Nürnberg St. Johannis

Der St. Johannisfriedhof im Stadtteil St. Johannis in Nürnberg

Einer der ältesten Stadtteile Nürnbergs ist St. Johannis, dass erstmals 1234 urkundlich erwähnt wird. Dieser Stadtteil stand früher im Zusammenhang mit einer Station für Leprakranke, die dort, zu diesem Zeitpunkt noch außerhalb des eigentlichen Stadtgebietes, untergebracht wurden.
Um ca. 1437 kaufte die Stadt die "Hallerwiese" um ihr Gebiet zu vergrößern. Wohlhabende Bürger Nürnbergs hatten hier ihre Vorgärten und kleinen Wochenendhäuser. Erst nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden hier pompöse Bauten aus Stein errichtet und St. Johannis wurde zum Wohnviertel für wohlhabende Bürger und sogar Patrizierfamilien, die wiederum Entscheidungsträger des Nürnberger Stadtrates waren.

Vor allem längs der späteren Johannisstrasse in Richtung zum Johannisfriedhof hin, entstanden barocke Bauten mit großzügigen Gartenanlagen, die im italienischen Stil angelegt wurden.
In den 1980er Jahren wurden Teile dieser Gärten mit Hilfe des Bürgervereins restauriert bzw. neu angelegt und dienen heute den Bürgern als kleine Oasen in der Großstadt.

Öffentlich zugänglich ist der Garten des Anwesens Johannisstraße 13 (erbaut 1763). Hier betritt man die Gartenanlage durch ein Rokoko-Tor. Insgesamt vier steinerne Figurenpaare, die die griechischen Gottheiten Merkur, Pallas, Athene, Jupiter, Venus, Phoebus, Apollon, Diana, Mars und Saturn darstellen, sowie ein Springbrunnen mit Amor als Figur, bilden den optischen Mittelpunkt dieses Ziergartens.

Im Haus Nr. 21 wohnte kurzzeitig, laut Überlieferung, sogar König Friedrich Wilhelm I. von Preußen, der später als der "alte Fritz" bekannt wurde.

Das nächste interessante Objekt ist Haus Nr. 39, das ehemalige Wohnhaus des Nürnberger Bürgermeisters Johannes Scharrer, ebenfalls ein Fachwerkhaus, dessen Garten allerdings im Privatbesitz ist und somit nicht für Besucher zugänglich ist.

Der Garten von Haus Nr. 47 – der "Hesperidengarten" – wurde 1985 als für alle offen begehbare Grünanlage nach dem barocken Vorbild neu gestaltet. Hier säumen diverse Steinfiguren die Wege, die zum Einen die vier Jahreszeiten symbolisieren und zum Anderen aus zwei Erdteilzyklen bestehen. Manchen Besucher mögen die zwergenhaften Figuren, die einem wie steinerne Zeugen einer verzauberten Märchenwelt vorkommen. Der Garten erstreckt sich  vom Vorderhaus bis zum a "Lustschlößlein", welches sich am hinteren Teil des Garten befindet.
Der Weg durch das Tor im Vorderhaus führt durch einen mit Tischen gesäumten Platz, den sich zwei Lokalitäten teilen. Rechts das "Barockhäusle" ein Restaurant mit typisch fränkischer Küche und links die "Kaffeestube", die feine Kuchen- und Waffelspezialitäten anbietet.

Wer den Garten durch das hintere Tor verlässt und den "Riesenschritt", eine Treppe mit so großen Stufen, dass sie wohl nur ein Hüne ohne Zwischenschritt beschreiten kann, hinab läuft, kommt zur Groß- und Kleinweidenmühle. Hier steht noch das barocke Mühlengebäude und ein Stück weiter in der Großweidenmühlstraße 33-35 das ehemalige Pestspital aus dem 16.Jahrhundert, dass heute als Obdachlosenheim genutzt wird.

Gegenüber der Fachwerkhäuser- und Gartenreihe in der Johannisstraße befinden sich ebenfalls Lokalitäten, die für jeden Geschmack etwas parat haben.
Im "Johann Wein und mehr", werden frisch gekochte Nudel-und Suppengerichte angeboten und wie der Name schon impliziert gibt es eine umfangreiche Auswahl an Weinen. Zwei Häuser weiter ist das Restaurant "Wonka", das eher Speisen für den erlesenen Gaumen anbietet
Wer die Johannisstraße hingegen weiter in Richtung Westen läuft trifft linker Hand auf den Johannisfriedhof.
Der Friedhof ist wohl einer der eindrucksvollsten Begräbnisstätten Deutschlands, wenn nicht sogar Europas und ein Besuch dessen ist unbedingt zu empfehlen. Der Friedhof entstand 1518 auf Grund eines Ratsbeschlusses, Bestattungen nicht mehr innerhalb der Burgmauern vorzunehmen.

