Zwei bis drei Tage in Nürnberg

Wenn Sie sich ohne Auto und mindestens zwei Tage in der Stadt aufhalten, ist die Nürnberg-Card sehr empfehlenswert. Das Ticket kostet 25,- Euro und berechtigt an zwei Tagen zur freien Fahrt mit sämtlichen Verkehrsmitteln des öffentlichen Nahverkehrs in und um Nürnberg herum. Auch der Eintritt in allen Museen und Sehenswürdigkeiten ist bereits enthalten, Theater, Kinos und einige Geschäfte gewähren bei Vorlage ermäßigte Preise. Es besteht auch die Möglichkeit, ein Fahrrad per Handy bei nextbike.de für 5,- € pro 24 Stunden zu mieten.

Einen Tag Ihres Besuchs sollten Sie für den historischen Kern der Altstadt reservieren. Eine Tour für Ihren Spaziergang haben wir in der Rubrik Ein Tag in Nürnberg für Sie zusammen gestellt.
 
Tag zwei: Die westliche Altstadt
Wir beginnen den Spaziergang durch die westliche Altstadt an der Fleischbrücke. Sie ähnelt nicht nur zufällig der Ponte di Rialto, sondern wurde nach dem berühmten Vorbild in Venedig gestaltet. Daneben thront ein 5.5 Tonnen schwerer Ochs seit 1599 auf dem Portal - für die Einheimischen ein Sinnbild der Dummheit und wenn dem Nürnberger einer eine dumme Antwort gibt, sagt er: “Des hätt ma der af da Fleischbrüggn an sogn kenna!” Im ehemaligen Fleischhaus neben der Brücke wurde früher der Fleischmarkt abgehalten, heute verkauft dort der “Wurzelsepp” “den wohl besten Pfeffer der Welt”.

Bei der Deutschlands ältester Buchhandlung “Korn & Berg” biegen Sie links ab in die Winklerstraße, wo Sie im Fränkischen Brotparadies der Gebrüder Schwarz ausgesprochen köstliche Brot- und Wurstspezialitäten aus der Region erwerben können. Weiter geht es in Richtung Pegnitz, wo sich der Fluss in einen Haupt- und einen Nebenarm teilt. Wenn Sie die Brücke überquert haben sehen Sie zu Ihrer Linken ein kleines Halbinselchen, im Volksmund “Liebesinsel” genannt. Dort können Sie in den Sommermonaten eine Gondelfahrt buchen. Sollte der Gondoliere Alberto Castello - ein waschechter Venezianer übrigens - nicht persönlich anwesend sein, können Sie ihn unter 0177-9354757 erreichen.

Unsere Tour geht weiter über den Trödelmarkt und die Karlsbrücke in die Obere Wörthstraße. Gleich am Anfang der kleinen Nebenstraße liegt das “La Violetta”, das wir Ihnen sehr für einen kleinen Zwischenstopp ans Herz legen möchte. Den Eingang teilt sich das gemütliche kleine Café mit einem malerischen Blumenlädchen und die Innenausstattung erinnert ein wenig an die alten Caféhäuser in Paris. Ob draußen an der kaum befahrenen Straße oder in der oberen Etage auf dem Omasofa - hier können Sie einfach die Zeit vergessen und bei alten Chansons ein wenig vor sich hin träumen.

Die nächste Station auf unserem kleinen Spaziergang ist der Unschlittplatz. Das große Fachwerkhaus, das auf dem Weg hinter Ihnen liegt, ist das Unschlitthaus. Es  wurde seit 1491 als Getreidespeicher genutzt und dann als Sammelstätte für “Unschlitt“, also nicht zum Verzehr geeignetem tierischen Fett, das z. B. in der Herstellung von Kerzen verwendet wurde. Seine eigentliche Berühmtheit erlangte der Platz jedoch, weil Kaspar Hauser dort zum allerersten Mal gesehen wurde. Am Dudelsackpfeiferbrunnen vorbei läuft man direkt auf das Schild zu, das seiner Ankunft in der Stadt gewidmet ist. Das Rätsel des geheimnisvollen Knaben ist bis heute nicht gelöst. Sehr sehenswert ist, zwei Häuser weiter am Unschlittplatz 12 der Puppendoktor, ein winzig kleines Café, das wegen der zahlreichen Plüschtiere und Puppen, die es bevölkern, aus allen Nähten zu platzen scheint.

