Das Burgviertel zu Nürnberg

Das Burgviertel in Nürnberg

Ich wandere gemächlich
den Fußweg hinauf zur Burg,
und überträume von oben mein Leben…
Elmar Kupke (*1942)

Nürnbergs historischer Kern, und zweifelsohne auch sein wichtigster touristischer Anziehungspunkt für Gäste aus aller Welt, ist die Burg und das zu ihren Füßen angrenzende Burgviertel mit seinen kleinen Gassen, Fachwerkhäusern und der Vielzahl an Geschäften und kulinarischen Begegnungsstätten.

Als die Burg auf Geheiß des Kaisers Heinrich III um 1040 auf dem Burgfelsen errichtet wurde - damals als militärischer Stützpunkt für Eroberungsfeldzüge nach Osten geplant - konnte noch niemand voraussehen wie schnell aus einer einfachen Befestigungsanlage eine Stadt entsteht, die im Mittelalter zu den bedeutensten Städten Europas heranwuchs und ein Zentrum für Handel und Kultur für die westliche Welt wurde.
Die ursprüngliche Burganlage gliederte sich in die Burggrafenburg und später ab 1167 in die neu errichtete Kaiserburg.

Schon ab dem Jahre 1183 erhielt die Siedlung am Fuße der Burg, die damals aus den Quartieren der Burgmannen und der Burghandwerker entstanden ist, das Marktrecht.
Im Jahre 1219 erfolgte dann die Ernennung Nürnbergs zur freien Reichsstadt, was einen Sonderstatus für Politik und Handel bedeutete und der Stadt endgültig den Aufschwung zu einer Metropole ermöglichte.

Der politische Status von Nürnberg erreichte 1423 seinen Höhepunkt als der Stadt von Kaiser Sigismund die Reichskleinodien, die Zeichen seiner Macht zur "ewiglichen Aufbewahrung" überreicht wurden.

Die Blütezeit, den Reichtum der Stadt und ihren Status als Handelszentrum erkennt man auch an den damaligen Bezeichnungen "Nürnberger Tand geht durch alle Land" und "des Reiches Schatzkästlein", die in die Historie eingingen.

Die Bürger Nürnbergs profitierten von diesem Reichtum und bauten sich aufwändige und prunkvolle Häuser und Residenzen, deren kunstvoller, architektonischer Stil viele Bewunderer findet und die zum Teil auch zu einem Wahrzeichen der Stadt wurden.

Die historische Altstadt bzw. das Burgviertel wurden gegen Ende des Zweiten Weltkriegs nahezu vollständig zerstört und konnten nur mit immensen Anstrengungen wieder im alten Stil aufgebaut werden. Da man sich bei diesem Wiederaufbau an die historisch belegten Strukturen hielt, gelang es das ursprüngliche Stadtbild fast vollständig zu rekonstruieren, die die Erhaltung des besonderen Flairs dieses Viertels zur Folge hat und dadurch auch ein attraktiver Anziehungspunkt für den Nürnberger Tourismus geworden ist.

Für jeden Besucher Nürnbergs ist es nahezu eine Pflicht durch das Burgviertel zu flanieren, sich die historischen Bauten anzusehen, hier und dort in den zahlreichen kleinen Geschäften zu stöbern und sich in einer der unzähligen urigen Kneipen verköstigen zu lassen.

Wer durch das Tiergärtner Tor hindurch spaziert, kommt auf einen großen Platz, an dem in lauen Sommernächten Menschen aus aller Welt gemütlich und ungezwungen zusammen sitzen und sich ein Bier aus der traditionellen Nürnberger Altstadthof-Brauerei schmecken lassen. Der überdimensionale "Dürerhase", der als bronzene Plastik den Platz schmückt, lädt quasi ein zu einem Besuch des Dürerhauses, das sich rechterhand in der Albrecht-Dürer-Straße/Ecke Bergstraße befindet und das dem berühmtesten Künstler Nürnbergs bis zu seinem Tode 1528 als Domizil diente – heute wird es als ein Museum für Kunstinteressierte geführt. Gleich gegenüber kann man sich im dazugehörigen Museumsladen mit Literatur, Ansichtskarten und Drucken des Meisters eindecken. Für Freunde des Holzspielzeugs bietet die Albrecht-Dürerstraße den Holzkopf, ein Fachgeschäft in traditioneller Nürnberger Art. Auch das Scherenschnittstudio von Karin Dütz, die z.B. mit kunstvollen Scherenschnitten berühmter Personen aufwarten kann ist einen Besuch allemal wert.
Am Fuße der Dürerstrasse wartet die "Alte Küchn" mit einem Angebot typischer fränkischer Speisen auf den hungrigen Spaziergänger.

