Die Kartäuserkirche in Nürnberg

Die Kartäuserkirche befindet sich in der Lorenzer Altstadt in der Kartäusergasse. Das Wort Kartause kommt vom französischen Wort Chartreuse und bedeutet Kloster. Die Kartäuser waren ein beschaulicher Einsiedlerorden, der vom heilgen Bruno von Köln gegründet wurde. Benannt wurden sie nach dem Stammkloster, Grande Chartreuse, das im Jahre 1084 entstanden war. Die Mönche wohnten in kleinen Einzelhäusern, die Kartäuser genannt werden. Die Ordenstracht der Mönche ist weiß.

Der Grundstein für die Kartäuserkirche in Nürnberg wurde im Jahre 1383 gelegt. Die Einweihung der Kirche (Kartäuserkirche St. Marien) fand im Jahre 1393 statt. Stifter war die Familie Mendel, die auch die Zwölfbotenkapelle an der Nordseite der Kirche errichten ließ. Die Deocarus-Kapelle über der Sakristei mit dazugehörigem Treppenturm wurde von Andreas Volckamer und seiner Frau Margaretha Haller gestiftet (1440). Die Gesamtanlage, Kloster und Kirche, war im Jahre 1459 vollendet. Eine erste Renovierung fand im Jahre 1615 statt, bei der die gotische Lettner (die halbhohe Wand, die den Chor vom Kirchenraum trennt) entfernt wurde. Bis 1810 wurden in der Kirche Gottesdienste abgehalten, v. a. ab 1784 auch katholische Messen als Ersatz für die abgebrochene Elisabethkirche. Ab 1810 wurden in dem Gebäude Militärgüter gelagert. Im Jahre 1857 wurden die Gebäude des Kartäuserklosters vom Germanischen Nationalmuseum (gegründet 1852) übernommen. Seit dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg dient auch die Kirche als Ausstellungsraum des Museums.

Die Kartäuserkirche ist eine einschiffige Kirche mit einer Reihung von acht kreuzrippengewölbten Jochen mit 5/8 Chorschluss. Die Sakristei liegt nördlich des Chors, über ihr befindet sich eine zum Kirchenschiff geöffnete Kapelle "mit Wappenkonsolen, Schlusssteinen und knieendem Stifter". Eine stark verwitterte Ölberggruppe befindet sich außen am Chorhaupt. Sie wurde in der Werkstadt des Adam Kraft gefertigt und von Peter Harsdörffer gestiftet (1498/99). Ansonsten ging von der mittelalterlichen Ausstattung der Kirche fast alles verloren.

Die Patrizierfamilie Mendel:
Erstmals erwähnt wurde die Familie als Hammerherren im Jahre 1305, sowie als Stifter der Moritzkapelle (Eberhard Mendel und Frau Gertraud) im Jahre 1313. Im Inneren Rat der Stadt Nürnberg waren sie sicher ab 1354, wahrscheinlich aber schon früher.
Im Jahre 1388 gründete Konrad Mendel die Mendel'sche Zwölfbruderhausstiftung (sie lag gegenüber der Zwölfbotenkapelle, Ecke Vordere Kartäusergasse). Peter Mendel stiftete im Jahre 1392 das Seelhaus am Paniersberg. Die Stiftungen zeugen vom Reichtum der Familie.
Im 14. und 15. Jh. hatte die Familie eine Schlüsselstellung im Italienhandel und, über Venedig, im Nürnberger Levantehandel inne. Levante stammt aus dem Italienischen und bedeutet "Osten"; das Land der aufgehenden Sonne, damit sind die Länder am östlichen Mittelmeer gemeint, v. a. die Küsten Kleinasiens, Syriens und Ägyptens. Seit spätestens 1383 gab es eine Mendel'sche Handelsgesellschaft. Die Familie Mendel gibt es heute nicht mehr, die Nürnberger Linie soll 1531 erloschen sein. In Gostenhof gibt es noch eine Mendel-Straße, die an Marquard Mendel erinnert.


Adam Kraft war ein bedeutender Bildhauer seiner Zeit und hinterließ viele bedeutende Werke in Nürnberg: Das Schreyer-Landauer-Epitaph (1492), das Sakramentshaus (1493/96), das Relief mit Christi Geburt (1498/99), das heute im Germanischen Nationalmuseum zu finden ist, zudem schuf er das Wappenrelief an der Kaiserstallung (1494/95), das Relief an der Unteren Waage (1497), das Portaltympanon (Tympanon: bes. im Kirchenbau des Mittelalters, das Bogenfeld über dem Türsturz eines Portals) an der Mauthalle (1498/99) und das Rebeck-Epitaph in der Frauenkirche (1500), die Erdrosselung der Beatrix in der Lorenzkirche (1500), die Giebelumgestaltung am Michaelschor der Frauenkirche (1506/08), die Kreuzwegstationen (heute im Germanischen Nationalmuseum) mit Kreuzigungsgruppe (heute im Heilig-Geist-Spital) und die Grablegung in der Holzschuherkapelle (1506/08). Als Werkstattarbeiten gelten der Ölberg an der Kartäuserkirche und das Tympanon des Portals im Südturm der Sebalduskirche (um 1504).

Teilen: