St. Nikolaus und Ulrich Kirche in Nürnberg

Diese Kirche steht am Kirchenberg 15 in Mögeldorf.

Ursrprünglich stand an der Stelle wahrscheinlich eine Kapelle aus dem 13. Jahrhundert, sie wurde in einem Ablassbrief von 1300 erwähnt und in einer Archivalie von 1315.
Die Kapelle war Johannes dem Täufer geweiht und unterstand der Mutterkirche in Rasch bei Altdorf.

Die Kirche wurde in den Jahren 1414 bis 1416 errichtet und in diesem Jahr wurde die St. Nikolaus und Ulrich Kirche auch zur Pfarrei erhoben. Der Chorbauteil ist wahrscheinlich älter als das Langhaus.

Im ersten Markgrafenkrieg*1 brannte die Kirche aus. Daraus erfolgte der Einbau einer neuen Flachdecke aus Holz im Jahre 1449. Nach Verwüstungen im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) wurde die Kirche im Jahre 1662 zum ersten Mal restauriert. Erst im 20. Jh. (1901/02) erfolgte dann eine "Runderneuerung" auf Veranlassung des Pfarrers Johann Friedrich Ludwig Lauter (1894–1910 im Amt).
Die Rundpfeiler im Langhaus, die Gewölbe und die Emporen wurden im Stil der Neugotik eingebaut und es entstand ein neuer Westchor. Die Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg wurden erst 1963 bis 67 behoben. Im Jahre 1998 wurde eine neue Orgel eingebaut.

Ein hoch aufragendes Satteldach prägt das Kirchenschiff von außen. Die Dächer des Ost- und Westchors sind niedriger. Der Turm befindet sich an der Südseite. Zudem befindet sich eine Ölbergnische mit Figuren aus der 1. Hälfte 15. Jh. mit Ergänzungen aus dem Jahre 1907 an der Außenfassade. Zudem sind ein Gefallenendenkmal mit Kreuzigungsgruppe aus den Jahren 1919/20 von Max Heilmaier und ein Brustbild Christi aus dem 14. Jh.am Strebepfeiler sichtbar. In die Friedhofsmauer wurde ein Kreuzigungsrelief aus dem 15./16. Jh eingelassen.   

Der Hochaltar im Inneren stammt aus der Zeit des Barock (1702), welche eine Stiftung der Margareta Susanna von und zu Pohlheim (1660–1721), geb. von Zinzendorf war. Er zeigt Christus am Kreuz vor der Stadtkulisse Jerusalems (das Ölgemälde eines unbekannten Malers). Die Kanzel stammt aus dem Jahre 1715 (ebenfalls eine Stiftung der Margareta Susanna von und zu Pohlheim). Die kleine gotische Sakramentsnische stammt vom Ende des 15. Jh.. Sie wurde 1963 versetzt und über vier neue Steinlagen wieder aufgebaut und nach altem Vorbild bemalt. Im Sakramentshäuschen wurde ursprünglich die geweihte Hostie zwischen den Gottesdiensten aufbewahrt. Aus solch frühen Sakramentsnischen mit architektonischem Zierrat entwickelte sich später das freistehende Sakramentshaus (Nürnberg, St. Lorenz). Zudem erwähnenswert sind Freskenreste (mittelalterliche Wandgemälde, ca. 1420) und eine großformatige Kreuzigungsgruppe (ca. 1530) an der Nordwand des Chors. Dies ist eine bemerkenswerte Schnitzarbeit, bei der die angespannten Körper und die krampfhaft um die Kreuz gewunden Arme, besonders der Schächer, die Qualen der Gekreuzigten für den Betrachter fast spürbar machen. Zudem wirken die Figuren durch die echten Stricke, mit denen sie am Kreuz befestigt sind, besonders realistisch. Die Christusfigur dagegen ist "in stiller Hingabe, vom Schmerz gezeichnet" dargestellt, als "Geschenk des Friedens für uns". Auch eindrucksvoll im Inneren der Kirche ist eine Gottvaterskulptur (ca. 1479/80) in einem faltenreich gebauschten, roten Mantel mit grünem Innenfutter und charakteristisch langer, fließender Haar- und Barttracht, die ein Zepter und eine Kreuzkugel (die Insignien der Weltherrschaft) in seinen Händen hält.

