Das Universitätsviertel in Nürnberg

Das Nürnberger Universitätsviertel

Eines der vier Haupttore der äußeren Befestigungsanlage Nürnbergs ist das Laufer Tor. Hier betritt man die Äußere Laufer Gasse, und läuft vorbei an einem der "Dicken Türme" die noch erhalten sind und dem Spaziergänger einen Eindruck vermitteln, wie imposant und gewaltig der Mauerring rund um das historische Nürnberg gewesen ist.

In der Äußeren Laufer Gasse befindet sich das Einwohnermeldeamt Nürnbergs, vor dessen Eingangsbereich zumeist eine Menschentraube zu sehen ist und ein steter Kampf um Parkplätze das Straßenbild prägt. Die Ladengeschäfte in der Straße bieten dem Bürger so ziemlich alles an, was er als Rüstzeug für einen Amtsbesuch braucht.
So säumen verschiedene Imbiss-Restaurants und Cafés genauso den Straßenrand wie auch Fotoläden, die spezialisiert auf Passbilder sind oder Kopierdienste anbieten.

Wer die Straße weiter in Richtung Westen läuft, trifft zuerst linker Hand auf den Münzplatz, ein schmaler Durchgangsweg von dem gen Osten die Münzgasse abzweigt. Hierher wurde 1607 das Münzmeisteramt hin verlegt. Die Stadt hatte bereits seit 1219 das Recht Münzen zu prägen, verliehen vom damaligen Kaiser Friedrich.

Am Münzplatz vorbei weiter westlich die Äußere Laufer Gasse hinunter, trifft man auf den Inneren Laufer Platz an, auf dessen westlichem Ende sich der Laufer Schlagturm befindet. Der Turm bildet das östliche Tor der älteren, weiter innen liegenden Stadtbefestigung. Er stammt im Kernbereich aus dem 13. Jahrhundert und bildet die Verbindung zur Inneren Laufer Gasse.
Auf der rechten Seite ist das Willstädter-Gymnasium, das 1864 von König Maximillian II. als "Königlich Bayerisches Realgymnasium zu Nümberg" gegründet wurde. Links neben dem Turm ist das Gewerbeamt Nürnberg. Von hier aus blickt man in südliche Richtung auf die Insel Schütt.

Die Innere Laufer Gasse ist Einkaufsstraße und Vergnügungsmeile zugleich.
Hier reihen sich Restaurants, Cafés und kleine Geschäfte Haus an Haus. Da viele Lokalitäten kleine Tischreihen auf dem Gehweg platziert haben, fühlt man sich fast in eine Straße in Italien versetzt. Gleich zu Beginn ist rechter Hand die "Meisengeige", Programmkino und Café, in dem zu jeder Tageszeit vor allem zahlreiche Studenten sitzen. Die "Meisengeige" war das erste Kino des Nürnberger Kino-Magnaten Weber, dem Besitzer des "Cinecitta" und ist in Nürnberg fast so etwas wie eine Institution.
Zwischen dem "Cottonclub", ein Café an dessen Außentischen eifrig Backgammon und Schach gespielt wird,  und dem "Baban", einem türkischen Schnellrestaurant, befindet sich der alteingesessene "Brömme-Hutladen" mit Hutmuseum, in dem man noch die alte Handwerkskunst des Hutmachens bewundern kann. Danach folgen das Restaurant "Hudson Bay" und das "Schultz", welches Bar und Restaurant gleichermaßen in sich vereint.
Gegenüber kann im Restaurant "Delphi" griechisch gegessen werden und Künstler oder solche die es werden wollen, finden beim Kunstbedarf "Weigl" vom Pinsel bis zur Leinwand alles für die Fertigstellung eines Gemäldes.

Im "Cosima" bietet die Besitzerin neben Schafwollpullovern auch giftfreie Kleider, Röcke und Hosen aus Indien an. An der "Hanfstube" vorbei kommt man zur "Cubano-Bar", die, wie die schräg gegenüberliegende "Chill Out-Bar" für Gäste feine Cocktails bereit hält.
"Der Laden", ein Fachgeschäft für Damenmode ist spezialisiert auf den "Casualstil" einem Modetrend, der Freizeitaktivitäten und Businesskleidung miteinander verbindet.

Von hier aus erblickt man schon ein Denkmal, das auf dem Theresienplatz steht.
Es ist einem der berühmtesten Bürgers Nürnbergs, dem Kartografen, Astronomen und Kosmografen Martin Behaim gewidmet. Behaim ist der Erfinder des ersten Globus, dem "Erdapfel" den er, zusammen mit Glockengießer, Kolberger und Glockendon in den Jahren 1492-1495 anfertigte. Behaim verbrachte einen großen Teil seines Lebens allerdings in Portugal am Hofe Königs Johann II, bei dem er als Hofastronom in seinen Diensten stand.

Gegenüber des Denkmals bergauf in Richtung Nordstadt verläuft die Tetzelgasse, die wie so viele Nürnberger Straßen nach einer Patrizierfamilie benannt wurde. Schon nach ein paar hundert Metern, gleich gegenüber des Schüler- und Studentencafés "Ruhestörung" führt auf der linken Seite ein Weg zu einer weiteren historischen Stelle Nürnbergs: dem Egidienplatz.
Hier wird der an Kunst- und Architektur interessierte Besucher Nürnbergs gleich in mehrfacher Weise fündig.