Von dort aus geht es weiter zur Maxbrücke, vorbei an einem wunderschönen roten Haus, in dem heute eine Silberschmiedin ihre Werkstatt hat, der man durch die Fenster ein wenig über die Schulter sehen kann. Von der Brücke aus sehen Sie den gegenüberliegenden Weinstadel. Hier waren im Mittelalter zunächst die Aussätzigen untergebracht, später diente das schönste Fachwerkhaus der Stadt als Weinlager. Heute werden der Weinstadel und der ehemalige Wasserturm nebenan als Studentenwohnheim genutzt. Rechts davon über der Pegnitz ist das alte Henkerhaus, in dem der Nürnberger Scharfrichter lebte mit dem hölzernen Henkersteg.
   
Nach der Maxbrücke biegen Sie links ab und laufen einfach der Pegnitz entlang zum Kettensteg, der ältesten frei schwebenden Hängebrücke Deutschlands. Zunächst hatten die Nürnberger ein wenig Angst und trauten sich nicht recht auf die Brücke, aber als sie ihre Bedenken dann überwunden hatten, brachten sie die Brücke, die man durch geschickte Bewegung aufschaukeln konnte, so arg ins Schwanken, dass sie doch noch mit Holzpfeilern verstärkt wurde, damit kein Unglück geschah.

Nun geht es weiter in Richtung Maxplatz zur Weißgerbergasse. Sollten Sie sich übrigens mal ein bisschen verlaufen in dem Gewirr an Schleichwegen, Brücken und kleinen Gassen ist das auch nicht schlimm, denn die Gässchen im Viertel sind allemal sehenswert und man findet leicht auf die Hauptwege zurück. Hier gibt es viele schöne Fachwerkhäuser zu bestaunen, die glücklicherweise vom Bombenhagel im Krieg verschont geblieben sind. Beim Nüssle-Hans kann man Nüsse oder Trockenfrüchte verkosten und köstliche Spezereien erwerben, die früher zu Zeiten der Pfeffersäcke sehr kostbar waren. Gewürze galten im Spätmittelalter als Inbegriff des Reichtums: Ein Pfund Muskatnüsse waren um 1400 so viel wert wie sieben ausgewachsene Ochsen und der in Nürnberg geborene Anton Fugger soll sogar die Schuldscheine Karls V. vor dessen Augen in einem Feuer aus Zimtstangen verbrannt haben. Das Weißgerberviertel war im Mittelalter eine typische von Handwerkern geprägte Siedlung mit schmalen Fachwerkhäusern - die reichen Kaufleute lebten in großen Sandsteinhäusern. Der Name der Gasse geht auf die Kunst der Lederherstellung zurück. Das feine Leder war so dünn, dass es beinahe weiß erschien. In Nürnberg gab es übrigens keine Zünfte - der gesamte Handel in der Stadt war dem Rat der Patrizier unterstellt. Durch strenge Kontrolle und ein Monopol hielt der Rat wichtige Exportgewerbe in der Stadt. An der Fassade des kleinen Cafés in der Hausnummer 8 finden Sie sehr eindrucksvolle Darstellungen der mittelalterlichen Handwerkskünste. Über den Weinmarkt kommen Sie zum Spielzeugmuseum in der Karlsstraße, das bei kleinen und großen Kindern gleichermaßen beliebt ist.

