03.03.2016

von Markus Raupach B° LP

MinneSeidla im Sudkessel

Neun Monate hat es gedauert: Ein eigenes Ur-Bier für das Fränkische Bierfest vom 25. bis 29. Mai im Nürnberger Burgraben.


Neun Monate hat es gedauert, bis aus der Idee Realität wurde: Ein eigenes Ur-Bier für das Fränkische Bierfest vom 25. bis 29. Mai im Nürnberger Burgraben. Eingebraut wird es bei der Schlossbrauerei Ellingen, mit im Boot die Bayerische Bierkönigin und Hobbybrauerin Marlene Speck sowie Biersommelier Markus Raupach von der Deutschen Bierakademie aus Bamberg.

Das „MinneSeidla“ soll in etwa dem fränkischen Bier aus der Zeit um 1516 entsprechen, als in Bayern das Reinheitsgebot erlassen wurde. Dank acht verschiedener Getreidesorten, historischer Hefe und ur-fränkischer Hopfensorten können sich die Besucher des Bierfestes auf einen ganz besonderen Hochgenuss freuen.
 
„Natürlich können wir nicht genau das Bier aus der frühen Neuzeit rekonstruieren. Das würde heutzutage keiner mehr trinken“, so Markus Raupach aus Bamberg. Er hatte im letzten Sommer die Idee zu dem „Fränkischen Ur-Bier“, wie der erste Arbeitstitel hieß. Gemeinsam mit Thomas Landherr und Gerhard Pickel, den Veranstaltern des Nürnberger Bierfestes hatte er nach einer besonderen Idee zum Jubiläum des Reinheitsgebotes gesucht. „Nachdem das bayerische Reinheitsgebot 1516 in Franken noch keine Geltung hatte, dachte ich mir, es wäre doch interessant, einmal zu sehen, wie die Rezepturen zur damaligen Zeit in unseren Breiten ausgesehen haben.“ In verschiedenen Brauordnungen und anderen Quellen fand er Hinweise, aus denen dann die Grundzüge des Rezeptes entstanden: „Die üblichen Biere hatten damals einen großen Anteil Hafer – der war immer billig zu haben. Je nach Vorratslage kamen neben Gerste noch andere Getreide dazu. Außerdem trockneten die Menschen das Malz über offenem Feuer, weswegen eine Rauchnote ins Bier gehört. Methoden und Effizienz von Mälzung und Gärung waren damals ebenfalls anders als heute. Deswegen hat das Bier eine braune Farbe und viel Rest- und Karamellsüße und einen geringeren Alkoholgehalt. Filtriert wurde natürlich auch nicht. Dem heutigen Reinheitsgebot entspricht es übrigens trotz dieser alten Rezeptur.“

Diese und noch einige weitere Vorgaben in ein machbares Bier-Rezept umzusetzen, war nun die Aufgabe von Braumeister Stefan Mützel von der Schlossbrauerei Ellingen. Er hatte mit seinem „Fürst Carl Dunkel“ bereits einen European Beer Star in einem historischen Bierstil gewonnen und war somit prädestiniert für diesen Job. „Einfach ist es nicht. Schließlich schaut ein Sudhaus heute ganz anders aus als vor 500 Jahren“, so Mützel, „andererseits haben wir in Ellingen mit unserer noch sehr handwerklichen Brauanlage die Möglichkeit, die damaligen Verfahren ziemlich gut nachzuahmen.“

Mit seinen Brauerkollegen aus Ellingen begab sich der 36jährige auf die Suche nach möglichst alten Hopfensorten, die er in und um Ellingen auch finden konnte. Zwölf verschiedene Malze aus drei Mälzereien ergänzen die Rezeptur, die die Beteiligten nun „MinneSeidla“ genannt haben. „Das passt hervorragend zu der Zeit zwischen dem Mittelalter von Wolfram von Eschenbach, dessen Heimatort nur 30 Kilometer von Ellingen entfernt liegt, und dem Franken der Neuzeit, wo sich das Seidla ab dem 16. Jahrhundert zum Kult-Biergefäß entwickelte“, erklärt Fürstin Katalin von Wrede, die Geschäftsführerin der kleinen Spezialitätenbrauerei aus dem Fränkischen Seenland. Für sie war es selbstverständlich, die Idee dieser Bier-Rekonstruktion zu unterstützen, auch wenn die Geschichte der Brauerei selbst nicht so weit zurückdatiert.
 
Auch die Macher des Fränkischen Bierfestes waren sofort vom Namen ihres Festbieres begeistert und gaben ihm noch einen Untertitel „Der wahre Urstoff“. Der wird an einem separaten Stand in eigens dafür gestalteten Seidla ausgeschenkt werden. Landherr und Pickel möchten ihren Gästen in diesem Jahr ein besonders schönes Fest bieten und haben neben dem MinneSeidla noch viele andere neue Ideen. Beispielsweise soll es einen Festumzug geben, der vom Nürnberger Hauptmarkt bis zum Festgelände führt: „Das könnte die längste Polonaise werden, die Franken jemals gesehen hat“, feixt Thomas Landherr. Angeführt werden wird der Zug auf dem Ellinger Brauereiwagen von der Bayerischen Bierkönigin Marlene Speck, die als Hobbybrauerin auch beim „MinneSeidla“ beteiligt ist. Gemeinsam mit Stefan Mützel wird sie in den nächsten Wochen den großen Sud dieses fränkischen Ur-Bieres einbrauen und ist selbst auch schon gespannt: „Ich hab ja schon viele Bier-Rezepte ausprobiert – zum Leidwesen meiner Mutter, weil ich immer ihre Küche benutze – aber so ein historisches Bier ist Neuland für mich. Da freu ich mich drauf!“ Sprach’s und verschwand mit dem Braumeister zu den Malzsäcken, um die Malzmischung zusammenzustellen.

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