Die Klein- und Großweidenmühle in Nürnberg

Die Kleinweidenmühle (auch "Weidenmühle in der Lorenzer Pfarr" genannt) wurde zum erstenmal in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahre 1234 erwähnt. Sie lag westlich der Stadt in St. Johannis und wurde zusammen mit der Großweidenmühle (auch "Weidenühle in der Sebalder Pfarr" genannt), der Almosmühle und wahrscheinlich auch der Krötenmühle von König Heinrich VII. an die Deutschordenskommende Nürnberg verschenkt, die sie 1431 an die Reichsstadt Nürnberg verkaufte. In der Kleinweidenmühle wurde im 15. und 16. Jh. Getreide gemahlen, es wurden Schermesser geschliffen und ein Messing- und ein Zainhammer betrieben. Im Jahre 1541, als die gesamte Anlage von Endres Örtel übernommen wurde, kam eine Papiermühle dazu (Örtelsche Weidenmühle). Im Jahre 1581 wurde das alte Messingrad in ein zweites Papierrad umgewandelt um die Papierproduktion zu erhöhen, denn sie war bereits 1566 mit dem Hadersammelprivileg in Nürnberg, Wöhrd und Gostenhof ausgestattet worden. Um der wachsenden Konkurrenz des Nürnberger Buchdruckers Wolf Endther d. Ä. zu begegnen, der 1630 begonnen hatte in Wendelstein Papier herzustellen, haben die Müller der Kleinweidenmühle nach dem Dreißigjährigen Krieg die Papiermühlen in Röthenbach/Pegnitz und Mögeldorf (Satzingermühle) übernommmen. Bis 1839 wurde in der Kleinweidenmühle Papier gefertigt. Ab dem Ende des 19. Jh. wurden Gebäude und Mühlen an unterschiedliche Handwerksbetriebe vermietet, so wurde die Mahlmühle bis ins frühe 20. Jh. von der Patentstiftfabrik Schad, der Nürnberger Metallwerke GmbH, der Metallzieherei Eichner & Co. und der Galvanischen Anstalt Kolb, Lutz & Melde genutzt. Im Jahre 1940 wurde die Kleinweidenmühle von der Münzprägeanstalt L. Chr. Lauer gekauft, die darin bereits ab der Mitte des 19. Jh. einen Zinnfolien- und Eisenhammer betrieben hatte.

Die Großweidenmühle war seit 1487 über einen Holzsteg mit der Kleinweidenmühle verbunden. Sie hatte vier Getreideräder und ab 1439 ein Drahtzugrad, weshalb sie auch als Drahtziehmühle bezeichnet wurde. Im Jahre 1515 wurde sie von der Patrizierfamilie Imhoff gekauft und wurde daher auch Imhoffsche Weidenmühle genannt. Ab 1700 versorgte ein Wasserrad die Barockgärten in St. Johannis (s. a. internen Link im aktuellen FensterHesperidengärten). Im 19. Jh. wurde die Großweidenmühle dreigeteilt, in den "Leykaufschen" Eisenhammer (ab 1856 von der Bleistiftfabrik Lyra genutzt), den "Engelhardtschen" Hammer, der 1960 zur Fehnschen Kunstmühle umgebaut wurde und die "Vordere Mühle" oder ab 1856 auch "Haberstumpfmühle" genannt. Letztere war bis ins 20 Jh. in Betrieb. Nur die "Fehnsche" Kunstmühle überstand den Zweiten Weltkrieg, so musste lediglich das zerstörte Wehr wieder aufgebaut werden (1950er). Der Mühlenbetrieb wurde 1967 eingestellt.

Im inoffiziellen Sprachgebrauch bezeichnet man heute mit der Großweidenmühle einen Teil des Stadtteils St. Johannis.

Es gibt ein schönes Aquarell von Albrecht Dürer (1507) von der Groß- und Kleinweidenmühle mit dem Steg, das heute in der Bibliotheque Nationale in Paris hängt.

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