Gehen Sie nun die Schustergasse entlang zur Kirche St. Sebald, einer der bedeutendsten Kirchen der Stadt, denn der heilige Sebald ist der Stadtpatron Nürnbergs und damit ein wichtiges Kapitel der Stadtgeschichte. Niemand weiß genau, wie es sich wirklichen zugetragen hat, aber in einem der Vororte Nürnbergs soll um 1050 ein Eremit im Wald gelebt, der den einfachen Leuten viel Gutes getan hat. Mit der Zeit wurden die Legenden, die ihn umrankten, immer wunderbarer. Der Eremit soll angeblich gesagt haben: „Legt meine Gebeine auf einen Ochsenkarren. Wo der Karren stehen bleibt, da begrabt sie.“ Und auf wundersame Weise blieb er genau dort stehen, wo später die Sebalduskirche errichtet wurde. Böse Zungen behaupten, die Nürnberger hätten seine sterblichen Überreste geraubt. Nachdem man dann auch noch einem hohen katholischen Geistlichen einen günstigen Kredit über eine große Summe gewährt hatte, klappte es auch mit der Heiligsprechung und mit den Walfahrern, die Sebaldus besuchen wollten, kamen der erste wirtschaftliche Aufschwung in die Stadt.  

Auch der Sebaldusplatz bietet viel Sehenswertes wie das mächtige Chörlein am Pfarrhaus und die Sonnenuhr am Schürstabhaus. Das Goldene Posthorn nördlich der Kirche ist die vielleicht älteste deutsche Weinwirtschaft, jedenfalls die mit der ältesten Verkaufsurkunde (von 1498). Es war das Stammlokal von Albrecht Dürer und Hans Sachs und hat auch Richard Wagner, der hier 1835 Station machte, sehr inspiriert. Der damals noch sehr junge Komponist und sein Schwager machten sich über einen Tischlermeister lustig. Wagner gab sich als italienischer Tenor aus und forderte nun Meister Lauermann zum Sängerwettstreit heraus. Dieser lief zur Höchstform auf - die Gäste tobten vor Begeisterung. Nach der Showeinlage musste Lauermann, der inzwischen sturzbetrunken war, allerdings in einer Schubkarre nach Hause gebracht werden. Im Posthorn ging es danach erst richtig rund: Weil der Wirt niemanden mehr einlassen wollte, kam es zu einer Prügelei. Richard Wagner hat diese Eindrücke in einer der bekanntesten Szenen der Oper "Die Meistersinger von Nürnberg" verarbeitet. Lauermann mit seinem krankhaften Ehrgeiz war wohl das Vorbild für Wagners Figur Sixtus Beckmesser. Der Besuch Wagners ist in den alten, bleigefassten Fenstern im Gasthaus verewigt, das übrigens heute noch für seine fränkischen Spezialitäten bekannt ist und sich somit auch gleich für eine Mittagspause anbietet.

