Gräflich von Faber-Castell’sches Schloß - Schloß Stein bei Nürnberg

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Die Schlossanlage besteht aus zwei zu verschiedenen Zeiten errichteten Baukomplexen: dem „Alten Schloss“ und dem „Neuen Schloss“. Das ältere ließ Lothar von Faber im Stil der Frührenaissance erbauen. Lothar von Faber verkörperte die vierte Generation des Familienunternehmens. Nach dem unerwartet frühen Tod seines einzigen Sohnes Wilhelm bestimmte Lothar von Faber seine älteste Enkelin Ottilie zur Erbin des Vermögens. Die Heirat von Ottilie Freiin von Faber mit Alexander Graf zu Castell-Rüdenhausen im Jahre 1898 führte zu dem heutigen Familiennamen Faber-Castell. Die Familie bewohnte bis 1939 das „Neue Schloss“, danach wurde es von der Deutschen Wehrmacht beschlagnahmt. Nach 1945 diente das Schloss als Pressecamp während der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse und als Offiziersclub der amerikanischen Armee bis 1953. Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell, Enkel Graf Alexanders und heutiger Chef des weltweit agierenden Unternehmens Faber-Castell AG, erweckte das Stammschloss seiner Vorfahren aus seinem 30-jährigen „Dornröschenschlaf“. Heute wird das „Neue Schloss“ für unterschiedliche Zwecke genutzt.

Anschrift:
Schloß Faber Castell in Stein
Nürnberger Strasse 2
D-90546 Stein

Das Schloss samt den Werksanlagen von A.W. Faber-Castell

Friedrich Bürklein, Baumeister von König Max II.
Friedrich Bürklein, der Hofbaumeister König Max II. von Bayern, war in der „Königlichen Eisenbahnbau-Kommission Nürnberg“ seit 1844 für die Hochbauarbeiten entlang der gerade entstehenden Ludwigs-Süd-Nord-Bahn zuständig. In seiner Nürnberger Zeit traf Bürklein mit dem Unternehmer Lothar von Faber zusammen, der ihn mitdem Bau einer Villa beauftragte. Seit 1844 geplant und im Jahr 1848 fertiggestellt, schuf Friedrich Bürklein mit der Villa den ersten repräsentativen Wohnsitz des aufstrebenden Unternehmergeschlechts. Die äußere Gestaltung wies charakteristische Elemente der gleichzeitig entstandenen Münchner Wohnbauten Bürkleins an der Maximilianstraße auf. Das abwechselnd aus rötlichen und gelben Sandsteinquaderschichten bestehende Mauerwerk sollte in annähernd gleicher Weise später an der Münchner Bahnhofsfassade Anwendung finden.
Als Villa geplant und gebaut, später von Lothar von Faber banal als Wohnhaus tituliert, wird es nach dem Bau des „Neuen Schlosses“ gemeinhin als „Altes Schloss“ bezeichnet.
Ein für Graf Alexander seit seiner Kindheit geläufiger Terminus – denn auch in Rüdenhausen standen damals das „Alte“ und „Neue“ Schloss, in dem er geboren war, nebeneinander in einer weitläufigen Parkanlage.

Nur ein Anbau?
1903 begannen Alexander Graf von Faber-Castell und Ottilie Gräfin von Faber-Castell mit dem Bau des „Neuen Schlosses“. Graf Alexander wünschte eine repräsentative, großzügige Anlage, die sowohl seiner eigenen geschichtsträchtigen Herkunft wie auch der hohen gesellschaftlichen Stellung der jungen gräflichen Familie gerecht werden sollte. Graf Alexander ließ das „Neue Schloss“ nicht in das Parkgelände, sondern direkt anschließend an das „Alte Schloss“ bauen. Dies sollte wohl – als Anspielung auf die alte, bis ins 11. Jahrhundert zurückreichende Familie Castell – den Eindruck
einer gewachsenen Anlage erwecken. Zusätzlich erwies sich schon aus technischen Gründen ein direkter Anbau praktischer – auch die gewünschte optische Verbindung der Fabrikanlage mit dem Wohnsitz des Fabrikherren blieb so erhalten. Graf Alexander beauftragte den damaligen Oberbaurat und Direktor des Bayerischen Gewerbemuseums, Theodor von Kramer, mit der Planung des neuen Schlosses. Nach mehreren Vorentwürfen erfolgte am 5. Dezember 1903 die feierliche Grundsteinlegung. Dank der äußerst zügigen Bautätigkeit wurde das „Neue Schloss“ schon 1906 vollendet, und der Anbau überragt seitdem das „Alte Schloss“.

