Weinmarkt und Praun'sches Haus in Nürnberg

Den einstigen Weinmarkt findet man auch heute noch - zumindest dem Namen nach - in der Sebalder Altstadt. Er erstreckt sich heute von der Winklergasse bis zur Weißgerbergasse und reichte ursprünglich bis südlich in die Karl- und Winklerstraße hinein. Der Name wurde auch nach der Verlegung des Weinhandels im Jahre 1611 auf den heutigen Maxplatz beibehalten.

Belegt ist ein "Forum Vini" seit 1286. Der sogenannte "rheinische Weinmarkt" wurde seit 1527 auf dem ehemaligen Sebalder Kirchhof südlich der Sebalduskirche abgehalten, also dem heutigen Weinmarkt. Er war Umschlagplatz u.a. für Deutsche Weine vom Main, Neckar, Rhein und der Tauber. Im Leistenkeller und im Weinstadel wurden nicht verkaufte Weine gelagert.

Zu reichsstädtischen Zeiten war Wein das wahrscheinlich am stärksten obrigkeitlich überwachte Handelsprodukt überhaupt. In erster Linie wohl wegen der Steuer, die für den Wein als Ungeld (indirekte Steuer, die damals auf bestimmte Nahrungsmittel erhoben wurde) bezeichnet wurde, aber auch wegen der Überwachung des korrekten Handelsablaufes. So durfte Wein nur direkt vom Fuhrwagen herunter verkauft werden und es gab einen eigenen sogenannten "Hüter am Weinmarkt", der über den reibungslosen Güterverkehr wachte. Vor dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) waren es bis zu 100 Fuhrwerke an einem Tag.

Unverkaufter Wein musste in den Weinniederlagen eingelagert werden (seit spätestens 1432 im Keller unter dem Tuchhaus und seit ca. 1571 im Weinstadel). Die Lagerhaltung in der Reichsstadt, auch zollrechtlich von Bedeutung, wurde wiederum vom Niederlagamt zusammen mit einer Deputation des Inneren Rates beaufsichtigt. Der Amtsmann des Niederlagamtes war auch dem Ungeldamt unterstellt und musste über Lagerbestände und Einnahmen Buch führen. Jeden Samstag musste er dem Ungeldamt mitteilen wie viel und an wen er Wein verkauft hatte und vier Mal im Jahr musste er darüber hinaus seine Einnahmen mit dem Losungsamt (oberste Finanzbehörde für den Haushalt der Reichsstadt Nürnberg) abrechnen, was von der "Deputation zum Wein" zusätzlich noch einmal kontrolliert wurde.

Sogenannte "Weinkieser" und "Visierer" mussten sowohl für den auswärtigen als auch den innerstädtischen Weinhandel von den Weinhändlern engagiert werden. Weinkieser, auch Euterer oder Weinversucher, -schätzer oder -probierer genannt, waren für die Qualitätsprüfung des Weines zuständig, um Weinverschnitt oder Weinpanschen zu unterbinden. Die Visierer, die auch beim Bier-, Branntwein-, Met- und Essighandel tätig waren, hatten dafür zu sorgen, dass die Mengenangaben stimmten, denn es gab noch keine amtlich beglaubigten Fassgrößen, so dass jedes Fass einzeln ausgemessen werden musste. Darüber hinaus durften nur die sogenannten "Schröter" am Weinmarkt selbst und beim innerstädtischen Transport tätig werden. Die Schröter  waren die "Lader" am Weinmarkt und beim innerstädtischen Weintransport, d.h. sie be- und entluden die Karren und lagerten die nicht verkauften Weinfässer ein.

Wenn ein neues Weinfass angezapft wurde, mussten sowohl Privat- als auch Wirtsleute einen "Anstecher" beauftragen, denn sie durften die Fässer nicht selbst anstechen. Zudem durfte Wein öffentlich nur in konzessionierten Weinschenken getrunken werden, für die es ebenfalls spezielle Verordnungen gab.

Wein war - ebenso wie Bier - zur damaligen Zeit nicht nur ein Genussmittel, sondern auch ein wichtiges Grundnahrungsmittel, denn die Trinkwasserqualität war nicht gerade die Beste, daher wahrscheinlich auch die vielen Reglementierungen.

Erwähnenswerte Gebäude am Weinmarkt sind die Hausnummer 6, das ehemalige Praun'sche Stiftungshaus, das bis 1801 Aufbewahrungsort des Praun'schen Kunstkabinetts war und die Hausnummer 14/16, das Hotel "Zum Roten Ross", das einst als erste Adresse Nürnbergs galt.