Wer sich dagegen am Tiergärtnertor-Platz nach links in die Obere Schmiedgasse wendet, wird als erstes den historischen Kunstbunker sehen, der für Besucher zugänglich ist und der durch seine massive Bauweise eine Vielzahl an Kunstschätzen während des Zweiten Weltkriegs vor den massiven Zerstörungen durch Bombenangriffe rettete. Gleich daneben ist das "Frankenlädla", das denjenigen Besuchern Nürnbergs, deren Herz für die fränkische Kultur schlägt, eine reichhaltige Auswahl an "fränggischen" Devotionalien anbietet, sodass man sich nach dem getätigtem Einkauf als echter Nürnberger zurück auf die Straße wagen kann, um fortan sozusagen als Einheimischer zu lustwandeln.
Ab 18 Uhr, gerade dann wenn es an der Zeit ist für ein Schlückchen zur Stärkung, bietet sich der im Jahre 2001 neurenovierte Burgkauz als Location an, um bei einem der zahlreichen Longdrinkangebote den Tag in lauschiger Atmosphäre Revue passieren zu lassen.

Zwischen der Oberen Schmiedgasse und der Albrecht-Dürer-Straße führt die Bergstraße hinab in Richtung Sebalduskirche und Hauptmarkt. Dem Spaziergänger wird hier eine Vielzahl an kleinen Läden geboten, die jenseits des normalen Shoppingangebotes für Freude und Erstaunen sorgen. Der Nürnberger Zauberladen bietet Masken, Zauber- und Scherzartikel in reichhaltiger Fülle, dem Sammler alter Puppen oder Stoffbären schlägt das Herz höher, wenn er Einkehr in das Puppenhaus oder dem Bärenladen hält und dort der Kunstfertigkeit der Restauriation beiwohnen darf.
Am Albrecht-Dürer-Platz angekommen eröffnen sich auch dem Liebhaber alter Schätze vielfältige Möglichkeiten: das Auktionshaus Weidler, welches mit hochwertigen Antiquitäten handelt oder das Antiquariat Heubeck – ein Hort für Objekte bibliophiler Liebhaberei.
Wem zwischen all dem Einkaufstrubel noch Zeit bleibt für die Muse der Kultur, dem sei geraten sich einer Führung durch die Felsengänge anzuschließen, um sich die historischen Lagerstätten der Nürnberger Kaufleute anzusehen, die ihre Vorräte an Bier und Wein hier unterirdisch lagerten.
Ein klassisches Schmankerl, für welches Nürnberg heutzutage in aller Welt berühmt ist – der Lebkuchen kann im Laden der Fraunholz-Bäckerei in all seinen Varianten erstanden werden und was könnte sich besser als Mitbringsel für zuhause eignen, als dieses schmackhafte Gebäck!
Am Fuße des Burgbergs steht die Sebalduskirche, eine der beiden großen Kirchen Nürnbergs, neben der Lorenzkirche, die sich in der Fußgängerzone befindet.
Die Sebalduskirche entstand in den Jahren 1230-1273 und trug wesentlich wachsenden Bedeutung Nürnbergs bei, da das in der Kirche liegende Grab des heiligen Sebaldus für viele Gläubige schnell zu einem wichtigen Wallfahrtsort wurde. In der Kirche kann man u.a. die 1520 entstandene Kreuzigungsgruppe des berühmten Bildhauers Veit Stoß bewundern.

Freunde der antiken Baukunst sei die Weißgerbergasse für einen Spaziergang besonders ans Herz gelegt, da eine ganze Reihe alter, kunstvoller Fachwerkhäuser hier das Straßenbild bestimmen und eine Vielzahl an Kneipen zu einem kräftigen Schluck des guten fränkischen Biers einladen. Am Geiersberg, der Verbindung zwischen Neutormauer und Irrerstrasse steht eines der eindrucksvollsten antiken Gebäude des Burgviertels: das Haus Geiersberg 11, welches im Jahre 1999 von den Nürnberger Altstadtfreunden mit hohem finanziellem Aufwand vollständig renoviert wurde. Dieses Gebäude ist zu einem Vorzeigeobjekt der traditionellen Baukunst geworden und, ebenso wie schon vor 350 Jahren, ist auch heute noch der Gast im Geiersberg König und kann sich einer reichhaltigen Auswahl an erlesenen Speisen erfreuen.

Außer den hier erwähnten Straßen und Plätzen des Nürnberger Burgviertels, findet der aufmerksame Besucher noch viele andere Sehenswürdigkeiten, Einkaufsmöglichkeiten und Lokalitäten, die ihm seinen Aufenthalt in Nürnberg zu einem unvergesslichen Erlebnis machen werden.

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