Stumme Zeugen in Bleistift
Derzeit befinden sich in dem Faber-Castell’schen Archiv noch rund 700 der vormals 1.016 Planzeichnungen – die Mehrzahl davon zur Innenausstattung – als stumme Zeugen des imposanten Schlossneubaus.
Der Anbau erstreckte sich über drei Flügel, ergänzt durch Wintergarten, Palmenhaus und Schlosskapelle. Das Bauvolumen, die Kostbarkeit und Qualität des Rohmaterials sowie die Exklusivität des Ganzen beeindrucken bis heute.

Individuelle Schöpfung
Das „Neue Schloss“, Wohnsitz der gräflichen Familie und Widerspiegelung ihres Standes sowie ihres Lebensstils, diente selbstverständlich auch zur Repräsentation seiner Bewohner und des Unternehmens. Eine mittelalterlich anmutende Fassade mit romanisierenden Bögen und Säulen, Fachwerkelementen, Rund- und Ecktürmen gibt die Vorstellung von ritterlicher Vergangenheit wider. Die Einbindung des „Alten Schlosses“ führte zu einer gelungenen Einheit der gesamten Schlossanlage. Die Raumaufteilung vom Kinderspielzimmer über unterschiedliche Herren- und Damenzimmer, Musikzimmer, Empfangssalon, Speisezimmer, Herren- und Damenbibliothek, gräfliches Schlafzimmer mit Bädern, mehrere Hallen bis hin zu dem großzügigen Ballsaal mit anschließendem Speisesaal und Musikempore entsprach ganz den Wünschen von Graf und Gräfin von Faber-Castell. Innenraumgestaltung und Interieur zeugen von der hohen handwerklichen Qualität und Sorgfalt, mit der die Gestaltung des Faber-Castell’schen Schlosses bis ins letzte Detail durchdacht und ausgeführt wurde. Nur Künstler, Innenarchitekten und Werkstätten höchsten Ranges waren mit dieser Aufgabe betraut.

Eine der eindrucksvollsten Kompositionen von Farbe, Form und Material im Faber-Castell’schen Schloss ist das Haupttreppenhaus.
Besonders hervorzuheben ist der Münchner Maler, Zeichner, Kunstgewerbler und Innenarchitekt Bruno Paul, der um die Jahrhundertwende entscheidend den Aufbruch zu einem neuen Lebensstil mitprägte. Drei repräsentative Räume entwarf der damals 25-jährige Bruno Paul für das „Neue Schloss“: Empfangssalon, Herrenzimmer und das sogenannte Zitronenzimmer. Ausgeführt wurden die Pläne von den „Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk“, die Paul 1898 zusammen mit den berühmten Künstlern Richard Riemerschmidt, Bernhard Pankok und Peter Behrens gründete.

Herr des Hauses

Der Tradition und dem Lebensstil des Casteller Adelsgeschlechts fühlte sich Graf Alexander verpflichtet, auch wegen der Veränderungen, die seine Heirat mitsichbrachte. Laut testamentarischer
Verfügung Lothar von Fabers sollte der Name Faber dem Unternehmen für alle Zeiten erhalten bleiben. 1898 erhielt das Paar die Erlaubnis des bayerischen Prinzregenten, ihre Namen in „Graf und Gräfin von Faber-Castell“ zu verbinden. Damit entstanden eine „neue“ aristokratische Linie und die neue Firmenbezeichnung „Faber-Castell“. Besitz und Rechtsnachfolgerin nach Lothar von Fabers Tod 1896 wurde zunächst dessen Witwe Ottilie; nach deren Ableben 1903 ging das Unternehmen an ihre gleichnamige älteste Enkeltochter und deren Ehemann über. Graf Alexander, schon seit 1900 Teilhaber der Firma, leitete die Geschäfte de facto ohne seine Frau. Als Rittmeister à la suite der Bayerischen Kavallerie hatte er sich erstaunlich rasch in seine neuen Aufgaben eingearbeitet. Seinem Führungsstil entsprechend kam es zu einer Trennung zwischen der Unternehmerfunktion Graf Alexanders und der Managerfunktion seiner leitenden Direktoren. Eine Aufgabenteilung, die die Grafen zu Castell bei der Leitung ihrer Besitztümer schon seit Jahrhunderten so gehandhabt hatten. Auch eine räumliche Distanzierung bevorzugte Alexander Graf von Faber-Castell; so war er selten in der Fabrik und bat seine Führungskräfte zu Besprechungen in das Arbeitszimmer seines Schlosses.
Die Absicht des Grafen, das Schloss in seine unternehmerische Tätigkeiten zu integrieren, zeigt auch die vorausschauende Aufteilung der Räumlichkeiten. Für kurze Besuche und Einladungen standen Garderobe, Empfangssalon, Esszimmer, das sogenannte Kirschbaumzimmer als Rauch- oder Spielzimmer, die beiden Bibliotheken sowie ein kostbar ausgestattetes Musikzimmer im Erdgeschoss zu Verfügung.

