Heilig-Geist-Kirche in Nürnberg - Heilig-Geist-Spital in Nürnberg

Das Heilig-Geist-Spital wurde zwischen 1332 und 1339 zusammen mit der Heilig-Geist-Kirche (dreischiffige, achtjochige Basilika mit flachgedeckten Schiffen und gewölbten Ostchören) erbaut und liegt direkt an der Pegnitz.

Stifter war Konrad Groß an den noch heute eine, am Nordende der Spitalbrücke befindliche, Plastik erinnert. Konrad Groß war ein Nürnberger Patrizier, der um 1280 geboren wurde. Er häufte im Laufe seines Lebens ein beträchtliches Vermögen an und zählte bald zu den reichtsen Männern des 14. Jh.. Er wurde daher auch oft mit Jakob Fugger verglichen. Er war davon überzeugt, dass irdische Wohltaten dem Seelenheil im Jenseits förderlich sind. Deshalb stiftete er das Spital, das zunächst "Neues Spital", im Gegensatz zum älteren Elisabethspital genannt wurde (s. a. St. Elisabeth).
         
Neben seiner Funktion als größte reichsstädtische Fürsorgeeinrichtung für Kranke und Alte waren zwischen 1424 und 1796 auch die Reichskleinodien*1 in der Heilig-Geist-Kirche untergebracht (die Kroninsignien in einem Panzerschrank in der oberen Sakristei und die Reichsreliquien im Heiltumschrein, der unter dem Gewölbe des Chors herab hing).

Sein heutiges Aussehen erhielt das Heilig-Geist-Spital im 15. Jh. bis Anfang des 16. Jh. mit der Bebauung der hinteren Insel Schütt und der dreifachen Überbrückung des nördlichen Pegnitzarms, als weitere Funktionen wie Gebärhaus und Wöchnerinnenheim dazu kamen. Zudem war das Spital lange Zeit die einzige chirurgische Station Nürnbergs.
Die Sutte (Krankenstuben) waren in der westlichen Überbrückung des nördlichen Pegnitzarms untergebracht und die mittlere und östliche Überbrückung beherbergten die Pfründnerwohungen mit einer Halle im Norden (Stiftergräber) und einer Stirnmauer im Süden, dem sog. Kreuzigungshof. Der Bauherr war Hans Beheim.

Der Spitalpfleger Herdegen Valzner (Bankier und verwandt mit Konrad Groß, gest. 1423) stiftete die Allerheiligenkapelle (wo er auch beigesetzt wurde). Die Kapelle, auch Valznerkapelle genannt, wurde um 1420 an das Spital angebaut. Im Laufe der Jahre folgten weitere grundlegende An- und Umbaumaßnahmen: Im Jahre 1557 wurde die Westmauer der Heilig-Geist-Kirche zusammen mit dem Turm neu aufgebaut, Carlo Brentano stuckierte im Jahre 1662 das Innere der Kirche im Stil des Barock. Allgemeine Innenrestaurierungen erfolgten in den Jahren 1827 bis 1833 und 1847 (neuer Altar und Kanzel im Stil Heideloffs). Seit dieser Zeit gilt das Hochaltarbild von Daniel Preißler (1660) als verschollen. Die Emporeneinbauten wurde im Jahr 1887 entfernt. Bedeutende Wandmalerein aus der Zeit der Renaissance (1420/30) wurden Anfang des 20. Jh. vom Müncher Konservator Hegemiller freigelegt. 1912 wurde eine neue Kanzel eingebaut und 1919 ein Kriegerdenkmal aufgestellt, beide Werke von Max Heilmeier (Bildhauer, Medailleur 1869 bis 1923). In den Jahren 1925/26 wurde die Nordwand komplett erneuert und im Jahre 1939 ein neuer Altar nach einem Entwurf von German Bestelmeyer (Architekt, 1874 bis 1942) eingebaut.

Die schweren Kriegszerstörungen hatten zur Folge, dass die Heilig-Geist-Kirche bis heute nicht wieder aufgebaut wurde.

Die Innensausstattung der Heilig-Geist-Kirche wurde während des Krieges im Kunstbunker gelagert und danach an verschiedenen Orten wieder aufgestellt: Die Tischgräber der Stifter Konrad Groß und Herdegen Valzner stehen heute im sogenannten Ehrenhof des Spitals, der sogenannte Heiltumsschrein und das Kruzifix von Veit Stoß (Bildeschnitzer, Maler, geb. vor 1450 bis 1533) im Germanischen Nationalmuseum, Tafelgemälde, Glasgemälde und Vasa Sacra befinden sich in der Hauskapelle bzw. in St. Lorenz.

Der Spitalkomplex wurde nach dem Krieg wieder aufgebaut, wobei anstelle der Kirche ein Saalbau für die evangelische Gemeinde in Nürnberg entstand (ehemals Nord- und Mittelschiff) und ein Studentenwohnheim, da wo sich einst das Südschiff der Kirche befand. Das Heilig-Geist-Spital ist heute ein städtisches Seniorenheim, in dem sich auch ein Restaurant befindet.

