Der Nürnberger Trödelmarkt

Der Nürnberger Trödelmarkt

Wer die Karlsstraße, von der Augustinerstraße ausgehend, in Richtung Hintere Ledergasse entlang läuft, trifft auf den Nürnberger Trödelmarkt, ein ca. 1000 m² großer Platz, der sich auf einer Insel in der Pegnitz, dem Nürnberger Stadtfluss, befindet und sich zur rechten und zu einem kleineren Teil auch zur linken Hand der Karlsstraße erstreckt.
 
Die Karlsstraße mündet hier nach ein paar Metern übrigens auf die 1722 erbaute Karlsbrücke. Die Brücke ist ein Bauwerk aus der Barockzeit. Auf der steineren Brüstung sind 26 große Schmuckkugeln aus Stein gesetzt und die Mitte der Brücke zieren zwei Obelisken, die sich gegenüberstehen und den Betrachter mit ihrer imposanten Größe und Beschaffenheit in den Bann ziehen.
Nun fragt sich der unbedarfte Spaziergänger natürlich zu Recht, warum denn auf der Brücke ausgerechnet so fremdartige Bauwerke wie Obelisken stehen, von denen der eine auf seiner Spitze mit einem Kriegsadler (Erinnerung an den Sieg Kaiser Karls über die Türkei) und der andere mit einer Friedenstaube, die einen Ölzweig im Schnabel hält, geschmückt ist.

Um dies zu ergründen muss man etwas über die politische Lage dieser Zeit wissen.
Nürnberg mit dem Status der freien Reichsstadt versehen und einer der mächtigsten Städte des Mittelalters, wurde wohl in den Augen seiner ehrwürdigen Ratsherren schon mit Rom verglichen und die Römer haben ja schließlich auch Obelisken von ihren Feldzügen aus Ägypten mitgebracht und in der Stadt als Zeichen ihrer Macht aufgestellt.
Da man sich einerseits als frei empfand, andererseits den damals herrschenden Kaiser Karl VI aber wohl nicht brüskieren wollte, wurde die Brücke, nach ihm benannt, dies zeigt sich auch auf einer Inschriftentafel auf dem östlichen Obelisken in Form eines lateinischen Satzes, in dem die römischen Zahlbuchstaben nach Addition die Jahreszahl des geschilderten Ereignisses ergeben (Chronogramm), und die Karl VI gewidmet ist.
Die Unterschrift SPQN, die Abkürzung für "Senatus Populusque Norimbergensis" (der Rat der freien Reichsstadt Nürnberg) zeigt dann aber in aller Deutlichkeit, dass nicht nur das antike Rom sich mit einer eigenen Herrschaftsformel schmücken konnte.
Doch zurück zum Trödelmarkt, der übrigens in der damaligen Zeit tatsächlich ein Handelsplatz für Altwaren (Trödel) gewesen ist und wohl eher von den ärmeren Schichten der Bevölkerung aufgesucht wurde, die dort vom Kochkessel bis zu gebrauchten Kleidungsstücken alles erstehen konnten, was sie für ihr teilweise kärgliches Dasein unbedingt benötigt haben.
Heutzutage gibt es dort allerdings keinen Trödel mehr zu kaufen, sondern eher das Gegenteil, denn wer sich bei dem Begriff Trödelmarkt einen Flohmarkt vorgestellt hat, der wird schon beim ersten Rundblick eines Besseren belehrt.
Der Platz hat sich zu einer Oase des gehobenen Einzelhandels entwickelt und ist gerade für Besucher, die es satt haben in unzähligen Städten immer die gleichen Geschäfte weltweit agierender Handelsketten zu sehen, ein Ort an dem man noch besondere und individuelle Geschäfte entdecken kann.
So werden die Damen vielleicht nicht widerstehen können und einen Blick in die Schaufenster der exklusiven Juweliergeschäfte werfen oder sich gar bei "Moda Marina" neu einkleiden wollen. Man findet im "Wahn macht Sinn" einen Perlenladen, bei "SWS Swiss Watch Shop" Uhren und in der "Spielzeugkiste" echtes Holzspielzeug in reichhaltiger Auswahl.

Den Herren, die zu der seltenen Sorte von Ehemännern gehören, die nicht voll Freude an jedem Schaufenster Halt machen, sei geraten sich am hinteren Ende des Platzes in das "Cafe am Trödelmarkt" zu setzen und bei einem Blick auf die Pegnitz einer der zahlreichen Kaffeespezialitäten zu genießen und sich ein Stück leckeren Kuchen einzuverleiben.

Wenn dann die Familie wieder zusammen ist, dann lohnt es sich in das, dem Café gegenüberliegende Geschäft "Apropos" zu begeben, ein Hort für seltene, urige und exklusive Geschenke, die man sonst wohl kaum in einem anderen Laden findet.
Da das Angebot weitaus größer ist, was auf den ersten Blick nicht so erscheinen möge, ist es auf jeden Fall anzuraten, bei der Besitzerin nach einer Inspiration zu fragen um doch das passende Geschenk zu finden. Von hier aus kann man die Insel auch über den Henkersteg verlassen, eine malerische kleine Holzbrücke, die über die Pegnitz gebaut ist.
Wer einen guten Wein genießen will und dessen Herz für die fränkische Küche schlägt, wird auf der kleineren Seite des Trödelmarktes/Ecke Karlsstraße in den Trödelstuben fündig.
Ganze Trauben von Flaschen in der typischen fränkischen Bocksbeutelform zieren die Wände dieser Lokalität und erinnern daran, dass im Mittelalter vom Trödelmarkt bis zum Weinmarkt hinunter die Weine streng geordnet nach Güteklasse verkauft wurden. Genießen kann der Gast die herben fränkischen Weine übrigens auch schon früh am Morgen zum traditionellen Weinfrühschoppen in den Trödelstuben..
Schräg gegenüber finden sich noch ein gut sortiertes Handarbeitsgeschäft und der Schuhladen "Blickfang", der eine ganz eigene Kollektion an Schuhen (zum Teil aus Hirschleder) anbietet, die nicht nur modisch, sondern vor allem bequem sind und der sich einer treuen Kundenklientel erfreut, die ihre Schuhe in keinem anderen Geschäft mehr kaufen will.

Der Trödelmarkt wird dann und wann auch für kleinere kulturelle Veranstaltungen, sowohl von der Stadtverwaltung, als auch von den Anliegern genutzt.
Dem Wanderer, der nun seines Weges weiterziehen will in Richtung Innenstadt, dem sei geraten zu einem letzten Verweilen auf der Karlsbrücke inne zu halten und auf die gemütlich fließende Pegnitz, die ihre Bahnen durch die Nürnberger Innenstadt zieht zu blicken.
Die Oase Trödelmarkt und der Blick auf das ruhig dahin ziehende Wasser sollten den Akku wieder genügend aufgeladen haben, sodass man sich mit der "getankten" Energie den weiteren Sehenswürdigkeiten der fränkischen Metropole in Ruhe und Gelassenheit widmen kann.

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