Humanismus, Renaissance und Reformation in Nürnberg

Der Humanismus ist im weitesten Sinne eine Geisteshaltung und eine Philosophie bei der der Mensch und seine Belange im Mittelpunkt stehen: die Achtung seiner Würde, der Respekt vor seiner Individualität und die Unterstützung in der Entfaltung seiner Fähigkeiten. Im engeren Sinne ist der Humanismus eine geistige Bewegung in Europa, die durch die Wiederentdeckung der griechischen und römischen Antike ein neues Bildungsideal und Selbstverständnis zu gewinnen suchte. Die Umsetzung dieser Vorstellung von Menschlichkeit sollte durch Bildung in Schulen und Universitäten erfolgen, d. h. man ging im ursprünglichen Humanismus davon aus, dass sich wahre Menschlichkeit nur im Bildungsprozess des Einzelnen entwickeln könne.

Auch heute noch gibt es humanistisch-neusprachliche Gymnasien, in denen in erster Linie humanistische Ziele angestrebt werden im Kontrast zu naturwissenschaftlichen Gymnasien, wobei man insgesamt sagen kann, dass heute die Ganzheitlichkeit die größere Rolle spielt.

Der Humanismus des 12. Jh. entwickelte sich durch die Wiederentdeckung der alten römischen und griechischen Kultur in Klosterbibliotheken und durch arabische Übersetzungen alter, im Westen verloren gegangener, griechischer und römischer Schriften, die während der Kreuzzüge wieder entdeckt wurden (man sprach auch von der Karolingischen Renaissance oder Ottonischen Renaissance). Man könnte sagen, dass sich die höfische Kultur am Ende des Mittelalters erst mit der Wiederentdeckung der antiken Traditionen entwickelte. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die "Schule von Chartres"*1, in der die Werte der Antike wieder aufgenommen und gepflegt wurden.

Im "moderneren" Europa entstand ein neuer Humanismus in der Zeit der italienischen Renaissance ab dem 14. Jh. (bekannteste Vertreter: Petrarca, Dichter, Humanist und Philologe, 1304 bis 1374 und Boccaccio, Dichter und Humanist, 1313 bis 1375, Hauptwerk "Decamerone"). Dieser Neohumanismus oder Renaissance-Humanismus wollte ebenfalls, wie schon im 12. Jh. angestrebt, durch die Belebung und Pflege der griechisch-römischen Sprachkultur und eine umfassende geistige und künstlerische Bildung, dem Menschen ein wertvolles und würdiges Dasein erschließen.

Als Muster und Vorbild der römischen Sprache galt Cicero. Die sprachliche und rhetorische Schulung wurden zum zentralen Bildungselement, erneuert am Vorbild Ciceros. Antike Schriften wurden gesammelt und die Philosophie, vor allem die der Stoa, neu entdeckt. Das klassische Menschenbild wurde zum Maßstab für das humanistische Menschenbild. Die Sammlung antiker Schriften erfolgte u. a. durch die Päpste (Vaticana 1480). Die Bedeutung des griechischen Schrifttums gewann vor allem an Bedeutung durch den Florentiner Neoplatonismus (Hauptvertreter: Marcillio Ficino (1433 bis 1499), seine Hauptwerke: "De Christiana Religione", "Theologia Platonica de Animorum immortalitate" und "De Sole et Lumine").

Die Humanisten kritisierten die Scholastik des Aristoteles mit ihrer naturfernen, logisch ausgeklügelten Erkenntnisphysik, die laut ihrer Auffassung den Menschen zwar klüger, aber nicht besser machte.

Zentrale Stätten des italienischen Renaissance-Humanismus waren das Florenz der Medici (Cosimo de Medici war der Hauptförderer Ficinos), das Rom der Päpste (bes. Pius II), die Fürstenhöfe von Urbino, Ferrara, Mantua und Neapel und die Universitäten. Bildungsziel war die autonome Persönlichkeit und ein enges Verhältnis zur Kunst.

