Die Wöhrder Mühlen in Nürnberg

Die erste urkundliche Erwähnung einer Mühle in Wöhrd stammt aus dem Jahre 1326 als burggräfliches Lehen in der Nähe des Wassertors. Sie wurde im Jahre 1414 vom Burggrafen an Ulrich Haller und Peter Volckamer verkauft und ging 1427 mit dem Dorf Wöhrd in die Oberherrschaft der Reichsstadt Nürnberg über.

Ursprünglich wurde die Wöhrder Mühle wie viele andere Mühlen in Nürnberg zum Getreidemahlen genutzt, aber schon im 14. Jh. wurden auch Polier-, Färb- und Walkmühlen erwähnt und ab dem 17. Jh. auch Draht- und Schleifmühlen und eine Messingmühle (Beckschlagerhammer).

Die Mühlen erstreckten sich beiderseits des nördlichen Pegnitzarms. Bis ins 17. Jh. wurden die Wöhrder Mühlen mehrmals zerstört, sei es durch Brand oder kriegerische Auseinandersetzungen. Nach dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Markgrafenkrieg (1552 bis 54) konnte man insgesamt sechs Mühlen zählen, ohne die im Osten anschließende Pulvermühle vor dem Mögeldorfer Tor. Am Ende des 18. Jh. wurden Messingdraht, -blech und -becken, Lahngold (Leonische Fäden*1), Harnische, Messer, Schwerter, Ahlen (Werkzeug zum Löchervorstechen in Leder, v. a. für Schuhmacher und Sattler), Folien, Papier und Spiegelglas in den Wöhrder Mühlen gefertigt und Tücher gefärbt. Gips-, Gewürz und Farbstampfen wurden im 19. Jh. betrieben. Im Zweiten Weltkrieg wurden alle Mühlen zerstört und in den 1950er Jahren alle Ruinen beseitigt.

*1 Leonische Fäden (nach der spanischen Stadt Leon benannt)
feinst ausgezogene Runddrähte, flach gewalzte Flachdrähte (Lahn, Plätte, Rausch) oder Schraubendrähte (Kan(e)tillen, Bouillon) aus echten oder plattierten Metallen zur Umspinnung textiler Seelenfäden (leonische Gespinste) für Blokate, kirchliche Gewänder und Posamente (s. a. Fabrikmuseum Roth).

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