Das Praun'sche Kunstkabinett wurde von Paulus II. v. Praun (1548-1616) in Italien (Bologna) besessen (im 16.Jh. lag der Schwerpunkt der Geschäfte der Patrizierfamilie von Praun in Bologna und im Handel mit Seidenstoffen) und bis zu seinem Tode größtenteils abgeschlossen. Es durfte laut Testament nicht veräußert werden und so wurde es nach Nürnberg gebracht und im späteren Praun'schen Stiftungshaus (Weinmarkt 6) untergebracht und ausgestellt. Das Praun'sche Kunstkabinett war die bedeutendste und größte Nürnberger private Kunstsammlung und umfasste etwas 10.000 Objekte, wie Bilder (ca. 250 Arbeiten deutscher und italienischer Künstler), Zeichnungen (ca. 600 Blätter v.a. deutscher und italienischer Künstler aus dem 16.Jh.), ca. 6.000 Kupferstiche (darunter das gesamte druckgrafische Werk Albrecht Dürers) und etwa 300 Skulpturen. Zudem hatte Paulus II. v. Praun seiner Sammlung noch etliche Bücher, Münzen, Steine und Edelsteine hinzugefügt. Eine kleinere Raritätensammlung, die ebenfalls dazu gehörte, war jedoch weniger bedeutend. Neben vielen anderen Besuchern besichtigte auch Johann Wolfgang v. Goethe die Ausstellung im Jahre 1797. Allerdings hatte zu dem Zeitpunkt die Familie bereits beschlossen die Sammlung zu veräußern. Bereits 1772 hatte der Jurist und Historiker Christoph Gottlieb v. Murr mit der Erstellung einer Inventarliste begonnen, so dass im Jahre 1801 die gesamte Sammlung an den Kunsthändler Johann Friedrich Frauenholz und seine Partner übergeben wurde, die die Druckgrafiken, einen Teil der Zeichnungen und die Bücher in Wien versteigerten. Ein Teil der Druckgrafiken wurde von Herzog Franz Friedrich Anton von Sachsen-Coburg-Saalfeld ersteigert und befindet sich heute im Kupferstichkabinet der Veste Coburg. Die Zeichnungen wurden fast komplett von Fürst Miklos Esterhazy (1765-1833) aus Ungarn ersteigert und befinden sich heute im Museum der Bildenden Künste in Budapest.

Im Jahre 1895 wandelten Friedrich, Eberhard, Sigmund und Alexander v. Praun das Vermögen der Familie, das Clara und Karoline v. Praun hinterlassen hatten (v.a. Grundbesitz in Almoshof) in eine Familienstiftung um. Sie wurde nach dem Vater der beiden Frauen Friedrich von Praunsche Familienstiftung benannt und wurde als "milde Stiftung" von Seiten des bayerischen Staates bestätigt, d.h. die Stiftung unterstützt die Erziehung und Ausbildung von Familienangehörigen und bedürftige Witwen und Waisen.

Die Wurzeln der Patrizierfamilie von Praun reichen bis in das Jahr 1383 zurück, als sich ein gewisser Fritz Praun in Nürnberg ansiedelte. Nach eigenen Angaben stammte die Familie aus einem "ritterlichen Zürcher Geschlecht". Ihr Aufstieg als bedeutende Fernhändler begann im 15. Jh. mit Hans I. Praun (1432-92). Sie handelten mit Gewürzen, Zitrusfrüchten, Edelmetallen, Metallwaren, Stoffen, Textilien, Glaswaren und Büchern. Im 16. Jh. lag der Schwerpunkt auf dem Handel mit Seide, der allerdings 1626 eingestellt wurde als die Familie in Bologna Probleme mit der Inquisition bekam. Seit 1474 war die Familie im Genanntenkollegium vertreten, die Gerichtsfähigkeit wurde ihnen im Jahre 1730 zuerkannt und 1788 wurden sie als Patrizier aufgenommen, sie schickten allerdings keinen Vertreter in den Inneren Rat. Seit 1813 zählten sie zum einfachen bayerischen Adel. Eine Straße in Schoppershof erinnert an die Patrizierfamilie von Praun.

Der Gasthof "Zum Roten Ross" wurde erstmalig im Jahre 1541 als "Wirtsbehausung" erwähnt und bereits im Jahre 1552 als "Rotes Rößlein" bezeichnet. Im Jahre 1685 erweiterte der damalige Wirt Zacharias Wölker das Anwesen, indem er das heute noch erhaltene "Prinkmännische Eckhaus" (Weinmarkt 12a) als Unterbringung für Gäste mit anschloss. Ein Jahrhundert später zählten so berühmte Leute wie Blanchard (erster Ballonfahrer) im November 1787, Kaiser Leopold II. am 18./19. Oktober 1790 und Johann Wolfgang von Goethe (15. März. 1790) zu den Gästen des Hauses. Während der französischen Besetzung wurde "Das Rote Ross" Hauptquartier der französischen Truppen (August 1796) und Anfang des 19. Jh. tagte die Gesellschaft Harmonie (Lesegesellschaft) regelmäßig darin. Im Jahre 1887 musste der bis dahin zur Bierwirtschaft gewordene Gasthof ganz schließen. Ein Hauptgrund dafür war wohl der Bau des heutigen Hauptbahnhofs, der den Rückgang des Übernachtungsgewerbes auf der Sebalder Stadtseite zur Folge hatte. Im Jahre 1901 entstand ein historischer Neubau auf dem Platz der Nr. 14, das Café Sebald, das nach 1945 als "Gunzenhausener Bräustübl" wieder eröffnet wurde.

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