19.03.2015

von Germanisches Nationalmuseum Nürnberg LP

Film: Das unsterbliche Herz

Der Kinofilm Das unsterbliche Herz von Veit Harlan aus dem Jahr 1938/39 trug wesentlich zu der Vorstellung bei, Peter Henlein habe um 1500 in Nürnberg die Taschenuhr erfunden.


Film: Das unsterbliche Herz
am Sonntag, 22. März 2015 um 11 Uhr
im Filmhaus Nürnberg

Eintritt: 7,- €, erm. 4,50 €

Kino-Matinee am Sonntag: Der Mythos Peter Henlein im Film


Der Kinofilm „Das unsterbliche Herz“ von Veit Harlan aus dem Jahr 1938/39 trug wesentlich zu der Vorstellung bei, Peter Henlein habe um 1500 in Nürnberg die Taschenuhr erfunden – ein Mythos, der inzwischen von der Forschung entkräftet wurde. Begleitend zur aktuellen Sonderausstellung im Germanischen Nationalmuseum über die sogenannte „Henlein-Uhr“ zeigt das Filmhaus Nürnberg im KunstKulturQuartier am Sonntag, 22. März 2015 um 11 Uhr das monumentale Machwerk. Die fiktive Geschichte beginnt dramatisch: Peter Henlein wird zu Beginn des Films angeschossen und steht nun vor der folgenschweren Entscheidung, sich operieren zu lassen – verbunden mit dem Risiko, die OP nicht zu überleben – oder mit der Verletzung noch einige Tage weiterzuleben und in dieser ihm verbleibenden Zeit eine tragbare Uhr zu entwickeln. Henlein ignoriert den Schmerz und entscheidet sich für letzteres.

Bildgewaltig setzt der Regisseur Harlan die Geschichte von der Erfindung der Taschenuhr in Szene. Die Dreharbeiten in Nürnberg im Spätsommer und Herbst 1938 erregten in der ganzen Stadt große Aufmerksamkeit. Die Besetzung war prominent, in den Hauptrollen spielten die großen Ufa-Filmstars ihrer Zeit: Heinrich George als Peter Henlein, Kristina Söderbaum als Henleins Ehefrau Ev, Paul Wegener als Stadtarzt Hartmann Schedel und Michael Bohnen als der Abenteurer und Weltentdecker Martin Behaim. Hunderte von Statisten waren außerdem nötig, um die Geschichte vor Nürnberger Kulisse umzusetzen.

Seine Hauptfigur stilisiert Harlan zu einem aufgeklärten, altersweisen und visionären Techniker, der zurückgezogen als Eigenbrötler an seinen Erfindungen tüftelt. An weltlichen Genüssen zeigt er kein Interesse, sein Leben widmet er ganz dem Fortschritt der Menschheit. Dieses märtyrerhafte Verhalten, so die Moral des Films, sei die Voraussetzung für alle großen Menschheitsleistungen, gemäß dem Sophokles-Zitat „Viel Gewaltiges lebt, nichts ist gewaltiger als der Mensch“, das dem Film vorangestellt ist.

Durchhalteparolen und Selbstaufgabe-Apelle deckten sich mit den politischen Vorstellungen der Drehzeit. Bereits 1933 hatte sich Harlan öffentlich zur Politik der Nationalsozialisten bekannt. In den 1930er und 1940er Jahren drehte er mehrere antisemitische Filme, am berühmtesten ist wohl „Jud Süß“. Nach Kriegsende wurde Harlan in einem Entnazifizierungsverfahren als „Entlasteter“ eingestuft. Eine Gerichtsverhandlung klagte ihn jedoch der „Beihilfe zur Verfolgung“ an. Auch hier wurde Harlan freigesprochen, weil ein strafrechtlich relevanter Zusammenhang zwischen Film und Völkermord nicht beweisbar ist. Seine Filme gelten dennoch als Propaganda und dürfen nur noch kommentiert gezeigt werden.

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Hans Freiherr von und zu Aufseß bezeichnete es als das Programmbild des Germanischen Nationalmuseums: Das monumentale Fresko Wilhelm von Kaulbachs, das Otto III. in der Gruft Karls des Großen zeigt.

Am 18. Januar 2015 um 11 Uhr gehen Katharina Tank und Dr. Thomas Eser, Kunsthistoriker und Kurator der Henlein-Ausstellung, dieser Frage nach. Was ist Mythos und was historisch belegt?

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