Der Hauptmarkt zu Nürnberg

Hier sehen Sie den Hauptmarkt in Nürnberg

Ob zur Blütezeit Nürnbergs oder in der heutigen Zeit: stets ist der Nürnberger Hauptmarkt als Zentrum der Stadt, eng verwoben mit ihrer politischen bzw. wirtschaftlichen Bedeutung innerhalb Deutschlands und Europas. Der Hauptmarkt als Nabel der Stadt war einst einer der traditionsreichsten, größten und auch bedeutendsten Handelsplätze Europas. Er war somit auch die Grundlage für Nürnbergs politischen Einfluss und seine weit über die Grenzen hinaus berühmten kulturellen Vielfalt.

Aus dem ehemaligen Herrenmarkt entstand im Jahre 1358 der Hauptmarkt und entwickelte sich schnell von einzelnen Teilmärkten und Messen zu einem Hauptumschlagsplatz für Güter aller Art und zu einer ganztätigen Warenbörse. Mit der Einführung der Nürnberger Marktordnung, dem Anbringen der Marktglocke und der Bestimmung sogenannter Marktherren, die für den reibungslosen Ablauf aller Geschäfte zuständig waren, entstand einer der ältesten kaufmännischen Selbstverwaltungen Deutschlands. Die Macht der in der Stadt herrschenden Kaufmannsfamilien, die sich nach römischen Vorbild "Patrizier" nannten, nahm ihren Anfang, als der Burggraf zu Nürnberg Friedrich VI seinen Titel an den hohen Rat zu Nürnberg veräußerte. Dies geschah anno 1427. Die Stadt verwaltete sich nun selbst, mit der Einführung der Marktordnung und dem damit verbundenen finanziellen Aufstieg der Stadt, wuchs auch der Einfluss des städtischen Kaufmannsadels.

Die Patrizier-Familien herrschten in einer Art Oligarchie und kapselten sich insofern ab, als dass sie niemand anderes an ihrer Macht teilhaben ließen. Die Zahl der herrschenden Familien schwankte im Laufe von 300 Jahren zwischen 20 und 30. Die Damen und Herren Tucher, Haller, Stromer, Harsdörffer, Groland, um nur einige zu nennen und ihr Reichtum, sorgten für eine Blütezeit der Stadtentwicklung und brachten Nürnberg auf Augenhöhe mit den bedeutendsten Handelsstädten Europas wie Hamburg, Antwerpen oder Venedig.
Nürnberger Handelsniederlassungen wurden in vielen Städten gegründet, die Stadt schuf sich die Erlaubnis für ein eigenes Währungsreglement und hatte Einnahmen, deren Höhe die ganzer Königreiche überstiegen. Im Jahre 1621 wurde in der Stadt eine eigene Girobank gegründet, vergleichbares gab es europaweit nur in einer Handvoll an Städten.

Das Zentrum dieses Reichtums bildete der Nürnberger Hauptmarkt, erbaut auf dem Boden eines ursprünglich jüdischen Viertels, das auf Betreiben des Patriziers Ulrich Stromer beseitigt wurde, um Platz zu haben für den neuen großen Markt. Schon bald reihten sich auf den Gassen des Platzes Brot- und Fleischbänke neben Kramwaren, Eisenbuden, Tuch- und Schuhhäusern. Die endlose Schar an Menschen, die sich über den Markt bewegte, wurde durch Gaukler und Musiker unterhalten und von Bettlern und geschickten Taschendieben um ihre Börsen erleichtert.
Zeitzeugen von damals sprechen von "dem wimmelnden Leben, welches ameisengleich den Platz zur Gänze bedecken würde".

Dem Besucher, der heute seine Schritte gen Nürnberger Hauptmarkt lenkt, bietet sich im Grunde kein anderes Bild, als zur damaligen Zeit. Das Leben pulsiert und der Platz ist bevölkert von Ständen und Marktbuden, die den Scharen von Einheimischen und Touristen ihre Waren anbieten. Die meiste Zeit des Jahres ist der Marktplatz Standort für frische Obst- und Gemüsewaren, Blumen oder diverse Anbieter anderer Esswaren. Saisonal wird aus dem Marktplatz ein Ostermarkt, bei dem Geschirr, Steingut, Töpferkunst und Haushaltswaren angeboten werden, der Nürnberger Spargelmarkt, bei dem die Liebhaber dieses schmackhaften Gemüses selbiges in allen Variationen genießen können oder zur Weihnachtszeit zum weltberühmten Nürnberger Christkindlesmarkt, dessen Buden mit Weihnachtsschmuck, Kirschenmännla, Lebkuchen und Glühwein Besucher aus aller Welt anziehen. Zu dieser Jahreszeit zieht dann ein Duft von gebrannten Mandeln, frisch gebackenen Lebkuchen und Glühwein über den Platz, der nicht zuletzt das einzigartige Flair des Christkindlesmarkts ausmacht.

Im Grunde ist also niemals Ruhe auf diesem Platz, was so manchem Anwohner ein kleiner Dorn im Auge sein dürfte, doch entschädigt diese Vielfalt kaufmännischen Treibens wohl auch den kritischsten Geist auf die eine oder andere Weise und weil der Nürnberger im Grunde seines fränkischen Herzens ein äußerst gastfreundlicher Landsmann ist, freut sich am Ende doch jeder über die Besucher aus aller Welt!

