19.02.2014

von B° AG

(Quelle: VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft)

Süddeutschlands ältester Pferdebahnwagen

ist nach Restaurierung wieder im Historischen Straßenbahndepot St. Peter zu besichtigen.


Süddeutschlands ältester Pferdebahnwagen erstrahlt in neuem Glanz: Nach knapp einjähriger Restaurierungszeit bei einer Fachfirma in Regensburg ergänzt er nun wieder die Sammlung des Historischen Straßenbahndepots St. Peter der VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg. Neben der wissenschaftlichen Erforschung des Objekts ging es bei der Restaurierung darum, die weitgehend originale Substanz des ältesten Straßenbahnwagens in Süddeutschland zu sichern und das Erscheinungsbild des Wagens zu rekonstruieren. Dass dies den Restauratoren hervorragend gelungen ist, davon können sich Besucher des Historischen Straßenbahndepots am Wochenende vom 1./2. März 2014 selbst überzeugen. Dann wird der älteste Museumswagen Süddeutschlands erstmals wieder der breiten Öffentlichkeit präsentiert. Der Pferdebahnwagen 11 hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Er wurde bei der Maschinenbau-Actiengesellschaft Nürnberg (heute: MAN) im Werk Wörth hergestellt und 1881 an die Nürnberg-Fürther Straßenbahn übergeben. Mit Einführung des elektrischen Betriebs 1896 wurde er als Beiwagen eingesetzt und 1909 erstmals restauriert, bevor er ins Museum wanderte. Vermutlich zum 100-jährigen Jubiläum der deutschen Eisenbahn wurde er 1935 erneut restauriert. 1971 erhielt er anlässlich der Eröffnung der U-Bahn eine grundlegende Überarbeitung. 1985 wurde er im Historischen Straßenbahndepot St. Peter erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 2009 fand ein Privatmann durch Zufall eine Wagenglocke und stiftete sie dem Museum. Der Pferdebahnwagen war fast wieder „komplett“. Im Herbst 2012 beauftragte der Verein der Freunde der Nürnberg-Fürther Straßenbahn e.V. die Firma Haber & Brandner, die sich auf dem Gebiet der Restaurierung technischen Kulturguts einen Namen gemacht hat, mit der Untersuchung des Pferdebahnwagens. Das Ergebnis war selbst für die Fachleute bemerkenswert: An zahlreichen Stellen des Wagens konnten noch Reste der originalen Lackierung aus dem Jahr 1881 dokumentiert werden. Die Ergebnisse deckten sich mit den Aufnahmen der Lieferung im Jahr 1881. Es wurde aber auch deutlich, wie sehr das Erscheinungsbild des Wagens durch die zahlreichen Restaurierungen verändert wurde. Die Farbe von Zierlinien wurde immer weiter abgeändert und Linien stark vereinfacht. Auch wurden ganze Bereiche des Wagens zu einem späteren Zeitpunkt in anderen Farbtönen überlackiert.

Von April 2013 bis Februar 2014 befand sich der Pferdebahnwagen in den Werkstätten in Regensburg. Dort war er in guter Gesellschaft: Kettensteg, Tugendbrunnen, Bavaria und die Quadriga auf dem Brandenburger Tor wurden auf der Regensburger Werkbank bereits erfolgreich restauriert. Bei dem Pferdebahnwagen entfernten die Restauratoren schrittweise die Klebefolien, die bei der letzten Überarbeitung im Jahr 1971 aufgebracht worden waren. Alte, sich lösende Lackschichten wurden so gefestigt, dass anschließend auf diesen die neue Fassung aufgebaut werden konnte. Begleitend dazu wurden an zahllosen Stellen des Wagens weitere Farbuntersuchungen und Bindemittelanalysen durchgeführt, um weitere Informationen über das ursprüngliche Erscheinungsbild zu erhalten. Zunächst wurden die alten Lackschichten angeschliffen und die neue Lackierung vorbereitet. Eine Zwischenschicht auf Schellackbasis ermöglicht es, die neue Lackierung von den historischen Schichten später wieder trennen zu können. Das Äußere des Pferdebahnwagens wurde gekittet und gespachtelt. Da der Bereich unter den Fenstern ursprünglich dezent maseriert war, wurde dieser nach altem Vorbild rekonstruiert. An zahlreichen Stellen wurden Schäden an der Lackierung retuschiert. Die Original-Linienverlaufstafel am Wagendach wurde ebenso behutsam retuschiert die die grüne Fassung des Wagenunterteils. Die Spuren der Vergangenheit blieben dabei erhalten, das Gesamterscheinungsbild gewann aber deutlich. Dank großzügiger Spenden konnte der Verein die Kosten für die Restaurierung in Höhe von rund 50.000 Euro aufbringen. Die Unterstützung der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern in Höhe von rund 10.000 Euro ermöglichte es, die Geschichte des Straßenbahnwagens wissenschaftlich zu erforschen, zu dokumentieren und die historische Originalsubstanz fachgerecht zu sichern. Einen erheblichen Beitrag leisteten auch die Hübner GmbH, die Sparkasse Fürth, MAN SE als Nachfolger des Herstellers des Wagens von 1881 und Siemens. Die VAG kam für die Transportkosten auf. Der Verein der Freunde der Nürnberg Fürther Straßenbahn e.V. bedankt sich bei allen Spendern für die Unterstützung.

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