Vorbei am "Peststadel", 1480 als Kornhaus erbaut und später als Remise für die Pestwagen genutzt, trifft man auf das berühmte "Pellerhaus", wohl einer der bedeutensten Renaissancebauten Europas. Im Jahre 1602-1605 im Auftrag des Patriziers Martin Peller und nach Plänen des Architekten Jakob Wolff als Prunkbau errichtet, galt das Pellerhaus lange Zeit als das Prestigeobjekt und Beispiel für den Reichtum der Nürnberger Kaufmannsfamilien. Nach fast vollständiger Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, wurden es unter Einbezug der von dem Bombardement verschonten Reste wieder aufgebaut und dient nun als Stadtarchiv und Platz der Universitätsbibliothek.
Der Besuch der Bibliothek ist für Bücherfreunde übrigens ein Muss. Denn hier lagern Bücher aus längst vergangenen Jahrhunderten, die im Lesesaal eingesehen und bewundert werden können. Im Hof des Pellerhauses steht der "Apollobrunnen".
Im Jahre 1532 nach Entwürfen des Architekten und Multitalents Peter Flötner erbaut, spiegelt die Brunnenfigur des Bogenschützen das Menschenbild der Renaissance-Zeit wieder.

Von der Renaissance zum Barock: gegenüber des Pellerhauses steht die Egidienkirche, Nürnbergs einzig erhaltener barocker Sakralbau, deren bauliche Wurzeln bis ins Jahr 1150 zurückreichen. Ursprünglich als romanische Basilika mit drei Schiffen, drei Chören und einem Querhaus errichtet, erhielt sie im Jahre 1430 einen gotischen Chor und nach einem Brand im Jahre 1696, erstand sie als Barockbau neu.
Die am besten erhaltensten Teile des Kirchenkomplexes, die dem großen Feuer entgingen, sind die Wolfgangskapelle mit den zwei Flachreliefs von Veit Stoss, die Euchariuskapelle mit dem Katharinenaltar aus dem 15. Jahrhundert und die Tetzelkapelle mit dem Landauer-Grabmal.

Das zwischen Pellerhaus und Egidienkirche stehende Reiterdenkmal ist neueren Datums und wurde Anfang des 20. Jahrhunderts zu Ehren Kaiser Wilhelm I errichtet.

Von hier aus gen Osten stößt man auf den Webersplatz, wo sich einer der ersten Vorläufer einer Arbeitersiedlung befindet: Die sieben Zeilen. Diese Siedlung besteht aus sieben Reihen mit jeweils drei nahezu baugleichen Häusern  und wurde in zwei Bauabschnitten (1489 und 1524) errichtet, um "Barchentweber" und ihre Familien von Augsburg nach Nürnberg zu locken.

Weiter nach Osten, die Hirschelgasse entlang, an deren Einmündung zum Webersplatz das Kaffeehaus "Oase", bevorzugte Lokalität der Studenten der Friedrich-Alexander Universität steht, trifft man auf das "Tucherschloss".
Die Patrizierfamilie Tucher lies das Gebäude als Gartenschloss 1533-1544 erbauen.
Der Bau mit seiner Vermischung aus verschiedenen Architekturstilen mutet fast fremdländisch an.
Ein Chor mit Elefantenkonsole und Darstellung des biblischen Sündenfalls, ein Treppenturm mit einer Ziwebelhaube und der Nordgiebel mit Renaissance-Säulen bildeten den Prunkbau für einer der führenden Familien Nürnbergs.
Seit 1971 ist im Schlösschen ein Museum untergebracht, welches mit seinen Möbeln und Kunstwerken einen Einblick in das Leben des Nürnberger Patrizier- und Kaufmannsadels gibt.

Im Renaissancegarten des Schlosses ist seit dem Jahre 2000 der "Hirsvogelsaal" wieder errichtet worden. Der Saal war und ist eine Pilgerstätte für Kunst- und Architekturstudenten aus aller Welt. Die Schnitzereien von Peter Flötner und das fast 100 m² große Deckengemälde des Dürer-Schülers Georg Pencz machen den "Hirsvogelsaal" zu einem Spitzenwerk der Früh-Renaissance.

Neben diesem Zeugnis vergangenen Wohlstands befinden sich die Gebäude der Wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Fakultät, ein Ableger der Friedrich-Alexander Universität aus Erlangen, die 1783 durch den brandenburg-bayreuthischen Markgrafen Friedrich gegründet wurde.

Die "WiSo" eine der renommiertesten Einrichtungen dieses Studienzweigs in Deutschland, mit ihren ca. 5000 Studenten, ist nicht nur eine Denkfabrik für Firmen des mittelfränkischen Raumes, sondern auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Nürnberg und nicht zuletzt sind es ihre Studentinnen und Studenten aus aller Welt, die das Flair des Universitätsviertels prägen und so unverwechselbar machen.

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