05.05.2017

von B° RB

Die U-Bahn ertasten

Sicherheit erlangen: Mobilitätstraining für Blinde und Sehbehinderte am neuen U-Bahnhof Nordwestring

Mobilitätstraining für Blinde und Sehbehinderte

Wie ist ein automatischer U-Bahn-Zug angeordnet? Wie kann ich mich darin orientieren? Wie komme ich zum Bahnsteig und wie finde ich die Zugtür? Das sind Fragen, die sich blinde und stark sehbehinderte Menschen stellen, wenn sie sich eigenständig mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegen wollen. Sie müssen sich mit neuen Wegen, Anlagen und Fahrzeugen ganz anders vertraut machen als Menschen, die sehen. Diese Möglichkeit hat die VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg am Mittwoch, 3. Mai 2017 rund 50 Schülern des Bildungszentrums für Blinde und Sehbehinderte Nürnberg (BBS), 46 Mitgliedern des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes e. V. (BBSB) sowie 30 Bewohnern Mittelfränkisches Blindenheims geboten. Sie konnten in aller Ruhe und aus allen möglichen Perspektiven den neuen U3-Bahnhof Nordwestring erspüren. Am 22. Mai 2017 wird dieser eröffnet.

Begehung abseits des alltäglichen Trubels

Mitarbeiter der VAG haben die Interessierten in Gruppen an verschiedenen Stationen betreut. Während die eine Gruppe im Gleisbereich war, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie hoch es vom Gleis bis zur Bahnsteigkante ist und wie man sich in den Sicherheitsraum unter dem Bahnsteig retten kann, sollte man ins Gleisbett geraten, erarbeitete sich eine andere Gruppe ein automatisches U-Bahn-Fahrzeug. Dabei folgte sie dem taktilen Taststreifen am Zug, um die Türen zu finden. Sie bekam das optische und vor allem das akustische Türschließsignal erklärt und inspizierte die Spaltüberbrückung zwischen Bahnsteig und Fahrzeug im Bereich der Zugtüren. Auch die sensiblen Türleisten, die verhindern, dass Personen in der Zugtür eingeklemmt werden, und die Ausstattung des Innenraums waren Thema.

Andere Gruppen erkundeten zwischenzeitlich die Aufzüge und gingen das Blindenleitsystem ab – sowohl am Bahnsteig als auch an der Oberfläche. Auf Interesse stieß hier beson- ders die neue Handlaufbeschriftung, die in taktiler Profil- schrift sowie in Braille-Schrift Orientierung gibt. So können nun auch blinde und sehbehinderte Fahrgäste Straßenna- men an der Oberfläche oder die Fahrtrichtung der U-Bahn selbst lesen. Eingravierte Ringe im Handlauf weisen zudem auf die Stellen hin, wo neue Stufen beginnen, beispielsweise nach einem breiteren Zwischenpodest.

Trainings geben Sicherheit

„Mobilitätstrainings sind ein wichtiger Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe sehbehinderter Menschen“, weiß Angelika Lamml, Koordinatorin für Barrierefreiheit, Schulungen und Kommunikation der Bezirksgruppe Mittelfranken beim BBSB. „Vor allem eine sichere Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel bedeutet für blinde oder stark sehbehinderte Menschen ein hohes Maß an Selbständigkeit. Während Menschen mit anderen Behinderungen oft noch andere Ver- kehrsmittel wie das Auto nutzen können, ist das für uns nicht möglich. Übungen wie die am Nordwestring ermöglichen es Blinden und Sehbehinderten, sich auf ihre Weise ein Bild zu machen, sich Räume besser vorstellen zu können und damit selbstsicherer zu werden. Das ist enorm wichtig für uns“, freut sich Lamml über den Spezialtermin.

Mobilität für alle

Bereits vor rund 40 Jahren wurde bei der VAG der Grund- stein für eine möglichst barrierearme Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel gelegt. Gemeinsam mit den Behindertenver- bänden verfolgt die VAG seither das Ziel, U-Bahn, Straßenbahn und Bus als behindertenfreundliche Systeme auszu- bauen. Fast genauso lange ist bei der VAG ein Behinderten- beauftragter aktiv. Er fungiert als Ansprechpartner für mobili- tätseingeschränkte Fahrgäste und als Kontaktperson für de- ren Verbände. Seit 2001 füllt Bernd Zeitler diese Stelle aus und kennt die besonderen Bedürfnisse behinderter Men- schen: „Wir wissen, dass es für unsere behinderten Fahrgäs- te von enormer Bedeutung ist, dass sie unsere Fahrzeuge und Anlagen so selbständig wie nur möglich nutzen können. Um sie dabei zu unterstützen, berücksichtigen wir ihre Bedürfnisse schon bei unseren Planungen, wenn es um die Ausstattung unserer Anlagen und Fahrzeuge geht. So ein Termin wie der am Nordwestring ist auch für uns eine große Freude, denn dann sehen wir, dass sich unsere Anstrengun- gen in diesem Bereich lohnen.“

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