Die St. Jakobskirche in Nürnberg

Die St. Jakobskirche in Nürnberg

Die evangelisch-lutherische St. Jakobskirche geht auf eine erste Kapelle zurück, die noch vor dem Jahr 1200 auf königlichem Eigengebiet entstand. Sie gehörte zum gegenüberliegenden Königshof und war mit großer Wahrscheinlichkeit bereits damals dem Heiligen Jakob gewidment.
Die St. Jakobskirche wurde im Jahr 1209 von Kaiser Otto IV an den deutschen Ritterorden übergeben, der kurz zuvor eine Nürnberger Komturei eingerichtet hatte.

Sie liegt am Rande der Nürnberger City, im südwestlich gelegenen Jakoberviertel der Altstadt und ist der Ausgangspunkt für den mittelfränkischen Jakobsweg nach Rothenburg (s.u. Buchempfehlungen für den Jakobsweg in Franken).

Anfänglich als Spitalkirche erbaut, wurde die angeblich zu klein gewordene Kapelle 1283/90 abgerissen und durch eine neue Kirche ersetzt. Zum Ende des 14. Jahrhunderts war der Chor entsprechend seinem heutigen Aussehen im gotischen Stil umgebaut. Das Langhaus entstand nach 1400 in Gestalt eines einschiffigen Saalbaus. Gegen 1500 erfolgte eine grundlegende Umgestaltung, bei der das Langhaus um zwei Joche nach Westen verlängert und das Innere zu einer dreischiffigen Halle umgebaut wurde. 

Die Jakobskirche war bis 1632 mit dem gegenüberliegenden Ordenshaus des Deutschen Ritterordens durch einen gedeckten Laufgang verbunden. Anstelle der heutigen katholischen Pfarrkirche St. Elisabeth (1784 beg.) befand sich dort damals die Kapelle des Deutschordens-Spitals der hl. Elisabeth. Nach der Reformation blieb die Nürnberger Komturei des Ordens als kath. Enklave bestehen. 1810, gleich nach Aufhebung des Ritterordens durch Napoleon im Jahre 1809, wurde St. Jakob allerdings evang.-luth. Pfarrkirche.

Im Jahre 1824 erfolgten bauliche Umgestaltungen im neugotischen Stil durch Karl Alexander Heideloff (Architekt und Koservator, 1789 bis 1865).

Nachdem der Kuppelbau im Kriegsjahr 1943 durch Luftangriffe schwer beschädigt wurde (auch die mittelalterlichen Kapellen der Familien Dilherr und Egloffstein wurden komplett zerstört), entschloss man sich dazu, ihn in reduzierter Form nach dem Original wieder aufzubauen. Bei dem Aufbau der erst 1962 vollständig abgeschlossen war, wurden im Inneren jedoch einige Änderungen vorgenommen. So wurde der dreischiffige, gewölbte Saal durch einen sich selbst tragenden Saal ersetzt, d. h. es wurde auf die Langhausstützen verzichtet.

Benannt ist die St. Jakobskirche (wie viele andere mit gleichem Namen) nach dem Jünger Jakobus, dem Schutzpatron der Pilger und Reisenden, dessen Grab in Santiago de Compostella in der spanischen Provinz La Coruna liegt und zu einem der bedeutensden abendländischen Wallfahrtsorte zählt (Endstation des Jakobsweges).

Das Pilgern war im Mittelalter weit verbreitet und neben Jerusalem und Rom zählte Santiago de Compostella zu den wichtigsten Pilgerorten der Christen. Der eigentliche Jakobsweg beginnt in Spanien in Puente la Reina, d. h. ab hier gibt es nur noch einen Weg zum Grab des Heiligen. Auch in Franken wurden einige dieser alten Wege in jüngster Zeit wieder neu entdeckt und für Wanderer erkenntlich gemacht.

Hier zwei Buchempfehlungen, die den Jakobsweg in Franken beschreiben:

Auf dem Jakobsweg, Wander- und Kulturführer, Hrsg.: Fränkischer Albverein, Verlag Seehars, Uffenheim, 1995.
Jakobswege in Franken, unterwegs auf alten Pilgerpfaden, Sigrun Arenz, Nikola Stadelmann, Einhard Weirauch, Verlag ars vivendi, 2005.

Die Hauptsehenswürdigkeiten in der Kirche St. Jakob in Nürnberg, die während des Krieges ausgelagert waren und daher erhalten geblieben sind, sind im Nachfolgenden kurz beschrieben:

