Die Pulvermühlen im Veilhof und am Sandbühl in Nürnberg

Insgesamt sind im direkten Umfeld von Nürnberg vier Pulvermühlen überliefert: Zwei gab es östlich von Wöhrd vor dem Mögeldorfer Tor, eine im Oberen Veilhof und eine am Sandbühl östlich der Hadermühle, auch als Pulvermühle bei der Tullnau bekannt. Die beiden erst genannten Mühlen vor dem Mögeldorfer Tor waren von 1532 bis 1780 als Pulvermühlen in Betrieb und waren im Besitz der Reichsstadt Nürnberg. Nach der Beschädigung und dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Markgrafenkrieg (1552 bis 54) wurden sie zudem auch als Säge- und Papiermühlen genutzt. Im 17. und 18. Jh. gab es insgesamt acht Explosionen, weshalb man die Mühlen letztendlich still legte und die Gebäude im Jahre 1788 an einen Apotheker verkaufte, der darin ein chemisches Labor einrichtete. Die Pläne, anstelle der Mühlen eine Kattundruckerei zu errichten, wurden nicht verwirklicht. Die Druckerei wurde stattdessen innerhalb der Stadtbefestigung in der Neuen Gasse erbaut. Die Pulvermühle am Sandbühl (bei der Tullnau) wurde im 16. und 17. Jh. als Pulvermühle betrieben und insgesamt fünf mal durch Explosionen zerstört. Danach wurde sie ab 1723 als Spiegelglasschleiferei und Poliermühle betrieben. Eine Mennigfabrik zur Herstllung von Spiegelfolien wurde zusätzlich ab dem Jahre 1812 eingebaut, dessen Inhaber Johann Zacharias Lotzbeck war. Ab ca. 1850 bis 1924 wurden in der Mühle Grafit und Schmelztiegel hergestellt. Ab 1930 bis zur Zerstörung im Jahre 1943 wurde in der Mühle wieder Glas (Dickglas und Autoscheiben) bearbeitet. Die Fabrik wurde wegen der Lage im Hochwassergebiet der Pegnitz nicht wieder aufgebaut. Die Pulvermühle im Oberen Veilhof wurde 1507 errichtet und war nur bis 1560 in Betrieb. Sie wurde nach dem Zweiten Markgrafenkrieg in eine Papierstampfe umgewandelt und war Zulieferer für die Tullnauer Papiermühle. Vom Ende des 16. Jh. bis zu einer Explosion im Jahre 1608 wurde sie nochmal als Pulvermühle betrieben. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde sie allerdings wieder zur Herstellung von Papier genutzt. Im Jahre 1770 wurde die gesamte Anlage, nachdem sie ab dem Ende des 17. Jh. wieder als Pulvermühle betrieben worden war, zerstört. Die Witwe des Inhabers Dietherr, der bei der Explosion ums Leben gekommen war, wollte die Mühle als Säge- oder Papiermühle mit Ölstampfe und Spiegleschleiferei wieder aufbauen, erhielt aber nur eine Genehmigung für die Papierherstellung. Ein letzter Versuch erneut Pulver in der Mühle herzustellen scheiterte durch eine erneute Explosion im 19. Jh. Die zerstörte Mühle wurde nicht wieder aufgebaut. Von der Explosion der Wöhrder Pulvermühle am 22.Mai 1764 gibt es einen Kupferstich von A. W. Winterstich (18.Jh.).

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