10.01.2017

von B° RB

Nachhaltige Stadtentwicklung

TH Nürnberg arbeitet an der Entwicklung energetischer Quartierskonzepte. Forschungsprojekt in Kooperation mit der Stadt Nürnberg: Nachhaltige Stadtentwicklung für Stadtteile Gibitzenhof und Langwasser

Kurzvortrag vor Ort zum Thema "Nachhaltige Stadtentwicklung" am 23.09.2016 während der Tour „Stadtentwicklung unterwegs“: Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly; Hannes Hinnecke, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Stabs Stadtentwicklung im Bürgermeisteramt; Michael Ruf, Leiter des Stabs Stadtentwicklung im Bürgermeisteramt; Marko Dörsch, Geschäftsführender Vorstand der Selbsthilfe eG; Wolfgang Müller, Klimaschutzbeauftragter der Stadt Nürnberg sowie Erich Maurer, Geschäftsführer der Energieagentur Nordbayern GmbH (v.l.n.r.)

Die Stadt Nürnberg hat im Rahmen der nachhaltigen Stadtentwicklung die TH Nürnberg mit der Entwicklung energetischer Quartierskonzepte für Gibitzenhof und Langwasser beauftragt. Damit verbunden ist das Projektziel, die Potenziale einer energetischen Gebäudesanierung optimal zu nutzen. Das Forschungsprojekt basiert auf der Vernetzung mit der Stadt Nürnberg als kommunalem Partner und der Energieagentur Nordbayern GmbH, der kommunalen Wohnbaugesellschaft „wbg Nürnberg GmbH“ sowie der Nürnberger Baugenossenschaft „Selbsthilfe eG“ mit einem umfangreichen Immobilienbestand in den Projekt-Quartieren.

Das Forschungsprojekt wird von starken Partnern getragen: Neben der TH Nürnberg und der Stadt Nürnberg sind die Energieagentur Nordbayern GmbH und die kommunale Wohnbaugesellschaft „wbg Nürnberg GmbH“ an dem Projekt beteiligt. Ein zukunftsweisendes Projekt, so Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly: „Der umweltgerechte und nachhaltige Stadtumbau entscheidet sich im Bestand und auf Quartiersebene“. Zur Realisierung ihres Engagements hat die Stadt Nürnberg die finanzielle Unterstützung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (kfw) mit dem Förderprogramm „Energetische Stadtsanierung“ wahrgenommen.

Die Energieagentur Nordbayern GmbH hat bereits 2014 mit dem ‚Klimafahrplan 2010-2050‘ der Stadt Nürnberg die hohe Bedeutung der Handlungsfelder „Stadtplanung/-entwicklung“ und „Energieeffizienz in Gebäuden: Bauen & Sanieren“ für die zukunftsorientierte energetische Stadtsanierung nachgewiesen. Das Projekt zielt u.a. darauf ab, den aufgelisteten Maßnahmenkatalog des Klimafahrplans quartiersbezogen weiterzuentwickeln.

Die kommunale Wohnbaugesellschaft „wbg Nürnberg GmbH“ und die Nürnberger Baugenossenschaft „Selbsthilfe eG“ stellen die Bestandsdaten für ihren Immobilienbestand in den beiden Quartieren zur Verfügung. Ein wichtiger Aspekt in diesem Kontext ist die Kontaktaufnahme zu interessierten Mietern, um sanierungsbezogenen Informationen zu erheben.

Das Forschungsprojekt von Prof. Dr. Birgit Eitel an der TH Nürnberg zielt darauf ab, die energetischen Sanierungsmaßnahmen mit dem stärksten Einsparungspotenzial zu unterstützen. Bei Wohngebäuden bieten sich die Erneuerung der Heizungsanlage, der Fenstertausch, die Wärmedämmung von Wand, Dach und oberster Geschossdecke an. Die Auswahl der geförderten Maßnahmen erfolgt nach ökonomischer und ökologischer Priorität.

Das Quartier Gibitzenhof ist durch dichten Geschosswohnungsbau in Blockbebauung und ausgedehnte Gewerbeflächen gekennzeichnet. In Langwasser dominiert der Siedlungstyp der Reihenhäuser. In den Analysen der beiden Stadtteile werden wichtige Siedlungstypen der Nürnberger Stadtentwicklung reflektiert, sodass diese Forschungsergebnisse auch für andere Quartiere der Stadt Nürnberg nutzbar sind. Die Übertragbarkeit der Forschungsergebnisse auf andere Städte war ein wichtiges Förderkriterium für die kfw.

Das Forschungsprojekt greift einen zentralen Punkt der energetischen Gebäudesanierung auf: „In der Praxis stehen bereits zahlreiche technische Komponenten für die energetische Sanierung zur Verfügung, aber dennoch werden viele Gebäude noch nicht saniert, weil nicht-technische Hemmnisse existieren. Wir setzen daher einen weiteren Schwerpunkt darauf, Lösungen für die nicht- technischen Hemmnisse für eine Sanierung wie beispielsweise Informationsdefizite zu gezielten Beratungsangeboten, Energiesparpotenzialen und Fördermitteln zu entwickeln, die eine energetische Sanierung vorantreibt und zum Klimaschutz beiträgt“, so Projektleiterin Prof. Dr. Birgit Eitel, Professorin an der Fakultät Betriebswirtschaft der TH Nürnberg. Die Zusammenfassung der Forschungsergebnisse in einem „Sanierungsleitfaden“ stellt die technischen, wirtschaftlichen und organisatorischen Lösungen gemeinsam dar. Ein weiteres Ziel ist, durch die Nutzung bestehender Netzwerke der Stadt Nürnberg und der ENERGIE-Region Nürnberg e.V. mit zusätzlichen regionalen Akteuren die Forschungsergebnisse bis zum sanierungsbereiten Immobilieneigentümer zu transportieren.

Die Beteiligten im Forschungsprojekt planen, die gesamte Akteurskette der energetischen Stadtsanierung anzusprechen: Mieterinnen und Mieter, Vermieterinnen und Vermieter, Kreditinstitute, Handwerksbetriebe, Planungsbüros und Industriebetriebe. Aus den Gesprächen mit den relevanten Akteuren lassen sich sinnvolle Maßnahmen zur Steigerung der Sanierungsquote ableiten.

Damit wollen die Projektverantwortlichen ein ökonomisch vertretbares Energieverbrauchsniveau erreichen. In einem ersten Schritt ermitteln sie die Maßnahmen zur Gebäudesanierung von Geschosswohnbauten und Nichtwohngebäuden mit dem stärksten Einspareffekt. Im Wohnungsbau wirkt sich beispielsweise die Optimierung der Heizungsanlage sehr stark aus. Bei gewerblichen Nichtwohngebäuden liegen die Potenziale dagegen in den so genannten Querschnittstechnologien wie Beleuchtung, Druckluft, Pumpen und den elektrischen Antrieben. Abhängig von den Rahmenbedingungen können sich die Investitionen in die Energieeffizienz nach nur drei Jahren bereits amortisieren.

Begleitend zielt die Entwicklung eines „Energieeffizienzfonds“ darauf ab, die spätere Umsetzung der Maßnahmen aus den beiden Quartieren heraus zu unterstützen. Eine Kooperation mit dem Energiesparprojekt „Energieschuldenprävention“ des Sozialamts der Stadt Nürnberg rundet das Forschungsprojekt ab, damit auch einkommensschwache Haushalte ihre Energiekosten deutlich senken können.

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