtgebiets angelegt, ebenso wie auch der Johannisfriedhof. Der Rochusfriedhof befindet sich heute im Stadtteil Gostenhof, Rothenburger Straße 20. Die Weihe des Friedhofs erfolgte im Jahr 1519. Die Rochuskapelle wurde von der Patrizierfamilie Imhoff gestiftet, die Weihe erfolgte im Jahre 1521. Die Familie ist noch heute Eigentümer der Kirche. Nürnberg war im Zuge der Pestepidemien (vom "Schwarzen Tod" in den Jahren 1348-50 verschont, die drei schwersten Epidemien erlitt sie 1533/34; 1562/63 und 1632/33) ein Zentrum der Rochusverehrung geworden.
Heute berichten über 1000 gegossene Bronzetafeln auf alten Grabsteinen von der Herkunft, dem Beruf und dem Wirken der Verstorbenen. Zwei berühmte Männer sind auch darunter: Peter Vischer d. Ä. und der Organist und Komponist Johann Pachelbel.

Kontakt:

Evang.-Luth. Kirchengemeinde Nürnberg - St. Leonhard-Schweinau - Haus der Kirche -
Georgstraße 10
90439 Nürnberg
Tel: 0911-239919-0
Fax: 0911-239919-10

Quellen:

Stadtlexikon Nürnberg, herausgegeben von Michael Diefenbacher und Rudolf Endres, W. Tümmels Verlag, Nürnberg, 2000.
dtv Brockhaus Lexikon in 20 Bänden, Verlag F. A. Brockhaus, Mannheim, 1989.

Teilen: