Nürnberg Gostenhof

Der Stadtteil Gostenhof in Nürnberg

Wenn man einen Nürnberger fragt in welchem Teil der Stadt wohl das urtümlichste "Nämbercherisch (Nürnbergerisch)" gesprochen wird, dann ist die Antwort nicht selten: In Gostenhof!
Wobei sich dies natürlich auf die in Nürnberg geborenen Einwohner bezieht, denn jener Stadtteil, der vom Zentrum aus betrachtet hinter dem großen Verkehrsknotenpunkt Plärrer liegt und sich in westliche Richtung erstreckt, ist mittlerweile ein Schmelztiegel der Nationen geworden.

Somit ist das Synonym für Gostenhof zurecht "Klein-Kreuzberg" (früher sprachen böse Zungen auch von "Gostambul"), denn ganz wie der große Bruder aus Berlin hat Gostenhof ein Stadtbild aus unterschiedlichsten Baustilen und ein Flair, dem man sich nur schwerlich entziehen kann.

Gostenhof war früher ein eigenständiger Vorort Nürnbergs und kam erst um 1450 unter die Herrschaft des Nürnberger Rates. Im Zweiten Markgrafenkrieg fielen  Truppen des Markgrafen "Alcebiades", der Nürnberg belagerte, in Gostenhof ein. Den Stadttruppen gelang es zwar die Angreifer zurück zuschlagen, aber da der kleine Vorort nur unter großen Anstrengungen zu halten gewesen wäre, beschloss der Nürnberger Rat, den Vorort aufzugeben.
Damit sich die feindlichen Truppen dort nicht verschanzen konnten, wurde Gostenhof evakuiert und dann von den Nürnberger Soldaten niedergebrannt.

Nach Beendigung des Krieges wurde Gostenhof dann Stück für Stück wieder aufgebaut und ab 1631 in die äußere Befestigungsanlage Nürnbergs mit einbezogen.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde auf Geheiß des Nürnberger Stadtleutnants "Schmiedlein" der "Rochusfriedhof" als Begräbnisplatz für arme Soldaten gegründet. Bis 1919 fanden hier Gefallene aus verschiedenen Kriegen ihre letzte Ruhe.
Vor allem die aufwändig gestalteten Offiziersgräber aus dem Ersten Weltkrieg sind einen Besuch auf dem im Sommer ganztägig geöffneten Friedhof wert.

Wie eingangs erwähnt, ist Gostenhof mittlerweile von Menschen der verschiedensten Nationen bewohnt. Hier leben alteingesessene Nürnberger Tür an Tür mit türkischen, griechischen, spanischen, italienischen, asiatischen und afrikanischen Familien. Auch Studenten bevorzugen die günstigen Mieten in den alten Häusern und so hat sich eine Art Subkultur in diesem Stadtteil entwickelt.

Landesspezifische Lebensmittelläden, Kulturvereine und Restaurants prägen das Stadtteilbild genauso wie zahlreiche Studentenkneipen. Kleine, urige Läden zum Teil in Hinterhöfen angesiedelt, bieten ein Potpourri an Trödelkram, skurriler Kunst oder fremdländischen Waren an.

Die soziale Struktur von Gostenhof zeigt sich auch in vielen Einrichtungen wie z.B. dem "Nachbarschaftshaus", einer Stadtteilbegegnungsstätte, die bis zu 80 Gruppen und sozial orientierten Vereinen ein Dach über dem Kopf bietet. Die "Home Company" in der Adam-Klein-Straße vermittelt möbliertes Wohnen auf Zeit für Studenten und in der "Musikzentrale" in der Kernstraße kann der/die Interessierte einen Didgeridoo-Kurs belegen.

Im "Gostner Hoftheater" in der Austraße gibt es ein mannigfaltiges Bühnen-und Kleinkunstprogramm, welches von der Inszenierung von Bühnenstücken, über Lesungen bis hin zu  Jazz- und Blueskonzerten reicht. Das "Theater Pfütze" in der Oberen Kanalstraße bietet hingegen ein speziell auf Kinder zugeschnittenes Programm.

Den weltrauminteressierten Besuchern Nürnbergs ist auf jeden Fall ein Besuch im "Nicolaus Copernicus Planetarium" in der Rothenburgerstraße anzuraten. Hier werden in wissenschaftlichen Diavorträgen und technisch hochwertigen Lasershows die Konstellationen der Sterne und die Ereignisse im Weltraum sachlich und spannend erklärt.

Der Nürnberger Stadtteil Gostenhof ist sicher kein Bereich für Besucher, die an antiker Architektur oder an Sehenswürdigkeiten aus vergangenen Jahrhunderten interessiert sind, aber wer das pulsierende Leben in der Großstadt, abseits des Zentrums kennen lernen will, dabei so manches Schnäppchen ergattern und günstig ein exotisches Essen probieren will, der ist hier genau richtig.

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