Der Handwerkerhof zu Nürnberg - Der Waffenhof

Gegenüber vom Nürnberger Hauptbahnhof ist das "Frauentor", ein Teil der ehemaligen Befestigungsanlage. Heute besteht es aus dem dicken Turm (im 14. Jahrhundert als viereckiger Wehrturm errichtet und 1558 rund ummantelt) und dem links stehenden, mit dem Reichswappen verziertem Stadttor. Hier führt der Weg über eine Grabenbrücke in den "Waffenhof", einen ehemaligen militärischen Appell- und Kontrollplatz.

Im Dürerjahr 1971 wurde als Touristenattraktion auf dem Gelände des Waffenhofs, der Handwerkerhof erbaut. Diese kleine Stadt in der Stadt soll als "Handwerkerhof Alt-Nürnberg" Einheimischen und Gästen einen Einblick in die traditionelle Handwerkskünste vergangener Jahrhunderte geben.

Dem Spaziergänger bietet sich ein Anblick von eng nebeneinander stehenden Fachwerkshäuschen, die einen Rundweg säumen. In den Häuschen bieten die diversen Handwerker ihre Sachen feil. Wer nun denkt, dass der Handwerkerhof nichts anderes ist, als eine Shoppingmeile, der täuscht sich. Nahezu in jedem "Laden" kann man beobachten wie die verschiedenen Meister ihrer Zunft ihre Waren herstellen - genau das gibt dem Areal auch das Flair. Hier kann man zusehen wie Glas geschliffen, Zinn oder Leder verarbeitet wird und das versetzt so manchen aufmerksamen Betrachter ein Stück weit zurück ins Mittelalter, in eine Zeit, in der es keine computergesteuerten Maschinen gab, die die Produkte in einer endlosen Reihe von einem Fließband zum nächsten leiten.
Im Handwerkerhof bekommt man individuelle Einzelstücke, wo kein Stück dem anderen gleicht.

Doch beginnen wir einen Rundgang und sehen den Künstlern über die Schulter. Da ist zunächst eine Töpferei, die sich auf Geschirr und Zierbrunnen für den Garten spezialisiert hat. Wer Glück hat, der kann der Töpfermeisterin beim Formen des Tons zusehen. Gegenüber ist ein Laden für feines Kunstgewerbe aus Holz, Zinn und Porzellan aus Bayern bzw. dem Erzgebirge. In der Glasschleiferei werden nicht nur wunderschöne Gläser und Kelche zum Kauf angeboten, sondern der Herr des Hauses repariert auch von den Eigentümern vorbeigebrachte, wertvolle Besitztümer aus Glas, die vielleicht einen abgeschlagenen Rand oder einen Sprung haben.
Einzelne Anfertigungen nach den individuellen Wünschen des Kunden sind selbstverständlich.

Wer sich eher für Lederwaren interessiert geht ein Haus weiter und kann dort beispielsweise zusehen wie ein modischer Gürtel angefertigt wird.
In Jutta’s Puppenstube gibt es neben den für Liebhaber begehrten Bisquitpuppen auch zahlreiche Teddybären der berühmtesten Hersteller aus Deutschland zu bestaunen und zu kaufen.
Die Besitzerin fertigt auch Puppen selbst an oder restauriert ein geliebtes Stofftier, welches im Laufe der Jahre Schaden genommen hat.

Eine wahre Fundgrube für Freunde von Figuren und Waren aus Zinn und Bronze findet sich eine Tür weiter. Der hier ansässige Künstler formt von kleinen uniformierten Soldaten bis hin zu mächtigen Skulpturen so ziemlich alles aus diesen Materialien. Seine Werke schmücken zum Beispiel den Eingang eines Museums in Kassel. Gerade Sammler aus den USA sind hier oft zu finden und werden – natürlich in englisch – hinreichend beraten, egal ob es sich um den Kauf eines seltenen Stückes handelt oder um die richtige Pflege, die man seiner persönlichen Zinnsammlung angedeihen lassen sollte.

Wer hier genug gesehen hat, findet auf seinem weiteren Weg ein Haus mit Keramik- und Wachsprodukten, eine Galerie und ein Geschäft für Nürnbergs Lieblingsprodukt – dem Lekuchen.

Von hier aus zieht es Kinder dann mit Macht zu den Spielzeugmachern. Die Herstellung von Spielwaren ist seit Hunderten von Jahren einer der wichtigsten Produktionszweige Nürnbergs und deswegen findet auch die größte Spielwarenmesse der Welt alljährlich im Februar in Nürnberg statt.

Im Handwerkerhof findet man Holzspielzeug und vor allem Blechspielwaren. Sammler alter und seltener Spielzeugautos können hier fündig werden und ein seltenes Stück erwerben. Der Besitzer kauft natürlich auch selbst interessante Stücke an.
Gegen Ende des Rundgangs treffen wir noch auf zwei Häuschen. In einem werden antike Lampen und Wappen angeboten, im anderen die Produkte der weltweit operierenden Nürnberger Lebkuchenfirma Schmidt.

Apropos Lebkuchen - Besonders zu empfehlen ist ein Besuch des Handwerkerhofs zur Weihnachtszeit. Dann eröffnet die "Weihnachtsstube" ihre Pforten und es werden in einem Ambiente weihnachtlicher Stimmung Märchenstunden, Stubenmusik, Basteln von Weihnachtssternen, Vorführungen im Binden von Gewürzsträußen und Klöppel- Vorführungen angeboten.

Für das leibliche Wohl ist natürlich ebenfalls gesorgt im Handwerkerhof. Besucher können entweder in der "Fränkischen Weinstube" Einkehr halten, deren Speisekarte übrigens, der Multinationalität der Besucher angepasst, in vielen verschiedenen Sprachen ausliegt oder sie nehmen Platz im "Bratwurst Glöcklein" und erfreuen sich an den berühmten Nürnberger Bratwürsten, die hier in zahlreichen Variationen zu erhalten sind.

So gestärkt, verlässt man das Areal beim Ausgang zur Königsstrasse, die in Richtung zur Fußgängerzone und Lorenzkirche führt.

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