Die Märkte in Nürnberg - Märkte im "Alten" und "Neuen" Nürnberg

Der älteste Marktplatz mit Marktrecht in Nürnberg war der Milchmarkt. Er befand sich am heutigen Albrecht-Dürer-Platz und erstreckte sich entlang der Bergstraße. Er war seit 1258 als "forum lactis" bekannt. Hier wurden in erster Linie Milchprodukte und landwirtschaftliche Erzeugnisse verkauft. Weitere Märkte, die schon bis zur Mitte des 14. Jh. auf der Sebalder Stadtseite betrieben wurden, waren der Weinmarkt (forum vini), der Heumarkt (forum feni) und der Salzmarkt (forum salis).

Der auch heute noch so benannte und bekannte Hauptmarkt wurde zusammen mit dem Obstmarkt an der Stelle des alten Judenviertels in Nürnberg errichtet, das im Jahre 1349 zerstört wurde.

Der Hauptmarkt, der bis 1809/1811 als "Großer" bzw. "Grüner Markt" bekannt war, wurde im westlichen Teil, zwischen St. Sebald und Fleischbrücke, auch Herrenmarkt genannt und war nach Händlern oder Produkten in Untermärkte aufgeteilt.
So gab es den Wilbretmarkt, den Tauben- und Vogelmarkt und den Spanferkelmarkt. Getrocknete Fische und Krebse wurden nördlich des Herrenmarktes auf dem Fischmarkt verkauft, zudem am sogenannten "Krebsstock" im Südwesten des Hauptmarkts. Auf dem Obstmarkt gab es einen eigenen Heringsmarkt. Auf dem sogenannten "Bettelmarkt", der sich am "Großen Markt" befand, gab es getrocknete Kräuter zu kaufen und auf dem "Refmarkt" (benannt nach den sogenannten "Refen" (Tragekörbe der Händler) Schmalz, Eier Geflügel und auch Garn und Flachs. In der Nähe des Plobenhofes befand sich ein Buttermarkt. Im Südwesten des Hauptmarktes, sowie im Brothaus (im 14. Jh. durften Bäcker tagsüber kein Brot in ihrem eigenen Haus verkaufen, daher wurden Brotbänke, Brothäuser, auch Brotkrämen oder Brotlauben genannt, eingerichtet) und im Fleischhaus (in der südwestlichen Ecke des Hauptmarktes standen ursprünglich 73 Fleischbänke, deren Nutzung unter den Metzgern ausgelost wurde. Später kamen noch 19 dazu und auf dem Säumarkt wurden zusätzlich 32 Bänke für auswärtige Metzger eingerichtet) wurden Grundnahrungsmittel wie Brot und Fleisch verkauft.

Der Obstmarkt erstreckte sich von der Bischof-Meiser-Straße bis zur Theresienstraße. Da hier hauptsächlich frische und getrocknete Früchte angeboten wurden, nannte man ihn Obstmarkt. Darüber hinaus existierte hier der oben bereits erwähnte Heringsmarkt und weitere Sonderverkaufsbereiche wie der Weintraubenmarkt, der zwischen der Frauenkirche und der Obstgasse abgehalten wurde und der Mehl- und Gänsemarkt im Süden des Obstmarktes (ehemaliger Standort des Gänsemännchenbrunnens). Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte die Begradigung und Verbreiterung des Obstmarktes als Nord-Süd-Verkehrsachse wie wir ihn heute kennen.

Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass auf der Sebalder Stadtseite hauptsächlich die Verbrauchermärkte vertreten waren, während auf der Lorenzer Seite in erster Linie die Erzeugermärkte stattfanden: so der Ochsenmarkt vor dem Frauentor, wo sich der heutige Kornmarkt befindet, der Rossmarkt (heutige Adlerstraße), der Kornmarkt (heutiger Josephsplatz) und der Holz- und Kohlenmarkt (heutige Königsstraße bzw. Hallplatz).

Im Laufe der Zeit stieg die Zahl der Märkte mit steigender Bevölkerung und zunehmender Nachfrage weiter an. So wurde Getreide nicht mehr nur auf dem Kornmarkt, sondern auch auf dem Heumarkt, dem Milchmarkt und an der Stelle des heutigen Lorenzer Platzes verkauft. Gemüse wurde auch auf dem Jakobsmarkt verkauft und der Innere Laufer Platz wurde Lager- und Verkaufsplatz für Holz. Auf dem Platz des Säumarktes (zwischen Schleifersteg und Henkersteg) entstand zusätzlich auch ein "Tendel-" bzw. "Trändelmarkt", auf dem Alt- und Gebrauchtwaren, u. a. auch alte Kleider angeboten wurden. In den Jahren 1809/10 wurde er in Trödelmarkt umbenannt. Alte und ausgebesserte Schuhe wurden auf dem Altreußenmarkt (Flickschuster wurden auch Altreußen genannten) feilgeboten. Der Altreußenmarkt, der scherzhafter Weise bisweilen auch als "Leipziger Messe" bezeichnet wurde, befand sich an der Findelgasse zwischen dem Chor der Barfüßerkirche und dem Heilsbronner Hof. Hier gab es zudem den Hafen- oder Hafnersmarkt, der nach den Verkaufskrämen der Hafner benannt war.
Neben diesem Hafnersmarkt gab es darüber hinaus noch einen anderen Hafnersmarkt, der während des Oster- und Herbstmarktes auf dem Hauptmarkt (zeitweise auch auf der Insel Schütt) abgehalten wurde, auf dem auch die sogenannten " Landhafner" (auf dem Land sich befindende Töpfer) ihre Ware verkaufen konnten. Hafner oder Häfner war die süddeutsche Bezeichnung für Töpfer, also Hersteller von "Häfen",die in erster Linie flache Brat- und Kochpfannen herstellten.

