Die Geschichte des Nürnberger Hauptbahnhofes

Die Geschichte des Nürnberger Hauptbahnhofes

Die zeitlichen Abläufe:

  • 17.08.1835: Die erste Zugfahrt in Deutschland fand zwischen Nürnberg und Fürth statt. Der erste "Bahnhof" befand sich am Plärrer
  • 1844: Es entstand ein neuer Bahnhof in heutiger Lage.
    Der Bahnhof war ein sogenannter "Kopfbahnhof" für die Ludwig-Süd-Nord-Bahn von Lindau nach Hof.
  • Gründe für neue Lage / Kopfbahnhof: Nach damaligem Standard hatte jede Linie einen eigenen Endbahnhof (London hatte 15 Kopfbahnhöfe); Der Bahnhof am Plärrer war als Privatbesitz gebaut; Süd-Nord-Bahn war jedoch staatlich; Zusätzlich war der Raum am Plärrer mit ca. 2000 m² Grundfläche für Nürnberg und ihren ca. 50.000 Einwohnern nicht ausreichend
  • Entwicklung des Bahnhofs zum Zentralbahnhof. Folgende Strecken wurden angeschlossen: Schwabach (1849), Hersbruck (1859), Regensburg (1871), Ansbach (1875)
  • 1882: Der Bahnhof besaß nun neun Bahnsteiggleise. Das Erdegeschoss wurde erweitert.
  • Bis 1900: Verkehrsaufkommen verdreifachte sich
  • 10.4.1906: Der Zentralbahnhof wurde nochmals erweitert. Das jetzige Empfangsgebäude entstand nach 6-jähriger Bauzeit.
    Nürnberg hatte mittlerweile ca. 300.000 Einwohner.
  • 1928: Ein erster Umbau fand mit der Öffnung des West-Tunnels in Richtung Süden statt. Im Südausgang begann die Vermarktung.
  • 1944-45: Ein großer Teil (42%) des Empfangsgebäudes wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt. Nur der Jugendstilsaal blieb als einziger Raum unversehrt.
    Am 16.4.1945 wurde der Nürnberger Zentralbahnhof offiziell stillgelegt und neun Tage später durch die Amerikaner wieder in Betrieb genommen.
  • 1945-56: Da bei der Beseitigung der Kriegsschäden kein Geld vorhanden war, bekam der Nürnberger Bahnhof eine neue, einfache Kuppel. Der Innenausbau wurde schnörkellos ausgeführt.
  • 1973: Der Neubau der U-Bahn wurde begonnen. Dabei stellte sich heraus. dass der Mittelbau und die Kuppel zu schwer waren.
    Es wurden Vorschläge zur Kuppelneugestaltung überdacht. Eine Möglichkeit war eine Plexiglas-Kuppel. Diese wurde allerdings nicht realisiert.
  • 1974-78: Neue Bahnsteigdächer wurden installiert. Die Bahnsteighöhe betrug 76 cm.
  • 1977-78: Der Neubau der Kuppel und der Mittelhalle begann. (Kupfergedecktes Tonnengewölbe = 3. Kuppel)
  • Vielfältige Planungen zum Gesamtumbau werden entworfen, aber nie verwirklicht.
  • 1994: Der Wendepunkt - Bahnreform und Gründung S&S
    „Renaissance der Bahnhöfe": Architekturbiennale 1996 in Venedig
    26 große Bahnhofsprojekte in Deutschland: „Bahnhöfe der Zukunft"
  • 1999-2002: Der Nürnberger Hauptbahnhof wird komplett umbaut. Umbauzeit von September 1999 bis Mitte 2002.
  • 27.4.2001: Das Richtfest findet statt.
  • 24.6.2002: Der neue Nürnberger Hauptbahnhof wird eingeweiht.
  • Heute steht das gesamte Empfangsgebäude unter Denkmalschutz.

Anekdote:

Der Bürgermeister Schuh beim Prinzregenten Luitpold von Bayern: „Königliche Hoheit, wir hamm jetzt ein Denkmal von Ihnen gebaut, dazu brauchten wir halt einen neuen Bahnhof - Budget bewilligt.

  • Neues EG - Baustil: Neo-Renaissance
  • Fassade aus Muschelkalk - nicht Sandstein
  • Architekt: Karl Gustav Ritter von Zenger
  • Baukosten: 4.216.000 Goldmark (Straßenbahnschaffner-Verdienst: 1200 GM/Jahr)
  • Grundfläche: ca. 10.000 m²
  • Volumen: 185.000 m³ (= Volumen von ca. 200 Einfamilienhäusern) entspricht ca. 23 GM / m³
  • 500 Räume
  • Anhebung der Gleise um 3,27 m
  • Dadurch ergeben sich folgende Vorteile: Der Zugang vom EG zu den Tunneln befand sich auf einer Ebene, der Bau der Straßenunterführungen war einfach zu realisieren.
  • Erweiterung auf 11 Bahnsteige und 21 Gleise.
  • Architektonische Neuheit: Bahnsteigdächer
  • Haupteingang (Außen): 3-köpfige Figurengruppe mit Löwe und Adler = Welt der Eisenbahn
  • Tunnelnutzung (Verbindung: EG - Bahnsteige)
  • West: Zugang zu den Zügen
  • Ost: Ausgang von den Bahnsteigen
  • Mitte: Gepäcktransport
  • Warte- und Wirtschaftsräume: getrennt nach „allerhöchsten Herrschaften" sowie 1., 2. und 3. Klasse
  • Jugendstilsaal
  • Restaurantpreise
  • Schweinebraten: 0,9 Goldmark
  • Filetsteak:: 1,6 Goldmark
  • Tagessuppe: 0,3 Goldmark

Die Reisendenentwicklung in Nürnberg insgesamt:

  • 1852 - 139.000 Fahrkarten
  • 1890 - 630.000 Fahrkarten
  • 1900 über 2.000.000 Fahrkarten

 

 



Falls Sie mehr über den Nürnberger Hauptbahnhof wissen möchten, empfehlen wir Ihnen das Buch Hauptbahnhof Nürnberg - Geschichte und Visonen Herausgegeben von Karl Heinz Ferstl und Heinrich W. Kaiser. Sie erhalten es in den Buch- und Zeitschriften-Geschäften im Nürnberger Hauptbahnhof.


Wir bedanken uns bei Hern Karl Heinz Ferstl (Leiter des Bahnhofsmanagement) und Herrn Träger (DB-Museum Nürnberg) für die freundliche Unterstützung. 

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