31.01.2008

10 Jahre NightLiner Nürnberg

Als Herbert Dombrowsky, damals bereits Vorstandsvorsitzender der VAG Nürnberg, am Sonntag, 1. Februar 1998 um 1.00 Uhr nachts am Nürnberger Hauptbahnhof den Startschuss für zwölf NightLiner-Linien gegeben hat, ahnte niemand, wie erfolgreich die Nachtbuslinien werden würden.

Netzstrecke des NightLiner Nürnberg

 

Als Herbert Dombrowsky, damals bereits Vorstandsvorsitzender der VAG Nürnberg, am Sonntag, 1. Februar 1998 um 1.00 Uhr nachts am Nürnberger Hauptbahnhof den Startschuss für zwölf NightLiner-Linien gegeben hat, ahnte niemand, wie erfolgreich die Nachtbuslinien werden würden. Die VAG freut sich über diesen Erfolg und lädt deshalb alle Nachtschwärmer ein, den Geburtstag mit zu feiern. In drei Nächten im Februar wird in drei Nürnberger Szene-Diskotheken auf den NightLiner angestoßen.

Von zwölf auf 24
Der NightLiner übertraf von Beginn an die kühnsten Erwartungen der Planer bei der VAG. Zwölf Linien starteten anfangs zwischen 1 und 4 Uhr im Stundentakt sternförmig ab dem Nürnberger Hauptbahnhof und zwar immer von Freitag auf Samstag, von Samstag auf Sonntag, in den Nächten vor Feiertagen sowie an bestimmten Tagen, wie z. B. dem Rosenmontag. Auf insgesamt rund 120 Betriebstage pro Jahr kommt der NightLiner so. Am Grundkonzept hat sich in zehn Jahren nichts geändert. Noch immer starten die NightLiner überwiegend ab Nürnberg Hauptbahnhof, noch immer sind es die Wochenenden, an denen der NightLiner kommt und – so weit möglich – berücksichtigt die VAG bei der Linienführung die Veranstaltungsorte. Inzwischen ist das NightLiner-Netz auf 24 Linien gewachsen. Davon werden 20 von der VAG bzw. mit VAG-Beteiligung betrieben. Partner sind die Erlanger Stadtwerke AG, die infra verkehr fürth GmbH sowie der  Omnibusverkehr Franken (OVF). In den vergangenen zehn Jahren wurden mehrere Linien des Startnetzes verlängert. Dies führt zum Teil dazu, dass die  Fahrzeuge erst nach zwei Stunden wieder zum Ausgangspunkt, dem Nürnberger Hauptbahnhof, zurückkehren. Standard ist aber ein einstündiger Umlauf. 17
der 24 Linien sind ganz oder teilweise auch außerhalb des Nürnberger Stadtgebietes unterwegs, sieben ausschließlich im Nürnberger Stadtgebiet. Damit hat sich der NightLiner von seiner ursprünglichen, rein auf das Nürnberger Stadtgebiet bezogenen Funktion binnen kurzer Zeit zu einer regional bedeutsamen Einrichtung entwickelt.
Herbert Dombrowsky zur Erfolgsgeschichte der Nachtbuslinien: „Die Entwicklung des Netzes zeigt, dass wir bei der Konzeption richtig lagen. Wir hatten das Netz des NightLiners von Beginn an so gestaltet, dass wir Ziele in der Region ohne großen Aufwand anbinden konnten, ohne dass wir die Struktur grundsätzlich ändern mussten. Und zum zweiten hat sich bestätigt, dass es richtig war, auf den Betriebszweig Bus zu setzen. Nur so war eine derartige Expansion des Netzes möglich und ließ sich das Produkt NightLiner auch eindeutig positionieren.“ Der zügige Ausbau des Netzes in den Nachbarstädten sowie die Verbindungen ins Umland Nürnbergs machten deutlich, so Dombrowsky weiter, dass der Bedarf für Nachtbuslinien sowohl in der Stadt als auch auf dem Land gegeben sei. Gleichwohl habe zu Beginn niemand mit einem derartigen Erfolg gerechnet. „Insbesondere junge Menschen gehören zu den Fahrgästen der NightLiner. Sie sollen auch dann noch sicher nach Hause kommen, wenn die regulären Linien nach Betriebsschluss eingerückt sind“, definiert der VAG-Vorstandsvorsitzende die Zielgruppe des Angebots.