In Deutschland fasste der Renaissance-Humanismus am Hof Karls IV. (1316 bis 78)*2 im 14. Jh. Fuß (Petrarca war im Jahre 1356 als Gesandter der Visconti zu Besuch in Prag beim Kaiser) und neben Heidelberg, Augsburg und Straßburg wurde Nürnberg zu einem Zentrum des Humanismus in Deutschland.

Zentrale Figur des Humanismus in Nürnberg war Willibald Pirckheimer*3 (1470 bis 1530). Er war mit führenden Humanisten (die sich selber nie so bezeichneten, der Begriff des Humanismus entstand erst im 19. Jh.) seiner Zeit wie Konrad Peutinger*4, Beatus Rhenanus*5, Erasmus von Rotterdam*6, Thomas Morus*7 und noch anderen persönlich und/oder brieflich in Verbindung. Willibald Pirckheimer übersetzte klassische Werke der Griechen (v. a. Satiren) und Kirchenschriften (mehr dazu unten).

Nürnberg war auch der Ort, an dem das "Programm" des deutschen Renaissance-Humanismus formuliert und verkündet wurde.

Albrecht Dürers christusförmiges Selbstbildnis aus dem Jahre 1500 und sein Philosophia-Holzschnitt aus dem Jahre 1502 gelten, zusammen mit dem Hauptwerk des Renaissance-Humanismus, den "Amores" von Conrad Celtis als die zentralen Werke des deutschen Renaissance-Humanismus.

Der aus Franken stammende Conrad Celtis*8 (1459 bis 1508) war ein Universalgelehrter und galt als der "Erzhumanist" schlechthin. Er wurde durch Kaiser Friedrich III*9 als erster Deutscher in Nürnberg zum Dichter*10 gekrönt.
In den Jahren 1487 bis 97 war er viel auf Reisen und wurde ab 1497 Professor für Poetik und Rhetorik an der Universität Wien und seit 1501 auch Vorstand des von ihm angeregten "Colegium poetarum et mathematoricum". Sein Lebenswerk umfasst Editionen, Dichtungen, Lehrbücher, bildungstheoretische Schriften sowie Entwürfe für Bildungsprogramme für Albrecht Dürer und Hans Burgkmair. Er plante eine umfassende  "Germania illustrata". Teile davon waren, die in Prosa abgefasste Beschreibung von Nürnberg, "Norimberga" und die oben erwähnten "Amores". Celtis bemühte sich um die Erkenntnis des Verhältnisses des Menschen zu Gott und er hatte großen Einfluss auf die Gebildeten und Gelehrten seiner Zeit. Ihm war es zu verdanken dass sich humanistische Gedanken in ganz Deutschland ausbreiteten.

Obwohl, wie es dem bedeutensten Theologen und Philosophen des Mittelalters, Thomas von Aquin, gelungen war Glaube und Philosophie zu vereinen, indem er das Dasein dem göttlichen Heilplan einordnete, hatte die Aufnahme des aristotelischen Gedankengutes in den abendländischen Geist zur Krise und schließlich zur Trennung der weltlichen Philosophie vom Glauben an Gott geführt. Die Renaissance-Humanisten versuchten u. a. hier wieder ein Brücke zwischen Erkenntnis, Naturwissenschaft und Glaube zu schlagen, indem sie sich mehr dem Philosophen Plato zuwandten.