Das Schloß als Werbesymbol
1905 entwickelte Alexander Graf von Faber-Castell die bis heute berühmte grüne Bleistiftfamilie „Castell“. Den Namen „Castell“ und die Vignette eines Schlosses setzte Graf Alexander als Symbole seiner adeligen Herkunft bewusst zur Kennzeichnung seiner Spitzenprodukte ein. Für die damaligen Werbekampagnen wurden zudem gezielt Schloss- und Rittermotive kreiert. Das Thema der zwei kämpfenden Ritter mit ihren Bleistiftlanzen etablierte sich als Teil des Firmenlogos und die grüne Regimentsfarbe Graf Alexanders als Hausfarbe. Mit der einmaligen Verbindung seiner Person, seiner Herkunft und seines Schlosses zu den Firmenprodukten schuf Graf von Faber-Castell ein beziehungsreiches Firmenimage mit einem durchdachten „Marketingkonzept“, das ihn als klugen und anspruchsvollen Geschäftsmann auszeichnete.

Eine Zierde in ihrem Haus
Im ersten Obergeschoss des Faber-Castell’schen Schlosses befanden sich die Zimmersuite von Gräfin Ottilie, gegenüberliegend mehrere Kinderzimmer sowie das gräfliche Schlafzimmer mit den daran anschließenden Bädern. Zu Repräsentationszwecken und als private Salons standen Ottilie drei Damenzimmer zur Verfügung. Gemalte Deckenkassetten mit Tierkreiszeichen gaben dem Monatszimmer seinen Namen. Die beiden anderen Räume offenbaren im Nachhinein vielleicht auch die unterschiedlichen Charakterzüge Ottilies: Eine in der Tradition verhaftete Gräfin im klassischen Louis-seize-Salon und eine moderne, selbstbewusste, in gewissem Sinn emanzipierte Frau im Zitronenzimmer, das vergleichsweise schlicht, forschrittlich und „modern“ von Bruno Paul gestaltet war. 1897 erhielt Gräfin Ottilie von ihrer Mama den praktischen Ratgeber „Mein Haus, mein Stolz … für alle, die ihr Heim einrichten und Geselligkeit pflegen wollen“ – viele Vorschläge und Anregungen daraus wurden beim Bau des Schlosses verwirklicht. Bei all den Kostbarkeiten und künstlerischen Details – die schönste Zier war Gräfin Ottilie, deren Eleganz und Anmut dem „Neuen Schloss“ zusätzlichen Glanz verlieh.

Elisabeth, Mariella, Irmgard und Roland
Graf und Gräfin von Faber-Castell bekamen in etwas mehr als sechs Jahren fünf Kinder, wobei ein Sohn, Wolfgang Lothar, im Alter von acht Monaten starb. Elisabeth, Mariella, Irmgard und der spätere Firmenerbe Roland wurden von Gouvernanten und Tutoren erzogen. Die Liebe und Zärtlichkeit, die Graf und Gräfin von Faber-Castell für ihre Kinder empfanden, werden auch in der Ausgestaltung ihrer Zimmer im ersten Obergeschoss sichtbar. Neueste Empfehlungen architektonischer Ratgeber für kindgerechtes Wohnen wurden im Schloss umgesetzt. Farbenfrohe Malereien schmücken die oberen Wandabschnitte des Spielzimmers. Abgerundete Ecken bei dem eigens entworfenen Kindermobiliar, weicher blumenbedruckter Linoleumbelag, Schutzgitter vor den Fenstern sowie eine moderne Hausapotheke zur Säuglingspflege zeugen von Funktionalität, Hygiene und Sicherheit.