Nachfrage stieg stetig
Seit dem Start am 31. Januar 1998 nimmt die Zahl der Nutzer stetig zu. Waren es zu Beginn zwischen 3.000 und 3.500 Fahrgäste pro Wochenende, so sind es mittlerweile annährend 10.000 Fahrgäste an einem durchschnittlichen Wochenende allein auf den von der VAG alleine oder gemeinsam mit anderen Verkehrsunternehmen betriebenen 20 Linien (N1 – N12, N15, N17 + N18, N28 + N29, N55, N59 und N61). Hiervon finden über 7.000 Fahrten ganz oder zum Teil
im Stadtgebiet Nürnberg statt. Bereits nach kurzer Zeit mussten auf mehreren Linien Gelenkbusse eingesetzt werden, teilweise muss parallel ein
zweiter Bus fahren, damit auch alle Fahrgäste mitkommen. Im Regelfall sind 32 Busse auf den 24 Linien im Einsatz. Im Fasching, in der Blauen Nacht oder zu Silvester sind es deutlich mehr, dann sind es bis zu 50 Fahrzeuge. Das Streckennetz umfasst inzwischen fast 400 Kilometer mit derzeit deutlich über 600 Haltestellen. Das Startnetz war rund 230 Kilometer lang und hatte rund 300 Haltestellen. Außer VAGFahrern sind auch Busse und Mitarbeiter von Subunternehmern im Einsatz. Drei Linien werden alleine vom Omnibusverkehr Franken (OVF) und eine von der Erlanger Stadtwerke AG betrieben.
Absoluter Spitzenreiter unter den NightLiner-Linien ist der N9, der vom Nürnberger Hauptbahnhof über Stadtgrenze, Fürth Rathaus nach Burgfarrnbach und wieder zurück fährt. Zwischen Nürnberg und dem Fürther Zentrum ist die Linie in beiden Fahrtrichtungen fast immer voll ausgelastet.

Erfolgsfaktoren
Die Planer der VAG führen die positive Bilanz im Wesentlichen auf drei maßgebliche Faktoren zurück. Ursächlich sind gesellschaftliche Veränderungen insbesondere im Freizeitbereich und damit einhergehend die Mobilitätsbedürfnisse gerade junger Menschen. Insbesondere an Wochenenden gibt es deshalb ein entsprechendes Nachfragepotential nach öffentlichen Verkehrsmitteln vor allem weit nach Mitternacht. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die durchgängige, klare und damit leicht verständliche Gestaltung des Nahverkehrsangebotes. Klar und durchgängig bezieht sich einmal auf den Fahrplan: Die Kunden können sich damit auf allen Linien darauf verlassen, dass der NightLiner im Stundentakt kommt und die Anschlüsse stündlich gewährleistet werden. Und zum anderen gilt für den NightLiner der reguläre, aktuell gültige VGN-Tarif. Wer mit dem NightLiner fährt, zahlt keine Zuschläge. Das hat für die Fahrgäste den Vorteil, dass sie, soweit sie z. B. im Besitz einer Zeitkarte sind, einsteigen und losfahren können. Grund für die Entscheidung, keine Zuschläge zu erheben, war letztlich, dass dies nur schwer vermittelbar gewesen wäre und eines erheblichen Aufwandes im betrieblichen Alltag bedurft hätte, weil dann – bedingt durch den Verkauf von Tickets – voraussichtlich mehr Fahrzeuge hätten eingesetzt werden müssen. Als dritten Erfolgsfaktor sehen die Planer der VAG das kontinuierliche Marketing für das Angebot. „Wir haben 1998 nicht einfach Nachtbuslinien eingeführt, sondern von Beginn an eine Marke positioniert“, erläutert der fürs Marketing zuständige VAG-Vorstand, Dr. Rainer Müller. Der Name „NightLiner“ sei deshalb von Anfang an markenrechtlich geschützt.
„Das Angebot wurde in kürzester Zeit zum Sympathieträger und ist in der Öffentlichkeit ein Begriff, der auch positiv für die Marke VAG wirkt“, stellt Müller fest. Zentrale Informationsmedien sind nach wie vor der regelmäßig aufgelegte handliche NightLiner-Faltprospekt mit Netzplan und allen Fahrplänen sowie der Internet-Auftritt http://www.vag-nightliner.de/, der im vergangenen Jahr neu gestaltet wurde. Kontinuierlich unterstützt wird die Bekanntheit des
NightLiners u. a. durch Werbung an und in VAG-Fahrzeugen, Plakataktionen, Infoscreen-Spots in U-Bahnhöfen sowie Anzeigen in Szenemagazinen. Anlassbezogen wird auch direkt an Veranstaltungsorten zum Teil mit Promotionteams geworben. Das blaue Markenlogo findet sich an allen Haltestellen wieder. Einprägsam die flotten Sprüche, mit denen über viele Jahre für den NightLiner geworben worden ist. „Der kommt jetzt nachts stündlich“, „Gute-Nacht-Bussi“,
„Kein Typ für eine Nacht“, „Wir fahren durch bis morgen früh“ und „Siehst du die Sterne, ist er nicht weit“.