Am alteingesessenen Antiquariat Heubeck vorbei den Berg hinauf begegnet Ihnen Albrecht Dürer ihn Form eines großen Denkmals. Ob die Bronzeplastik “Hommage á Dürer” mit dem überdimensionierten Hasen ein Ehrerweis oder eine Schande für den Platz am Tiergärtner Tor ist, darüber streiten nicht nur die Nürnberger, dennoch ist und bleibt der Platz einer der schönsten der Stadt. Am Pilatushaus prangt auf dem achteckigem Holzerker der Hl. Georg der Drachentöter in goldener Rüstung. Es handelt sich um ein so genanntes “Hauszeichen”, also eine Anspielung auf den Beruf des Bauherrn, denn dieser war ein Harnischmacher und stellte Rüstungen her. Überhaupt gibt es in keiner anderen Stadt so viele Dacherker und Chörlein. Rund um den Platz gibt es viele kleine Besonderheiten zu entdecken wie das Frankenlädle oder den historischen Kunstbunker, in dem zum Beispiel der Behaim-Globus den 2. Weltkrieg überdauert hat. Was Sie in jedem Falle gesehen haben sollten, ist das Albrecht-Dürer-Haus. Dort führt Agnes, die Gattin des großen Nürnberger Künstlers, durch das alte Gemäuer, das dieser vor 500 Jahren erworben hat. Die wirklich sehenswerte Führung macht Leben, Haushalten und künstlerisches Schaffen zur Zeit Dürers sehr anschaulich und beleuchtet viele interessante Facetten seines Werdegangs. Das Haus enthielt eine Malerwerkstatt und eine Druckerei. Die Holzschnitte und Kupferstiche wurden in den oberen Etagen angefertigt und im Parterre verkauft. Nürnbergs Promi-Dichte war im Mittelalter ziemlich hoch - Dürers bester Freund war zum Beispiel der Gelehrte Willibald Pirckheimer, beide waren Zeitgenossen des großen Druckermeisters Anton Koberger. Um die gleiche Zeit übernachtete dort im Augustinerkloster der bis dahin noch vollkommen unbekannte Martin Luther, der einmal gesagt haben soll: “Denn Nürnberg leuchtet wahrlich im ganzen deutschen Land wie eine Sonne unter Mond und Sternen.” Und weil das so ist könnten wir Sie noch stundenlang zu immer neuen Entdeckungsreisen in der Stadt verleiten wie zum Beispiel einem Besuch der unterirdischen Felsengänge, in denen früher das Bier gelagert wurde. Die Karten erhalten Sie im ebenfalls sehr sehenswerten Altstadthof, in dem man nach der geführten Tour auch den Tag mit einem in der eigenen Hausbrauerei hergestellten Bier ausklingen lassen kann.  

Tag drei: Tiergarten mit Waldschänke
Nachdem Sie nun zwei Tage in Sachen Kultur unterwegs waren, steht am dritten Tag Natur pur auf dem Programm. Was wäre ein Ausflug nach Nürnberg ohne einen Besuch im Nürnberger Tiergarten - bekannt aus Funk und Fernsehen und das nicht nur wegen Flocke und Rasputin. Für einen ausführlichen Besuch im Nürnberger Tiergarten sollten Sie auf jeden Fall einen ganzen Tag einplanen.

Der Nürnberger Tiergarten in den historischen Sandsteinbrüchen der ehemaligen Reichsstadt ist alleine schon wegen seiner Anlage sehenswert. Nicht umsonst steht er im Ruf, einer der schönsten in ganz Europa zu sein: Jahrhunderte alte Bäume des Reichswalds, ausgedehnte Wiesen, Auen und Weidelandschaften, malerische Felsen aus Sandstein überwiegend in warmen roten Tönen erwarten Sie dort. Der Tierpark ist so gut in die Naturlandschaft integriert, dass man sich mitten in die Wildnis, den Wald, eine Sumpflandschaft oder Steppe hinein versetzt fühlt. Die botanischen Gegebenheiten des 70 Hektar großen Areals erfüllen dabei eine sehr wichtige Voraussetzung für die Haltung der fast 300 Arten, denn den Tieren kommt es sehr zu Gute, wenn die Umgebung ihrem natürlichen Lebensraum möglichst ähnlich ist. Auch die Delphinlagune garantiert großen Spaß für groß und klein.

Wenn Sie unterwegs am Wegesrand Picknick machen wollen, finden Sie überall auf dem großen Gelände gemütliche Holzbänke und Tische, es gibt einige Imbissbuden mit sehr moderaten Preisen und auch das Restaurant Waldschänke auf dem Tiergartengelände kann sich sehen lassen: Das Fachwerkhaus mit einem Glaspalast im Art-Deco-Stil steht unter Denkmalschutz und im Biergarten mit großem Kinderspielplatz spendet eine 200 Jahre alte Eiche Schatten.   

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