Natürlich gibt es auf einem so geschichtsträchtigen Marktplatz auch etwas für die Seele des Kunstliebhabers und Freund antiker Baumeisterkunst zu bestaunen.
Da wäre zum Einen, die Frauenkirche, ein gotisches Bauwerk, gestiftet 1349 von Kaiser Karl IV und erbaut von Baumeister Peter Parler.
Im Inneren der Kirche befindet sich ein Altar mit der ca. 500 Jahre alten Marienfigur, mit goldenem Gewand und eine Madonnendarstellung, angefertigt von Adam Kraft. Wer um 12 Uhr mittags den Hauptmarkt betritt wird sich wundern, warum denn so viele Leute den Turm der Kirche mit gebanntem Blick anstarren – des Rätsels Lösung ist eine kunstvolle Spieluhr – das sogenannte "Männleinlaufen", dass eine Figurengruppe in Gestalt der sieben Kurfürsten zeigt, die beim Gongschlag dreimal um den Kaiser (Karl IV) herumlaufen und das Ereignis der Verkündigung der Goldenen Bulle 1356 in Nürnberg darstellen.

Schräg gegenüber der Frauenkirche steht der Schöne Brunnen. Der Brunnen wurde um 1385 erbaut. Aus dem achteckigen Brunnenbecken steigt eine 19 m hohe Steinpyramide in der Mitte hervor. Den Beckenrand säumen Allegorien der sieben freien Künste, die vier Evangelisten, die sieben Kurfürsten und jeweils ein Held der christlichen, jüdischen und heidnischen Religion. Eine Etage höher sind Moses und die sieben Propheten zu sehen.
Das besondere am Schönen Brunnen sind jedoch nicht diese kunstvollen Drapierungen, sondern ein im Gitter eingelassener, drehbarer Messingring, der ursprünglich wohl ein Zeichen wandernder Handelsgesellen war und dem magische Kräfte zugeschrieben werden. Wer diesen Ring dreht, dem wird ein Wunsch erfüllt, wer ihn gar dreimal dreht, der wird mit reichem Kindersegen belohnt. Selbstredend, dass kaum ein Besucher des Nürnberger Hauptmarktes sich diese Gelegenheit entgehen lässt, um lang gehegte Wünsche endlich Realität werden zu lassen.

Zwischen dem Brunnen und der Frauenkirche befindet sich am nördlichen Rand des Hauptmarktes das Nürnberger Standesamt. Deswegen ist es nicht ungewöhnlich, dass der Marktbesucher auf frisch vermählte Paare und deren Festgesellschaften trifft, die sich vor dem Standesamt fotografieren lassen.

Gesäumt wird der Hauptmarkt ringsherum von Geschäften und Lokalitäten, sodass man hier perfekt von Kultur, Einkaufsvergnügen bis zum Speisen alles miteinander verbinden kann.

Geschenkartikel und Souvenirs gibt es ebenso zu erstehen wie Schmuck. Nürnberger Spezialitäten wie die berühmten Lebkuchen bieten traditionelle Lebküchnereien wie Schmidt, Wicklein und Fraunholz an. Für den kurzen Imbiss "to go" gibt es ein Fast-Food Restaurant. In der Sommerzeit ist auch für die Lust auf Eis in der Eisdiele beim Standesamt gesorgt.

Eine der ältesten Buchhandlungen Nürnbergs, Korn & Berg, ist spezialisiert auf Reiseführer und Karten und deswegen eine Hauptanlaufstelle für Touristen, die sich hier Lektüre über die Stadt besorgen wollen.
Wer nun genug gesehen hat und seine müden Glieder etwas ausruhen will, dem sei das "Cafe Kröll" empfohlen.
Hier kann man aus einem breiten Sortiment an Kuchen und Kaffeespezialitäten auswählen und sich das Ganze auf der Terrasse im ersten Stock schmecken lassen von wo aus man einen Rundblick über den gesamten Marktplatz genießen kann.
Für Freunde von deftiger fränkischer Kost gibt es gleich neben dem Schönen Brunnen die Bratwurstküche und hinter der Rathauszeile das "Bratwursthäusle" und das "Bratwurst Röslein".

Wer den Hauptmarkt auf der Waaggasse Richtung Westen verlässt, sieht rechter Hand das Gebäude der Industrie- und Handelskammer Nürnberg. Die IHK Nürnberg kann auf eine lange Tradition zurückblicken: denn sie wurde als eine der ersten Handelskammern Deutschlands im Jahre 1843 in Nürnberg gegründet und war somit eine der Geburtsstätten des deutschen Kammerwesens.

Besuchern, die weniger gut zu Fuß sind, sei geraten sich gleich am Schönen Brunnen für eine gemütliche Fahrt mit der kleinen, roten, motorisierten "Bimmelbahn" einzutragen, die von 10:30 bis 16:00 im Stundentakt ihre Schleife durch den historischen Kern Nürnbergs dreht, bei der man während der Fahrt auch viel Wissenswertes über die Stadtgeschichte erzählt bekommt.

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