Bilanz und Ausblick
Für die Planer der VAG ist ein Ende der Erfolgsgeschichte des NightLiners nicht absehbar. Das liegt mit Sicherheit auch daran, dass Eltern wie junge Fahrgäste es zu schätzen wissen, dass man mit dem NightLiner sicher und zuverlässig nach Hause kommt. Aber auch Wanderer oder  Arbeitnehmer, die schon früh am Morgen Dienstbeginn haben, nutzen den NightLiner gerne. Derzeit wird über eine weitere Erweiterung nachgedacht. So
diskutieren die Aufgabenträger und politisch Verantwortlichen in Hersbruck und Schnaittach über eine Netzerweiterung nach Hersbruck und Schnaittach. In Nürnberg wurde das Angebot von Beginn an so strukturiert, dass bisher keine erheblichen Erweiterungen oder Umstrukturierungen notwendig geworden sind.
Bei allem Erfolg, so Herbert Dombrowsky dürfe aber nicht vergessen werden, dass das Erfolgsprodukt NightLiner ein Zuschussgeschäft für die VAG bzw. die Aufgabenträger sei, das sich angesichts der gegebenen Tarifstrukturen nicht allein durch Fahrgeldeinnahmen tragen kann. „Dies gilt aber auch für fast jedes an den Bedürfnissen der Fahrgäste orientierte, großstädtische Nahverkehrsangebot“, gibt Dombrowsky zu bedenken.

Abfeiern mit der VAG
Mit drei großen Szenepartys will die VAG an den ersten Februarwochenenden mit ihren Fahrgästen den zehnten Geburtstag des NightLiners feiern. Am Freitag, 1. Februar 2008 startet die erste Party im Hirsch, gefolgt von einem Event im mach1 am Samstag, 9. Februar sowie am Samstag, 16. Februar in der Rockfabrik Nürnberg. Der Eintritt je Party liegt bei je sechs Euro. Wer im Besitz eines gültigen VGNTickets ist, bekommt einen kosten- und alkoholfreien Geburtstags-
Drink. Weitere nachtblaue Drinks gibt es zu fairen Preisen an speziell eingerichteten NightLiner-Bars, diverse Performance- und Showeinlagen sind neben DJ’s und Multimediapräsentationen in allen Locations fester Bestandteil der Events. Promotor verteilen trendige Werbegeschenke und lichten die feiernde Menge fürs Internet ab. Abgerundet werden die Feiern durch aktuelle Fotoserien von den Geburtstagspartys im Internet unter http://www.vagnightliner.de/ sowie durch drei Gewinnspiele, bei denen es u. a. Fahrscheine für VAG-Linien sowie kostenlosen Location-Eintritt mit Freunden zu einem späteren Zeitpunkt zu gewinnen gibt.