Poseidon einen Delphin reitend
Die allseitige Aufgeschlossenheit Graf Alexanders für die Moderne zeigen die großzügig angelegten Badezimmer. Herren- und Damenbad, neben dem gräflichen Schlafzimmer gelegen, sind einzigartige Zeugnisse und zählen zu den Kostbarkeiten des Schlosses. In diesen Räumen, im unteren Wandbereich marmorverkleidet, darüber mit farbig gefasstem Stuck und mythologischen Mosaikmotiven verziert, wurde die damals modernste Sanitärtechnik verwendet. Freistehende Heizungsgestänge zum Wärmen von Bademänteln und -tüchern gehörten ebenso dazu wie Rückenstrahldüsen in den eingesenkten Marmorwannen beider Bäder. Eine Besonderheit sind zudem die rundum angebrachten Seitenstrahlbrausen in der Dusche des Herrenbades. Aufschlussreich ist das Nebeneinander von einfachen technischen Formen, die Sachlichkeit und Zweckmäßigkeit manifestieren sollten, und Verzierungen, die noch dem historistischen Zeitgeist verhaftet waren.

Handwerk & Design
Qualitätsanspruch, besonderes Design sowie die Funktionalität der Faber-Castell-Produkte finden sich in der Planung und Ausgestaltung des Schlosses wieder. Mit großer Sorgfalt wurde jeder Raum speziell auf seine spätere Nutzung hin entworfen. Die bekanntesten Künstler und Handwerker setzten die hohen Ansprüche Graf Alexanders und Gräfin Ottilies um. Es entstand eine spannende und einzigartige Gestaltungsvielfalt – deutlich zu erkennen an den Flügeltüren der gräflichen Räume, den eigens entworfenen Beleuchtungskörpern und den aufwändigen Einlegearbeiten.

„ … dadurch, daß ich das beste mache, was überhaupt in der Welt gemacht wird.“ – Lothar von Fabers Qualitätsanspruch
war maßgebend für Graf Alexanders Tätigkeiten und schloss zu seiner Zeit auch eine verstärkte, sinnvolle Öffnung für die Moderne ein. Die Epoche des patriarchalen Fabrikbesitzers Lothar war vorbei.
Neben einer selbstständig handelnden Geschäftsführung – von Graf Alexander allerdings streng beaufsichtigt – wurden für Entwicklung und Fertigung vermehrt Fachkräfte herangezogen. Notwendige bauliche Erweiterungen der stetig wachsenden Bleistiftfabrik veranlasste Graf von Faber-Castell in den Jahren 1911 und 1925.

Im festlichen Glanz
Entgegen dem Zeitgeist lagen die Repräsentationsräume für große Anlässe im zweiten Obergeschoss. Gobelin-, Ball- und Speisesaal strahlten im festlichen Glanz. Gräfin Ottilie und Graf Alexander richteten ihrem Stande entsprechend aufwändige Feste aus. Zu ihren Gästen zählten die Vornehmsten der Gesellschaft, auch der Nachfolger des bayerischen Märchenkönigs, Prinzregent Luitpold. Große Empfänge, Maskenbälle und Tanzveranstaltungen beanspruchten mehrere Dutzend Dienstboten, eine Musikkapelle, zusätzliche Köche und Kutscher. Prachtvoll geschmückt ist der weiße Gobelinsaal mit Tapisserien auf den mit roten Stofftapeten bezogenen Feldern und einem polychromen, reich golden stuckierten Tonnengewölbe. Durch den Gobelinsaal, der als Ruhe- und Konversationsraum diente, gelangten die Gäste in den Ballsaal.

Platinstaub und Perlstäbe
Krönung des Ballsaals ist der Stuckplafond, der mit seinen dynamisch verschlungenen Elementen den Rhythmus und die Bewegung des Tanzes und der Musik aufnahm. Blüten- und Blattornamente, Perlstäbe, Schuppenfelder und abstrakte Formen mit Auflagen aus Gold, Silber und Platinstaub unterstreichen die energischen Bewegungen. Fünf Lüster aus geschliffenem Kristall mit Kelchblüten und Perlenbehang schmücken zusätzlich den Saal. Ecknischen, sogenannte „Poussiernischen“, und die Wandpaneele des Ballsaals sind aus Nussbaum mit großzügigen Einlegearbeiten aus Nusswurzelholz, Mooreiche, gebeizter Eiche und Perlmutt. Ball- und Speisesaal verbindet eine reich geschnitzte Musikempore aus Nussbaum mit Marmorreliefs musizierender Engel und tanzender Putti nach Renaissancevorbildern. Die Entwürfe für den Gobelin- und Ballsaal stammen von Theodor von Kramer.