Diese Begräbnisstätte beeindruckt den Besucher vor allem durch seine sargähnlichen Grabsteine, die teilweise nur wenige Zentimeter auseinander liegen und deren endlose Reihen rund um die Johanniskirche (eine noch original erhaltene Kirche aus dem 14. Jahrhundert mit einer Reihe an Kunstschätzen bestückt) angeordnet, dem Betrachter ein Gefühl für die Endgültigkeit des Todes geben.
 
Diese liegenden Grabsteine sind zum größten Teil mit bronzenen Grabplatten und Gebilden bedeckt bzw. geschmückt, deren intensives Studium alleine schon Tage dauern würde. Hier sind Wappen und Portraits der Toten gleichermaßen vertreten, wie eingravierte Gedichte oder Szenen biblischer Geschehnisse. Einige Gräber sind auch mit überkreuzten Schwertern oder metallenen Schädeln und Knochen bestückt, was dem ganzen Friedhof eine Aura aus einem Horrorfilm verleiht.
Aktuell statt findende Führungen, nehmen diese Impressionen auch auf. So werden bei organisierten Rundgängen für Kinder z.B. schaurige Geschichten über Menschen erzählt, die hier ihre Begräbnisstätte haben, wie die Erzählung vom Totenkopf, der noch heute mit seinem Gebiss klappern soll.

Auf dem St. Johannisfriedhof ruhen eine ganze Reihe hochberühmter Menschen aus vergangenen Nürnberger Blütezeiten. Der Maler Albrecht Dürer, der Bildhauer Veit Stoss, der Glasmaler Veit Hirsvogel und der Maler Anselm Feuerbach, um nur einige zu nennen, haben hier ihren letzten Ruheplatz gefunden.

Neben der Johanniskirche ist zwischen den Gräbern noch die "Holzschuherkapelle" die auch der Endpunkt des so genannten Sakralwegs ist. Der Sakralweg zieht sich vom Tiergärtnertor an der Burgmauer über die Burgschmiedgasse bis zum Friedhof hin und besteht aus sieben Stationen, die den Leidensweg Christi vom Haus des Pontius Pilatus bis zum Berg Golgatha darstellen. Die einzelnen Stationen erkennt man an den von Adam Kraft angefertigten kunstvollen Reliefplatten.

Gleich hinter dem Friedhof ist die ehemalige Desinfektionsanstalt, die heute unter der Kurzbezeichnung "Desi" zu einem Kulturzentrum umfunktioniert wurde. Hier finden allerlei Veranstaltungen, Vernissagen, Konzerte etc. statt, die zum Teil auch aus dem subkulturellen Bereich kommen und viele Jugendliche anziehen.

Wer gegenüber des Hesperidengartens von der Johannisstraße in die Hallerstraße einbiegt, trifft zuerst an der Straßeneinmündung auf das Café "Dampfnudel Bäck", welches außer wechselnden Tagesgerichten für seine berühmten Dampfnudeln bekannt ist, die hier zusammen mit exotischen Kaffee- und Teespezialitäten gereicht werden.

Nach ca. 100 m kommt man auf den Palmplatz, auf dem sich die Friedenskirche befindet, die 1925-1928 nach Plänen des Architekten German Bestelmeyer errichtet wurde und die zum Teil noch wertvolle Exponate der im Krieg vollständig zerstörten Heilig-Kreuz-Kirche enthält. Eine imposante Skulptur im Eingangsbereich der Kirche zeigt den heiligen St. Georg, der hoch aufragend den Drachen mit einem Speer durchbohrt.
In der im neugotischen Stil gebauten Kirche hängt einer der größten Glocken des süddeutschen Raumes, die mit einem mächtigen Geläut ausgestattet ist. Im Chor steht der berühmte "Peringsdörfer-Altar" aus dem Jahre 1486.

Doch nicht nur Kulturelles und Kulinarisches hat der Stadtteil St. Johannis seinen Besuchern und Anwohnern zu bieten. Im Norden, in der Flurstraße steht das Nürnberger Nord-Klinikum, eröffnet 1897, dass mit seinen bis zu 80.000 Patienten im Jahr zu den größten kommunalen Krankenhäusern Europas zählt.
Daneben gibt es im südlichen Teil von St. Johannis die Klink Hallerwiese, die bekannt wurde durch ein eigenes Konzept der Patientenversorgung: dem "kooperativen Belegarztsystem".

Ein Rundgang durch den ganzen Stadtteil lohnt sich übrigens schon alleine wegen der vielen imposanten Wohnhäuser, deren großzügige Bauweise an den früheren Reichtum seiner Bewohner erinnert.

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