08.02.2009

Eppelein v. Gailingen

Appolonius von Gailingen war Ritter auf der Kaiserburg. Keine Ahnung, warum er als Ritter Eppelein in die Geschichte einging.


Nürnberg wie Sie es in keinem Reiseführer finden

Appolonius von Gailingen war Ritter auf der Kaiserburg. Keine Ahnung, warum er als Ritter Eppelein in die Geschichte einging. Wahrscheinlich war das sein Spitzname an der Schule. Eppelein hat jedenfalls irgendwann die Kaiserin sexuell belästigt und wurde deswegen zum Tode verurteilt. Wie das damals so üblich war, erbat er sich die Erfüllung eines letzten Wunsches, welcher ihm auch sogleich gewährt wurde:

Er durfte noch einmal mit seinem geliebten Ross eine Runde um die Burg herum drehen. Zunächst machte es auch den Anschein, als ob das Volk wieder einmal in den Genuss einer anständigen Hinrichtung kommen würde, aber plötzlich machte Eppelein einen großen Satz. Er sprang mit dem Ross auf die Burgmauer und von dort geradewegs auf die andere Seite des Burggrabens, er entfloh spornstreichs in die Freiheit und ward nie wieder gesehen in der Metropolregion.

Die Hufe des edlen Rosses gruben sich beim Aufsetzen tief in den weichen Sandstein der Burgmauer ein und der Hufabdruck zeugt bis heute von der Kühnheit der fränkischen Ritter, die zwar wie der gemeine Franke überhaupt ziemlich klein, aber dafür um so listiger waren.

Wie klein der gemeine Franke war, lässt sich unschwer erahnen, wenn Sie während der Besichtigung der Lochgefängnisse fortwährend das Geräusch auf Stein prallender Schädel und die nachfolgenden Schmerzensschreie unachtsamer Touristen vernehmen. Die unterirdischen Gemäuer unter dem Nürnberger Rathaus sind vollständig erhalten und zwar mitsamt dem kompletten Original-Equipment aus den Zeiten der Inquisition. Man weiß ja nie, ob man das nicht irgendwann wieder gebrauchen kann.

Im Erdgeschoß darüber befand sich eine Eckkneipe. Dort konnte man die Schreie der Gefolterten wunderbar hören und dazu fränkisches Bier trinken und Brotzeit machen. Das war wie Fernsehen, nur spannender, weil man zwar nichts sehen, aber sich viel darunter vorstellen konnte. Zur Volksbelustigung trugen des weiteren wie zuvor schon angedeutet die regelmäßigen Hinrichtungen bei.

So eine Hinrichtung war ein großes Spectaculum und wurde entsprechend zelebriert. Nicht zuletzt weil es eine erkleckliche Einnahmequelle war. Die Mieten für die Büdchen-Stellplätze waren doppelt so hoch wie beim Christkindlesmarkt. Das Ereignis wurde schon Wochen vorher groß über öffentliche Aushänge angekündigt und der städtische Event-Manager entsandte kaiserliche Boten in die entlegendsten Dörfer. Das Volk zog sein Sonntagsgewand an und schwärmte zu Hauf in die Stadt. Da war das Volk schon genauso sensationsgeil wie heute, nur dass es sich damals noch bewegen musste um am Weltgeschehen teil zu haben.

Mittlerweile waren auch Gaukler, Beutelschneider und anderes fahrendes Volk eingetroffen und offerierten diverse Dienstleistungen wie exotische Sensationen, kulinarische Genüsse und Wahrsagerei. Bei den Getränken kannte die Stadt allerdings schon damals kein Pardon, denn das Privileg des Bier-Ausschanks liegt seit 1065 bei Tucher, weil Heinrich der IV. im Vollrausch eine ordre Mufti erließ, die bis heute Rechtsgültigkeit besitzt. Deswegen wundern Sie sich nicht, wenn Sie das nächste Mal zum Bardentreffen nach Nürnberg kommen und dort nur Tucher-Stände vorfinden, obgleich es nach einhelliger Volksmeinung das krottenschlechteste Bier Frankens ist.

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