Adam Kraft schuf die Kreuzigungsgruppe die sich an den nördlichen Arkadenpfeilern des Keruzigungshofes befindet.

Zum Schluss noch eine kleine Spukgeschichte zm Heilig-Geist-Spital:

Die Geschichte von der "närrischen Gusterti" 

Die Gusterti war eine Witwe aus Wöhrd und Köchin im Spital. Zu Anfang sorgte sie sich gut um die Pfründner, doch mit der Zeit wurde sie immer merkwürdiger und gönnte den Pfründnern das Essen nicht mehr. Da ließ sie eigenmächtig einen kleineren Suppenlöffel anfertigen, so dass sie kleinere Portionen verteilen konnte. Die Spitalinsassen bemerkten den Betrug und beschwerten sich beim Rat, der daraufhin einen Kontrolleur beauftragte. Die "närrische Gusterti" wurde entlarvt und der kleine Löffel zum Fenster hinaus geworfen. Der Kontrolleur rief dabei aus: "Der ist des Teufels!". Daraufhin kreischte die Gusterti: "Des bin i aa!". Sie sprang dem Löffel hinterher in die Fluten der Pegnitz und ertrank. Aber ihre Seele fand keine Ruhe und so geisterte sie Nacht für Nacht durch die Gänge und Säle des Spitals, heulte, jaulte und schrie: "Loußt in groußa Löffl liegn und nehmts in klana!". Doch in der damaligen Zeit wusste man mit Geistern umzugehen. Man rief den Geisterbanner, der damals der Henker war und der fing sie eines Nachts um Schlag zwölf Uhr in einem Weidenkorb, den er auf dem Ofen unter dem Rauchfang platziert hatte. Den Korb mit dem Geist der närrischen Gusterti trug er nach Fischbach auf den Hohen Bühl, wo die arme Seele auch heute noch Wanderer und Pilzesucher zwischen Bäumen mit ihrem Gekreisch erschreckt: "Loußt in groußa Löffl liegn und nehmts in klana!".

Die Reichskleinodien:
Herkunft, Entstehungszeit und Umfang sind nicht ganz klar und auch nicht einheitlich. König Sigismund hat sie im Jahre 1423 dem Inneren Rat der Reichsstadt Nürnberg zur Verwahrung übergeben. Er wollte sie dadurch vor den Hussiten (s. a. Hussitenkriege, 1419 bis 1436) in Sicherheit bringen. Heute (seit 1954) sind die Reichskleinodien in der Wiener Hofburg zu bestaunen.
Die Bestandteile der Reichskleinodien sind die Reichskrone, der Reichsapfel, das Zepter, das Reichs- oder Mauritiusschwert, das Zeremonienschwert, der Krönungsmantel und andere Köngisgewänder. Zudem Reliquien wie die Heilige Lanze, das Reichskreuz mit Kreuzpartikeln, Reliquiare (Behälter für die Aufbewahrung oder Zurschaustellung von Reliquien) mit einem Span von der Krippe Jesu, einem Stück vom Gewand des Apostels Johannes, Kettengliedern von Johannes dem Täufer, Petrus und Paulus, einem Zahn von Johannes dem Täufer, einem Stück Stoff vom Tischtuch des heiligen Abendmahls und einem Stück Stoff vom Gewand Jesu von der letzten Fußwaschung.
Die Reichskleinodien wurden nur zur Krönungszeremonie herausgegeben. Im Jahre 1796 wurden die Kleinodien nach Wien gebracht, um sie vor den Franzosen in Sicherheit zu bringen. 1938 kamen sie nach Nürnberg zurück, nachdem Österreich an das Deutsche Reich angeschlossen worden war. Die Bombardierungen des Zweiten Weltkrieges überstanden sie im Kunstbunker in der Oberen Schmiedgasse. Im Jahre 1946 wurden sie wieder zurück nach Wien gebracht.

Pfründner:
Pfründner waren die "reichsten" Insassen im Heilig-Geist-Spital. Sie hatten sich durch mehr Kost- und Wohngeld bessere Kost und bessere Vorrechte erkauft, als die mittellosen Alten, die auch Aufnahme fanden. Dazwischen gab es noch solche, die sich durch geringes Wohn- und Kostgeld einkaufen konnten.

Quellen:

Stadtlexikon Nürnberg, herausgegeben von Michael Diefenbacher und Rudolf Endres, W. Tümmels Verlag, Nürnberg, 2000.
Fundort Sagen und Legenden in Franken, Freizeittouren für Genießer, Gisela Lipsky, Gaby Ullmann, Verlag ars vivendi, erste Auflage 2004.
Broschüre: Nürnberg erleben, Stadtführungen in vielen Sprachen: Themen-, Kostüm- und Kinderführungen, Redaktion: Dr. Claudia Siegel-Weiß, Dr. Heinz Schuster, 2009.

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