20.12.2016

von B° RB

Auf einen Blick: Details zur Straßenbahn-Neubaustrecke

Bei strahlendem Sonnenschein wurde die rund 2,5 Kilometer lange Neubaustrecke der Straßenbahnlinie 4 im Nürnberger Norden bis zum neuen Endhalt "Am Wegfeld" eröffnet

VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft

Rund um die Straßenbahn-Neubaustrecke gibt es jede Menge Wissenswertes – überraschend und hintergründig. Zahlen, Daten und Fakten machen deutlich, was hinter dem Projekt der Verlängerung der Straßenbahnlinie 4 alles steckt und welche Vorteile die neue Strecke hat.

Alles rund um die Strecke, Haltestellen und Geschwindigkeit

Die Linie 4 wächst um rund 2,5 Kilometer und ist damit von Gibitzenhof bis Am Wegfeld rund 8,5 Kilometer lang. Das gesamte Straßenbahnnetz erweitert sich dadurch auf etwa 40 Kilome- ter. Von Gibitzenhof im Süden bis Am Wegfeld im Norden fahren die Bahnen künftig 19 Halte- stellen an. Neu sind die Haltestellen Cuxhavener, Schleswiger und Bamberger Straße sowie die Endhaltestelle Am Wegfeld. Auch die bisherige Endhaltestelle Thon wurde in diesem Zuge in der Mittellage der Erlanger Straße neu – und wie alle anderen – barrierearm gestaltet. Menschen mit eingeschränkter Mobilität steigen leichter ein und aus. Neben Menschen mit Behinderung und älteren Menschen profitieren auch Eltern mit Kinderwagen oder Reisende mit schwerem Gepäck davon.

Die Streckenhaltestellen wurden bereits im neuen Design der VAG-Haltestellen gebaut. So verfügen die neuen Haltestellen über transparentere und zeitgemäße Wartehallen und Spritz- schutzwände. Auch an der Endhaltestelle Am Wegfeld wurde die Design-Sprache der Warte- hallen aufgegriffen und elegante Bahnsteigüberdachungen im neuen VAG-Stil gebaut.

Der durchschnittliche Abstand zwischen den Haltestellen der Linie 4 beträgt rund 470 Meter. Mit 950 Metern ist es von der Haltestelle Bamberger Straße bis Am Wegfeld am weitesten. Am schnellsten sind die Bahnen übrigens zwischen der Haltestelle Bucher Straße / Nordring und Am Wegfeld unterwegs. Hier fahren sie, nicht zuletzt dank des eigenen Bahnkörpers, bis zu 60 Kilometer pro Stunde.

Die neue Endhaltestelle Am Wegfeld ist gut ausgestattet. Neben sieben Bushaltestellen gibt es für Pendler, die aus dem Norden kommen, eine Park & Ride- sowie eine Bike & Ride- Anlage mit Stellflächen für Autos, Motorräder, Fahrräder und auch Taxis. Im passend zur Um- gebung grünen Gebäude in der Mitte der Endhaltestelle verkauft Brezen Kolb im VAG T-Store neben Getränken und Gebäck auch Fahrkarten. Außerdem sind dort öffentliche Toiletten un- tergebracht sowie für die VAG-Fahrdienstmitarbeiter ein Aufenthaltstraum.

An elf von 19 Haltestellen können Fahrgäste von der Linie 4 direkt in andere Buslinien und/oder Bahnen umsteigen. Beispielsweise an der Haltestelle Am Wegfeld in sieben ver- schiedene Buslinien, am Friedrich-Ebert-Platz in die U-Bahn und in den Bus, ebenso am Plär- rer, dort kommt sogar noch die Straßenbahn hinzu. Zur Straßenbahnlinie 6 gibt es an insge- samt sechs Haltestellen (Hallertor, Obere Turnstraße, Plärrer, Kohlenhof, Steinbühl und Land- grabenstraße) die Möglichkeit, umzusteigen.