Sicher nach Hause mit den Gute-Nacht-BUSSIS
Der NightLiner gewährleistet seit nunmehr zehn Jahren, dass der Nachhauseweg sicher wird. Dafür, dass das auch künftig so bleibt, sorgen Fahrer wie Günther Bulikiewicz, Oskar Leeb und Richard Teschauer. Die drei fahren seit zehn Jahren immer wieder den NightLiner und das mit Begeisterung. Auf rund 20 Dienste pro Jahr, also jeweils über 200 NightLiner-Dienste in zehn Jahren kommen sie. Und was bedeutet es für Bulikiewicz, Leeb und Teschauer, nachts, wenn andere schlafen, müde Nachtschwärmer nach Hause zu bringen? Ein Mann der ersten Stunde NightLiner-Stunde ist Günther Bulikiewicz, der es bisher auf immerhin 226 Nachtdienste bringt. „Ich finde es gut, dass es den NightLiner gibt. Da brauchen sich die Eltern keine Sorgen machen, dass die Kinder gut nach Hause kommen. Wenn man jung ist, möchte man feiern, vielleicht auch mal etwas trinken und das verträgt sich mit dem selbst Auto fahren nicht. Außerdem geht es nicht günstiger. Viele unserer Fahrgäste haben Zeitkarten.“ Mit Blick auf seine Kinder, beide im besten NightLiner-Alter, erlebt er die Vorteile der Nachtbuslinien hautnah. Auffallend ist für ihn, wie gut die Fahrgäste immer drauf sind. „Es sind auch viele Auswärtige dabei, die nach Nürnberg mit dem BayernTicket anreisen, eine Nacht durchmachen und am nächsten Morgen, meist dann am Sonntag, mit dem ersten Zug der Bahn zurück nach Hause fahren.“ Insbesondere auf der letzten Tour ab vier Uhr käme es schon mal vor, dass ein Fahrgast den Ausstieg verschlafe. Je nachdem werde der dann geweckt oder mit in den Betriebshof genommen, erzählt Bulikiewicz. Oskar Leeb macht der Dienst auf den Nachtbuslinien „besonders viel Spaß“. „Das ist ein ganz anderes Publikum als tagsüber. Lauter junge Leute, die gut drauf sind, ohne die Probleme, die es tagsüber gibt. Die Stimmung ist gut. Es gibt
keine Beschwerden. Das Verkehrsaufkommen ist insgesamt zwangsläufig geringer als tagsüber, auch wenn um die Discotheken herum oft nur schwer Durchzukommen ist. Und wenn es mal an einer Haltestelle etwas länger dauert, bis alle eingestiegen sind, ist das für niemanden ein Problem.“ Das Beste, so Leeb, der seit 23 Jahren bei der VAG als Fahrer beschäftigt ist, sei aber die WM gewesen. Drei Wochen  sind die NightLiner im Sommer 2006 jede Nacht gefahren. Die Stimmung sei großartig gewesen, die Fans hätten sich untereinander super verstanden. Und wie war’s vor zehn Jahren, in den Anfängen des NightLiners? Leeb: „Es hat zwei, drei Monate gedauert, bis sich alles etwas eingespielt hatte, bis der NightLiner und die Abfahrtszeiten bekannt waren. Seitdem läuft es.“ Und die Lieblingstour? „Eigentlich jede. Am meisten abverlangt wird einem auf dem N1, der vom Hauptbahnhof über Rathenauplatz bis Buchenbühl, die Discomeile entlang wieder zum Hauptbahnhof zurück fährt.“ Liebend gerne NightLiner fährt auch Richard Teschauer, der seit 1. Januar 1988 bei der VAG ist. Am letzten Wochenende fuhr er seinen 200sten NightLiner-Dienst auf dem N1, einer der stark frequentierten Linien. „Die Stimmung ist fast immer gut. Viele sind lustig, nicht so ernst und schon gar nicht gehetzt. Es gab in all den Jahren keine wirklichen Probleme“, so Teschauer, was auch seine Kollegen Leeb und Bulikiewicz bestätigen. Nur einmal habe er gleich nach dem Start am Hauptbahnhof die Polizei rufen müssen, weil im Heck des Busses einige Fahrgäste heftig aneinander geraten waren und auch aufeinander eingeschlagen hätten. „Als die Polizei mit fünf Fahrzeugen vorfuhr, war es schlagartig ruhig. Aber das war wirklich der einzige Fall.“ Für sich persönlich sieht Teschauer die Vorteile des Nachtdienstes. „Ich war lange Zeit Jugendtrainer in einem Fußballverein und hatte dank der Nachtdienste am Samstagvormittag Zeit für mein Hobby. Konnte auch meine Söhne zu ihren Spielen begleiten.“ Seine Lieblingslinie N8 führt ihn über Oberasbach bis nach Zirndorf, ist quasi seine Heimatlinie, auf der er auch Bekannte und Freunde seiner beiden Söhne trifft. Von den beiden nutzt der 19-Jährige den NightLiner und ist einfach froh, dass er am Wochenende das Auto stehen lassen kann. Und Richard Teschauer und seine Frau können sicher sein, dass ihr Großer auch mitten in der Nacht gut und unfallfrei nach Hause kommt.

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