Heute findet auf dem Hauptmarkt an Wochentagen der sogenannte "Grüne Markt" statt. Darüber hinaus gibt es weiterhin Sondermärkte, wie den Oster- und Herbstmarkt, den Christkindlesmarkt, den Trempelmarkt, den Töpfermarkt und den Spargelmarkt.

Zur Messestadt von internationalem Rang avancierte Nürnberg erst nach dem Zweiten Weltkrieg, wobei die Spielewarenmesse heute die bedeutenste Messe in Nürnberg ist, neben der Nürnberger Messe und der AFAG als weitere wichtige Messeveranstalter.

Der Messeplatz Nürnberg war regional allerdings schon im Spätmittelalter von Bedeutung: Es gab die Neujahrs- bzw. Dreikönigsmesse, die Oster- bzw. Heiltumsmesse und die Herbst- bzw. Egidienmesse. Der Christkindlesmarkt wahrscheinlich im frühen 17. Jh. dazu. Die 14 bis 16-tägige Neujahrsmesse, die immer am 6. Januar begonnen hatte, wurde allerdings ab dem Jahre 1873 - wahrscheinlich auch wegen ihrer zeitlichen Nähe zum Christkindlesmarkt - nicht mehr abgehalten. Der Ostermarkt, der seinen Ursprung in der Heiltumsweisung hat, findet heute allerdings immer noch 16 Tage vor dem Ostersonntag am Hauptmarkt statt, deren Heiltümer Reliquiensammlungen waren. In Nürnberg ging die Heiltumsweisung auf die Reliquiensammlung der Reichskleinodien zurück. Kaiser Karl IV hatte die Reichskleinodien aus Prag nach Nürnberg gebracht und ließ sie anlässlich der Taufe seines Sohnes und Nachfolgers Wenzel am 11. April 1361 zum ersten Mal vom Umgang der Vorhalle der Frauenkirche aus dem Volk weisen. Das Fest der Heiligen Lanze (die älteste Reliquie des Reichsheiltums) kam also ursprünglich aus Prag, wo es am zweiten Freitag nach Ostern statt fand. In Nürnberg wurde der 11. April der Tag der Weisung. Der Ort der Weisung wurde der damalige Fischmarkt (heute Hauptmarkt), der nicht weit von der Heilig-Geist-Kirche, dem Aufbewahrungsort der Reichskleinodien, entfernt war.

Die Herbst- oder Egidienmesse, die jeweils am 1. September begann, war die erfolgreichste der drei ursprünglichen Messen in Nürnberg und man versucht heute im Rahmen des Altstadtfestes diese Tradtion wieder zu beleben.

Im katholischen Deutschland wurden die Geschenke für die Kinder vom Heiligen Nikolaus und dem Heiligen Martin gebracht. Der Reformator Martin Luther übertrug diese Aufgabe allerdings dem Christkind. So dass allmählich immer mehr Geschenke in der Vorweihnachtszeit gekauft wurden, und sich gegen Ende des 16. und zu Beginn des 17. Jh. der Christkindlesmarkt entwickelte, der ursprünglich "Kindleinsmarkt" hieß, weil er hauptsächlich dazu da war, Geschenke für die Kinder zu kaufen.
Einige Wochen vor dem Fest wurde auf der Fleischbrücke der "Kleine Kindleinsmarkt" abgehalten und ab dem 4. Dezember (dem Barbaratag) der "Große Kindleinsmarkt" zwischen den langen Krämen und dem Hauptmarkt. Im Laufe der Jahrhunderte wurde er an den unterschiedlichsten Standorten abgehalten (Vordere Insel Schütt, Prinzregentenufer, Räume des alten Verkehrsmuseums in der Norishalle) bis er während der NS-Zeit wieder am Hauptmarkt stattfand. Aus dieser Zeit stammt auch der Brauch, dass ein Rauschgoldengel zur Eröffnung einen Prolog hält. Nach 1945 wurde der Christkindlesmarkt in bescheidener Form auf dem Veit-Stoß-Platz in Gostenhof abgehalten, ein Jahr später am Frauentorgraben und seit 1948 wieder am Hauptmarkt. Seit 1973 findet die Eröffnung des Christkindlesmarkt offiziell am letzten Freitag vor dem 1. Advent durch ein von einer Jury ausgesuchtes Christkind (Rauschgoldengel) statt.

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