Wachgeküsst ...

Das „Neue Schloss“ diente bis 1939 als Wohnsitz der Familie. Nach Besetzung durch die deutsche Wehrmacht und die Alliierten fiel das Schloss seit 1953 in einen dreißigjährigen Dornröschenschlaf. Durch umfangreiche Restaurierungsarbeiten in den letzten Jahren ist der Originalzustand der Außen- und Innenarchitektur sehr gut erhalten.

... mit neuem Leben erfüllt

Im neuen Jahrtausend wird das „Neue Schloss“ auch für eine breite Öffentlichkeit zugänglich durch Führungen und Veranstaltungen im Rahmen der geplanten „Erlebnismeile Faber-Castell“. Eine weitere Belebung erfährt es als Kulisse für festliche Anlässe, ausgewählte Gastveranstaltungen sowie für Ausstellungen.

Geschichte
816 wird in der Gründungsurkunde des Benediktinerklosters Megingaudshausen erstmals der Name Castell erwähnt. 241 Jahre später, 1057, erscheint in einer Würzburger Bischofsurkunde
ein Edelfreier „Ruopreth“, dessen Familie sich ab 1091 nach dem Ort am Rand des Steigerwaldes „de Castello“ nannte.
Der Grafentitel der Casteller ist seit 1202 nachzuweisen, seit 1228 auch als „Dei gratia“ – von Gottes Gnaden – legitimiert.
Die Grafen besaßen ein ausgedehntes, reichsunmittelbares Territorium und trugen die politische Verantwortung für die Grafschaft Castell, bis diese 1806 bayerisch wurde. 1266 werden die ersten Castell’schen Weinbergslagen urkundlich erwähnt. 1774 wird die Gräflich Castell-Remlingen’sche Landes-Credit-Casse gegründet – heute als Fürstlich Castell’sche Bank, Credit-Casse die älteste Bank Bayerns. Durch Erbteilung entstehen 1597 die etwa zwei Jahrhunderte lang nebeneinander bestehenden Linien Castell-Remlingen und (Alt-) Castell-Rüdenhausen, bis letztere 1803 in der 5. Generation ausstirbt. Der ganze Besitz fällt an zwei Remlinger Brüder,worauf erneut zwei Linien entstehen, die bis heute existieren: Castell-Castell und (Neu-)Castell-Rüdenhausen. 1901 erhebt Prinzregent Luitpold die Grafen Friedrich Carl zu Castell-Castell (1868-1923) und Wolfgang zu Castell-Rüdenhausen (1830-1913), den Vater von Graf Alexander, in den erblichen Fürstenstand.
Als sich 1761 der Schreiner Caspar Faber (1730-1784) in Stein vor den Toren Nürnbergs mit einer kleinen Bleistiftproduktion selbstständig macht, legt er den Grundstein für das heutige Unternehmen Faber-Castell. Nach seinem Sohn Anton Wilhelm Faber (1758-1819) heißt das Unternehmen in der 2. Generation „A.W. Faber“. Unter Anton Wilhelm blüht der kleine Handwerksbetrieb auf, wogegen die 3. Generation unter Georg Leonhard Faber (1788-1839) in politisch und wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht verhindern kann, dass die Geschäfte stark zurückgehen. Nach dem Tod seines Vaters Georg Leonhard übernimmt Lothar von Faber (1817-1896) die Bleistiftfabrik. In Anerkennung seiner wirtschaftlichen und sozialen Verdienste erhält er 1862 den persönlichen Adel verliehen, 1881 wird er in den erblichen Freiherrnstand erhoben, 1865 zum lebenslänglichen und 1889 zum „Erblichen Reichsrat der Krone Bayerns“ ernannt. Lothar von Faber gilt als der Vater des modernen Qualitätsbleistifts. Mit seinen qualitativ hochwertigen Produkten baute er das Unternehmen international aus – die Bleistiftindustrie ganz Deutschlands blühte unter ihm auf. Durch die Kennzeichnung seiner Produkte
mit „A.W. Faber“ schuf er den ersten Markenbleistift der Welt. Wilhelm von Faber (1851-1893), einziger Sohn von Lothar und seiner Frau Ottilie (1831-1903), war der Vater von Freiin Ottilie – der späteren Gräfin von Faber-Castell.

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