Fast 2.000 Fahrten pro Woche

Montag bis Freitag legt die Straßenbahnlinie 4 täglich 332 Fahrten zurück, das sind 166 Fahr- ten pro Richtung. Samstags fährt die Linie 4 die Strecke 200 Mal, also 100 Mal vom Norden in den Süden und 100 Mal in die Gegenrichtung. Sonn- und feiertags sind die Bahnen 124 Mal im Einsatz, das heißt 62 Mal in jede Richtung. Insgesamt sind das 1.984 Fahrten pro Woche. Dabei legen die Bahnen in diesem Zeitraum 16.454 Kilometer zurück. Davon werktags 2.753 Kilometer, samstags 1.661 und sonn- und feiertags 1.028 Kilometer. Mit dem neuen Strecken- abschnitt sind die Bahnen pro Werktag 770 Kilometer mehr im Einsatz.

Bis zu 10.000 Fahrgäste pro Tag

Die bisher am stärksten frequentierte Haltestelle der Straßenbahnlinie 4 ist der Verkehrskno- tenpunkt Plärrer. Laut Prognosen der VAG wird das auch in Zukunft so bleiben. Anders sieht es bei der Anzahl der Fahrgäste aus, die sich deutlich erhöhen wird: Bislang nutzen täglich rund 7.500 Fahrgäste die Straßenbahnlinie 4 zwischen Gibitzenhof und Thon. Hier rechnet die VAG mit einem Anstieg auf knapp 10.000 Fahrgäste pro Tag. Entlang der Neubaustrecke werden bis Cuxhavener Straße etwa 7.500 Fahrgäste prognostiziert; von der Bamberger Stra- ße bis Am Wegfeld rund 4.000 Fahrgäste. In einen Straßenbahntriebwagen passen übrigens zwischen 150 und 220 Personen.

Flott und umweltschonend unterwegs

Die Straßenbahnen sind flott unterwegs. Vom bisherigen Endhalt in Thon bis nach Am Weg- feld brauchen sie gerade einmal sechs Minuten. Das ist auch deswegen möglich, weil sie auf der gesamten Neubaustrecke Vorrang an allen Ampeln haben und nicht – anders als Busse – mit den Autos im Stau stehen müssen. Denn die Bahnen sind beschleunigt und unabhängig vom Individualverkehr auf einem eigenständigen Gleiskörper unterwegs. Dieser ist noch dazu fast vollständig als Rasengleis angelegt. Rasengleise sehen schön aus, brechen das Asphalt- grau der Stadt auf und speichern unter anderem Regenwasser. Der Anteil an Rasengleisen im Netz erhöht sich mit der Neubaustrecke auf 8,2 Kilometer. Zusammen können alle Rasenglei- se mehr als die durchschnittliche Füllung eines Schwimmbeckens (25 x 12,5 Meter) speichern. Das Wasser versickert und gelangt so in den natürlichen Kreislauf zurück – ein wertvoller Bei- trag für das Stadtklima. Zudem dämmen die Rasengleise den Schall und bieten Lebensraum für Kleinlebewesen. Seit jeher punktet die Straßenbahn auch als leistungsstarkes Verkehrsmit- tel, sie entlastet Anwohner von Staub, Lärm und Abgasen. Sie ist dank Elektrifizierung seit mehr als 100 Jahren als E-Mobil unterwegs und in Nürnberg besonders umweltschonend, da die Straßenbahnen seit 2012 ausschließlich mit Ökostrom fahren.

Energieversorgung

Man nehme zwei Unterwerke und rund sechs Kilometer Fahrleitung und fertig ist die Energieversorgung für die Neubautrasse. Über die Unterwerke an der Haltestelle Am Wegfeld und zwischen Cuxhavener Straße und Thon – beide sind an das 20 kV-Netz der N-ERGIE angeschlossen – beziehen die Bahnen 600 Volt Gleichstrom in Ökoqualität. Und über den Fahrdraht und die Stromabnehmer auf den Dächern der Bahnen gelangt der Strom letztlich zu den Motoren. Getragen und gehalten wird die gesamte Oberleitung von über fünf Kilometern Tragseil – das den eigentlichen Fahrdraht hält – und 99 Fahrleitungsmasten. Im gesamten Netz hat die VAG nun 1.260 Fahrleitungsmaste.

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