In der nordöstlichen Langhauswand befindet sich eine Rotmarmorplatte mit Ritzzeichnung des Grolandwappens (für Ulrich Groland (gest. 1407).

Zahlreiche Totenschilde im westlichen Langhaus und im Westbau erinnern an Verstorbene der Familien Dietherr, Groland, Holzschuher und Oelhafen, einer unbekannten Familie. Sowie ein spätes Totenschild aus dem Jahre 1914 für Walter v. Forster (Arzt, gefallen 1914) vom Industriegut Hammer.

Totenschilde wurden meist zum Andenken an die männlichen Mitglieder des Nürnberger Patriziats und ehrbarer Familien gestiftet. Anfangs waren es überwiegend bemalte Tafeln, später dann Schnitzarbeiten, die für gewöhnlich das Wappen des Verstorbenen und in kleinerer Gestalt das seiner Ehefrau(en) tragen. Todesdatum, Name und Beruf wurden normalerweise auch darauf erwähnt.

An der Langhausnordwand befindet sich noch ein Epitaphfragment der Familie Deichsler (1572) und an der Westwand im Westbaudas das geschnitzte Epitaph der Anna Maria Pücher († 1625).

Zwei Gemäldeepitaphien findet man an der Westwand des Langhauses. Gemäldeepitaphien wurden meist zum Gedächtnis an weibliche Familienmitglieder gestiftet und stellten neben einer biblischen Szene im Hauptfeld (oft auf Tod und Jenseits bezogen) am unteren Rand die Verstorbene mit Familie in anbetender Haltung dar.

Es existiert ein Epitaph mit der Darstellung der Kreuzigung Christi (Ende 15. Jahrhundert) von der Familie Deichsler und eines mit einer Weltgerichtsdarstellung (um 1580) von der Familie Holzschuher.

Ein Bild von (reiligions-)geschichtlicher Bedeutung ist besonders erwähnenswert: Die Übergabe der Augsburger Konfession, das sog. Konfessionsgemälde im Westbau. Es stammt aus dem Jahre 1602 und wurde von Andreas Herneisen (1538–1613 nachweisbar) gemalt. Es ist ein allegorisches Gedenkbild an die Reformation.

Weitere Fassungen dieses Themas vom selben Maler existieren im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg (1599), im Rathaus von Bad Windsheim (1601) und in der evangelischen Kirche zu Kasendorf bei Kulmbach.

Aus dem 16. und 17. Jh. stammen die Wappenscheiben im Chorfenster, zudem eine Rundscheibe mit Gnadenstuhl (um 1510/20) und Maßwerkscheiben aus dem 19.Jh..

Aus dem Jahre 1960 stammt die Passionsdarstellung im Hauptfenster des Chors.

Im Jahre 1400 war die Kirche von den Wittelsbachern an die Universität Heidelberg gestiftet worden und wurde im Jahre 1526 von der Reichsstadt Nürnberg wieder zurück erworben. Im Jahre 1796, nach der preußischen Besetzung der Nürnberger Vororte, wurde sie in das markgräfliche Dekanat Schwabach eingegliedert. Im Jahre 1810 erfolge die Eingliederung in das unter bayerischer Herrschaft gegründete Dekanat Cadolzburg und im Jahre 1821 dem Dekanat Lauf a. d. Pegnitz. Schließlich wurde die Kirche im Jahre 1827 dem älteren Dekanat Nürnberg untergestellt. Im Jahre 1907 wurde die Pfarrei Mögeldorf in das Dekanat der Lorenzer Seite eingeordnet und 1930 dem neueren Dekanat Nürnberg. Die Pfarrei Mögeldorf ist seit 1970 Sitz des Prodekans für den Prodekanatsbezirk Nürnberg Ost und besitzt seit 1950 eine zweite Pfarrstelle.

