Der Behaim-Globus in Nürnberg

Copyright: Germanisches Nationalmuseum Nürnberg

Der Behaim-Globus ist der älteste existierende und bekannte Erdglobus der Welt. Seine Fertigung wurde im Jahre 1491 von Martin Behaim (1459 bis 1507) veranlasst. Also vor der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus im Jahre 1492.

Martin Behaim wurde in Nürnberg geboren, lebte aber seit 1476 in Mecheln in Flandern (Beginn der Ausbildung zum Tuchhändler), ab 1478 in Antwerpen (Fortsetzung seiner Ausbildung). In den Jahren 1482/83 hielt er sich vorübergehend wieder in Nürnberg auf und wurde prompt eingesperrt, weil er während der Fastenzeit getanzt hatte. Ab 1484 wieder in Antwerpen, verlagerte er ab 1485 seinen Lebensmittelpunkt nach Portugal, wo er am 18. Februar zum Ritter geschlagen wurde. Vor 1489 heiratete er Joana de Macedo (Tochter des Gouverneurs der Azoreninsel Fayal und Pico, Joost de Hurtere und der Adeligen Brites de Macedo). Als er für 3 Jahre wieder nach Nürnberg zurück kehrte (1490 bis 93) regelte er seine familären Erbstreitigkeiten und den Verkauf seiner Liegenschaften und veranlasste die Herstellung der Erdkugel, die nach ihm benannt wurde.

Um die Person Behaim ranken sie viele Legenden und es fällt schwer seine tatsächlichen Leistungen zu beurteilen, da es an Fakten mangelt. Seine Bedeutung im Rahmen der Enteckung der Welt dürfte sich aber mit relativer Sicherheit auf folgende drei Punkte stützen: Erstens dokumentierte er mit seinem Globus die portugisischen Entdeckungsfahrten; zweitens vermittelte er den Reisebericht des Diego Gomes ("De prima inventione Guineae") und drittens war er von König Joao II. beauftragt worden die astronmischen Navigationsmethoden zu verbessern.

Der Behaim-Globus gilt aber auch als ein Gemeinschaftswerk Nürnberger Humanisten, Handwerker und Künstler: Hans Glockengießer fertigte eine Kugel aus Formlehm, Ruprecht Kolberger (Waagmacher und Rechenmeister) legte darüber vier Lagen Leinwand, vernähte sie und versteifte sie mit Leim (Laminattechnik). Nord- und Südhalbkugel wurden über einen Holzring an ihrer Nahtstelle wieder verbunden, nachdem sie aus der Form entnommen worden waren, dann wurde ein Mantel aus zusammengenähten, sich überlappenden Pergamentsegmenten über die Kugel gelegt (Durchmesser 51 cm). Schließlich kam Papier darüber und Georg Glockedon (Illuminist) bemalte die Kugel nach Behaims, Hieronymus Münzers und Hartmann Schedels Angaben. Die Informationen für den Behaim-Globus stammen von portugisischen Seekarten, von antiken und mittelalterlichen "Wissenschaftlern", von Reisebeschreibungen Marco Polos und Johann von Mandevilles.

Der genaue Grund, weshalb der Globus hergestellt wurde ist nicht bekannt, man vermutet drei mögliche Gründe: Erstens, er könnte als Demonstrationsobjekt gedient haben (für Handels- und Entdeckungsfahrten); zweitens, er könnte ein Prototyp gewesen sein, um Globen in Serie herzustellen und drittens schließlich könnte er ein Gegenstand humanistischer Gelehrsamkeit, also Anschauungsobjekt für das Wissen über die Welt am Ende des 15. Jh. gewesen sein.

Der Behaim-Globus befindet sich seit 1937 im Germanischen Nationalmuseum (er wurde dorthin von der Familie Behaim übergeben), davor stand er auch lange Zeit im Nürnberger Rathaus.