Der Nürnberger Trichter

Der Nürnberger Trichter - Was ist das?

Die wohl erste Erwähnung des Weisheitstrichter in der Nürnberger Literatur findet sich 1545 im Buch »Deutsche Arithmetika« von Michael Stifels: »Unangesehen, dass ein ungelehrter Mensch nicht danach fragt, dass er ungelehrt ist - und wohl sagen darf - er sollte das Maul nicht auftun, so ihm einer die Kunst könnte mit einem Trichter eingießen.«

Aber es ist zu vermuten, dass es diesen Trichter schon damals nicht mehr gab (so es ihn denn je gegeben hat), denn Zinkgref Weidner schreibt 1653: »«Der Trichter Almansoris, mit welchem man den Leuten eingegossen, ist lang verloren.«

Die bekannteste Erwähnung des Trichters stammt aus dem Jahr 1647.
Da veröffentlichte der Nürnberger Senator Georg Philipp Harsdörffer ein Lehrbuch der Poesie mit dem Titel »Poetischer Trichter. Die Teutsche Dicht- und Reimkunst, ohne behuf der lateinischen Sprache in VI Stunden einzugießen«. Harsdörffer, ein Barockmann, Historiker, Dichter und Gründer des Pegnesichen Blumenordens, hat in diesem Werk Regeln für das Schreiben von Gedichten in Deutsch aufgestellt.
Denn damals war man der allgemeinen Auffassung, dass für die Kunst der Poesie' die Beherrschung der lateinischen Sprache eine unerlässliche Voraussetzung wäre.

Das Buch war zu seiner Zeit so begehrt, dass schon nach drei Jahren die zweite Auflage erschien. Aber es hat natürlich auch die Kritik und den Spott derjenigen hervorgerufen, welche die Dichtkunst nicht für etwas hielten, das »ein jeder Knab in kurzer Zeit wird erfassen können«

Später wurde sein Werk kurz der »Nürnberger Trichter« genannt, und dieses Buch hat dem Nürnberger Trichter seinen unsterblichen Ruhm eingebracht.

In der Stadtbibliothek Nürnberg befindet sich wohl die älteste Darstellung des Nürnberger Trichters. Auf einem Kupferstich aus dem 17. Jahrhundert sind drei Männer abgebildet, die einem auf dem Boden Liegenden die gesamte Weisheit mit einem großen Trichter eingießen. Man kann auf diesem Kupferstich alle möglichen Gegenstände erkennen, die in diesen Trichter hineingeschüttet wurden. Das Bild trägt die Überschrift: »Seht liebe Leut hie steht der Mann, so alle Kunst eingießen kann.«
Eduard Duller erzählt in den 1834 erschienenen »Geschichten und Märchen für jung und alt«, dass der Schneidersohn Hans Wurst von Tripsdrill nach Nürnberg wanderte, um dort den überall so begehrten Wundertrichter zu suchen. Angeblich wäre er in den Werkstätten der Rußigen, wie die Nürnberger Feuerarbeiter genannt wurden, geschmiedet worden. In der Werkstatt des Altmeisters der Rußigen erfuhr er aber von einem Feuersalamander, dass der Himmelskundige des Königs von Utopien vor zwanzig Jahren den Trichter erworben habe. Hans Wurst wanderte also unverdrossen weiter zum Schloss des Königs von Utopien. Dort sah er zwar den geheimnisvollen Trichter, bekam ihn aber nicht, sondern wurde zu seinem Entsetzen in ein Gefängnis geworfen. Nach seiner Flucht traf er den Zwerg des Hörselberges. Der erzählte ihm freimütig viele wunderliche Dinge. So hatte er am Schluss seiner Wanderung zwar nicht den begehrten Nürnberger Trichter erworben, den er nun gar nicht mehr wollte, aber er hatte viel erfahren und war dadurch klüger geworden, so dass er den Nürnberger Trichter gar nicht mehr brauchte.

(Quelle: Dokument auf dem Server der Stadt Nürnberg, Autor leider nicht mehr ermittelbar)


Informationen zum Hörbuch zum 350. Todestag von Georg Phillip Harsdörffer herausgegeben mit dem Titel "Der Trichter und sein Henker" finden Sie hier.

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