Fußnoten:

*1 Markgrafenkriege:
Es gab insgesamt zwei Markgrafenkriege. Der erste in den Jahren 1449/50 und der zweite in den Jahren 1552 bis 54.
Der Auslöser für den ersten Markgrafenkrieg war der Versuch des damaligen Markgrafen von Brandenburg-Ansbach (Albrecht Achilles von Brandenburg, späterer Kurfürst von Brandenburg) das Territorium der Hohenzollern in Franken zu vergrößern. Dazu musste er "Nürnberg seiner Hohheitsrechte im weiteren Umkreis sowie auf längere Sicht seiner politischen Unabhängigkeit ... berauben", wofür er ein Bündnis mit den Fürsten, Grafen und Rittern aus Franken schloss. Nürnberg wurde durch zahlreiche andere Städte untertützt (Städtebünde). Der eigentliche Krieg in den Jahren 1449/50 war ein zermürbender Kleinkrieg und brachte auf beiden Seiten nur Zerstörung und Plünderung jedoch keinen Sieg. Das Ende besiegelte der Laufer Vertrag (Frieden von Laufen, 18.04.1453) in dem Nürnberg alle seine Hoheitsrechte gegen den Markgrafen behaupten konnte, ihm aber eine Entschädigung von 25000 fl (Florin) zahlen musste.
Der zweite Markgrafenkrieg wurde vom Markgrafen Albrecht Alcibiades verursacht. Auch er wollte sein Machtgebiet vergrößern und plante Nürnberg wirtschaftlich zu zerstören, die Hochstifte zu säkularisieren und ein zollersches Herzogtum Franken zu schaffen. In mehreren grausamen Raubzügen verwüstete der Markgraf große Gebiete der Bistümer Bamberg und Würzburg, sowie Gebiete im Nürnberger Landgebiet (Lauf, Altdorf, Hersbruck). Am Ende wurde Albrecht durch ein Bündnis der Franken (Fränkischer Bund mit den Königen Ferdinand, Moritz von Sachsen und Heinrich d. J. von Braunschweig) aus dem Land gedrängt. Nürnberg war durch die Schäden und die hohen Kriegskosten aber stark geschwächt und verlor seine bis dahin ungebrochene Finanzkraft und somit auch einen Großteil seiner politischen Entscheidungsfreiheit und konnte sich nicht mehr davon erholen. Nach seiner Vertreibung aus Franken hatte Albrecht das Fürstentum Braunschweig verwüstet. Im Juli 1553 wurde er bei Sievershausen zusammen geschlagen. Im Dezember 1553 wurde die Reichsacht  wegen Landfriedensbruch über ihn verhängt und seine Ländereien besetzt. Er starb in französischen Diensten ohne seine Heimat je wieder betreten zu haben.

Ansprechpartnerin im Pfarramt:
Barbara Lippold (Pfarramtssekretärin )
Kirchenberg 13,
90482 Nürnberg
Tel.: 0911 5430094
Fax 0911 5430083

Öffnungszeiten:      
Montag: 08.30 Uhr – 11.30 Uhr und 14.00 Uhr – 16.00 Uhr
Dienstag: vormittags geschlossen, nachmittags 13.00 Uhr – 15.00 Uhr
Mittwoch: vormittags 08.30 Uhr – 11.30 Uhr, nachmittags geschlossen
Donnerstag: vormittags geschlossen, nachmittags 13.00 Uhr – 17.00 Uhr
Freitag: vormittags 8.30 Uhr – 11.30 Uhr, nachmittags geschlossen

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