  • Der um 1370 entstandene Chor. An den Chorwänden stehen acht Sandsteinfiguren auf Konsolen, eine davon ist der Heilige Jakob.
  • Das Sakramentshäuschen (zum Aufbewahren einer heiligen Hostie) an der Nordwand.
  • Der mit Figuren bestückte, spätgotische "Zwölfbotenhochaltar" (die Gruppe des rechten Flügels wurde in den Jahren 1823/25 nachgeschnitzt) an der südlichen Stirnwand des Langhauses. Über dem Altar sieht man Maria und Johannes aus einer Kreuzigungsgruppe aus dem Jahre 1510; das Kreuz stammt aus dem Jahre 1030. Der Erschaffer war ein anonymer Nürnberger Meister. Er gilt als der älteste Nürnberger Altar, der noch an seinem ursprünglichen Bestimmungsort verblieben ist. Die Flügelmalereien stammen aus den Anfängen der gotischen Tafelmalerei in Nürnberg. Stifter waren zwei unbekannte Ritter des Deutschen Ordens, sie sind in der Kreuzigungsszene auf der rechten Außenseite abgebildet. Auch der Heilige Jakob ist als Patronatsheiliger dargestellt. Die Altarmitte ist verloren gegangen. Aus 1420 stammen die tönernen Apostel in der Predella (im späten Mittelalter und teilweise noch in der Renaissance der malerisch oder plastisch geschmückte Unterbau eines Altars), sie bildeten ehemals eine Abendmahlsgruppe, wobei die sechs fehlenden Apostel heute im Germanischen Nationalmuseum stehen.
  • Das Lindenholzepitaph der Familie Höltzel und Ehinger (ca. 1510) mit der Darstellung des jüngsten Gerichts (auf der gegenüberliegenden Seite des Altars).
  • Zudem erwähnenswert sind die prachtvollen Glasgemälde, besonders die Wurzel Jesse aus dem Jahr 1497 im südlichen Fenster.
  • An der Nordseite des Langhauses findet man den sogenannte Hagelsheimer Altar. Dieser Altar wurde von Sigmund I. und Leonhard II. Held, genannt Hagelsheimer, gestiftet. Es sind nur noch die Relieffiguren der Anna Selbdritt, Margaretha, Genoveva und Helena erhalten; sie stehen heute auf der Predella, die die Mariengeburt zeigt. Diese Figurengruppe stammt aus der Werkstadt von Veith Stoß und war einst in der Frauenkirche zu finden.
  • Zudem sehenswert sind die mit dem Ordenskreuz der Deutschen Ritter verzierten Grabsteine, sog. Aufschwörschilde, die anlässlich der Noviziatsaufnahme von Deutschordensrittern des 14. und 16. Jh. gestiftet wurden. Sie erinnern daran, dass die Kirche einst dem Deutschen Orden gehörte. Der Ritterorden hatte zum Heiligen Jakob als ritterlichen "Maurentöter" ein besonderes Verhältnis.
  • "Die Beweinung Christi" aus dem 15. Jahrhundert von einem anonymen Meister. Es zählt aber dennoch zu den Hauptwerken der Nürnberger Plastik. Die eindrucksvolle Gruppe ist gekennzeichnet von Trauer und Ergriffenheit.

Der Heilige Jakobus:
Der Heilige Jakobus war einer der zwölf Apostel Jesu. Er war der Bruder des Johannes und unter den ersten der Aposteln die Jesus nachfolgten, mit dabei. Er liegt heute der Legende nach in Santiago de Compostella begraben und wird dort als Heiliger verehrt. Ob er wirklich dort begraben liegt, ist nicht geklärt, es gibt jedoch zahlreiche Legenden darüber wie er nach Santiago gekommen ist.
Der Heilige Jakob soll nach Christi Tod in Samaria und Jerusalem, aber auch vorübergehend in Spanien, gepredigt haben. Im Jahre 44 n. Chr. wurde er von König Herodes Agrippina enthauptet. Nach seinem Tod wurde er der Legende nach in einem Kloster auf dem Sinai begraben. Während der Kreuzzüge wurden allerdings seine Gebeine vor den Sarazenen in Sicherheit gebracht und nach Spanien überführt. Eine andere Legende erzählt, dass er gleich nach seinem Tod von seinen Anhängern auf ein Schiff gebracht wurde, das ihn "von Engeln geleitet", nach Galizien brachte. Zudem ranken sich zahlreiche weitere Geschichten um seine Gestalt und den Ort Santiago de Compostella, der soviel bedeutet wie "Jakob vom Sternenfeld".
Die Kirche in Santiago de Compostella wurde erst im 9. Jahrhundert erbaut und man hatte dafür das Grab des Heiligen erst wiederfinden müssen. Eine andere Geschichte erzählt, dass Engel einem Einsiedler das Grab des Jakobus gezeigt haben. Eine weitere Legende rankt sich sogar um Kaiser Karl den Großen, dem der Heilige im Traum erschienen sein soll und ihn aufgefordert haben soll auf der "Sternenstraße" vom Friesischen Meer nach Galizien zu ziehen um den Weg zu seinem Grab von den Heiden zu befreien. Kaiser Karl tat dies und fand das Grab des Heiligen. In Spanien erzählt man sich zudem noch heute, dass Jakobus selbst im Jahre 843 in die Schlacht von Clavigo eingegriffen hätte und so den Sieg über die Mauren erreicht wurde, was ihm den Namen "Matamoros" (Maurentöter) einbrachte.
"Jakobus wird dargestellt als Apostel mit Buch oder Rolle, als Pilger mit Hut, Stab und Muschel, als Ritter mit Schwert und weißem Pferd. Er ist der Patron der Pilger und Wallfahrer, der Krieger, Lastenträger, Hutmacher, Wachszieher und Apotheker. Er ist zuständig für das Wetter und das Gedeihen der Äpfel und Feldfrüchte und hilft gegen Rheumatismus."

Adresse:
Kirche St. Jakob
Jakobsplatz
90402 Nürnberg
Telefon: 0911/ 20 91 43

Öffnungszeiten:
Montag bis Sonntag: 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr

Quellen:
Auf dem Jakobsweg, Wander- und Kulturführer, Hrsg.: Fränkischer Albverein, Verlag Seehars, Uffenheim, 1995.
Jakobswege in Franken, unterwegs auf alten Pilgerpfaden, Sigrun Arenz, Nikola Stadelmann, Einhard Weirauch, Verlag ars vivendi, 2005.
Baedeckers Nürnberg, Stadtführer von Karl Baedecker, Baedecker GmbH, 1986.
Stadtlexikon Nürnberg, herausgegeben von Michael Diefenbacher und Rudolf Endres, W. Tümmels Verlag, Nürnberg, 2000.

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