Zitat: "Der von Celtis und Dürer repräsentierte und propagierte Humanismus ist eine von der Antike inspirierte, für umfassende Erkenntnis aufschließende Bildungs- und Erziehungsbewegung, in der ... Mathematik sowie Natur- und Geisteswissenschaften gleichberechtigt, ja unverzichtbar einander zugeordnete Partner sind. Sie steht nicht nur positiv gegenüber Entdeckungen und Erfahrungswissen, sondern fordert sie geradezu. Die Mathematik und die Naturwissenschaften benötigen das durch die Geisteswissenschaften zu vermittelnde Sprachniveau und die ästhetische Form sowie die durch die Geschichte überlieferten Beispiele menschlicher Weisheit und Torheit als Handlungsorientierungen, um menschenwürdige, den Menschen veredelnde Wissenschaften heißen zu können. Da Gott die Vollendung ist und Vollendung absolute Schönheit bedeutet, kommt es darauf an, durch Bildung und Erziehung, die neben der moralischen auch eine ästhetische sein muss, den Menschen so weit es geht, der göttlichen Vollkommenheit anzunähern. Die Fülle der Erkenntnis, die dem Menschen zuteil wird, hängt von dem Grad der von ihm erreichten Veredelung seiner Natur ab. Da der Prozess der Veredelung vom Wollen des Menschen wesentlich bedingt ist, ist die moralische Aufrüstung die überhaupt wichtigste Voraussetzung, an der mit dem allergrößten Einsatz gearbeitet wird. An diesem Humanismus ist weiterhin wichtig, dass er den Gedanken der geschichtlichen Kontinuität betont. Die großen antiken Denker und Künstler sind ihm so wichtig wie die postantiken und die der eigenen nationalen Vergangenheit wie Gegenwart angehörenden."

Die Definition des Humanismus nach Celtis und Dürer geht weit über das hinaus was gemeinhin über den Renaissance-Humanismus geschrieben wird ("Im Humanismus ... ging es seit Franscesco Petrarca um die Lebensführung im Geist einer Verbindung von kultivierter Sprache und Moralphilosophie auf der Grundlage philologischer Kenntnisse der Antike. Die Philosophie der Zeit des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit befasst sich zunehmend mit dem Menschen, der Geschichte und der Natur"). Es muss aber auch erwähnt werden, dass es keine erschöpfende Beschreibung des Begriffs Humanismus gibt und der Begriff Humanismus vermutlich erst ab dem 19. Jh. rückwirkend für die Zeit ab 1300 verwendet wird. Der Humanismus wie er in Nürnberg beschrieben wurde, propagierte die "Ausbildung des wahrhaft mündigen, sich zutiefst verantwortlich sehenden Bürgers".

Nach dem Abflachen dieses Humanismus gab es ab ca. 1750 eine neue Form, die Neuhumanismus genannt wurde (Hauptvertreter: W. Shaftbury, M. Gesner, Ch. g. Heyne, J. A. Ernesti; F. A. Wolf wurde zum Hauptbegründer der klassischen Philologie. Winkelmann und Herder sahen die Idee der Humanität in der harmonischen Geistes- und Leibesbildung der Griechen verwirklicht). Die deutsche Klassik (Lessing, Goethe, Schiller, Herder) wurde in jener Zeit zum Bildungsideal.  Auch im 19. Jh. gab es ein erneutes Aufflammen des Humanismus, der mehr als ein politsch-philosophischer Humanismus eingeordnet wurde, er strebte Humanität als gesellschaftliches Postulat an (was auch im Marxismus angestrebt wurde), weitere Ausführungen würden hier aber zu weit führen.

Die Gedanken, Ideale und Vorstellungen des Renaissance-Humanismus fanden in der Kunst dieser Epoche ihren Ausdruck.

Der Begriff der Renaisscance (Wiedergeburt) ist im Gegensatz zum Humanismus, ein Kultur- und Epochenbegriff oder eben auch ein Stilbegriff. Renaissance bedeutet die Wiedergeburt der Antike und deren Weiterentwicklung. Die Zeit der Renaissance wird auch oft als "frühe Neuzeit" bezeichnet, weil sich grundlegende Veränderungen in der Kunst ergeben hatten. Das zentrale Prinzip der Renaissance ist es "eine Welt zu schaffen, in der der Mensch sich natürlich in dem ihn umgebenden Raum bewegen kann, in seiner natürlichen - nicht mehr symbolischen - Umwelt." Charakteristisch für die mittelalterliche Malerei war "die gleichzeitige Darstellung mehrerer chronologisch getrennnter Ereignisse, die auffallenden Größenunterschiede der Figuren (teilweise durch ihren verschiedenen solzialen Status bedingt) sowie die sorgfältige Behandlung äußerer Details". Als Beispiel kann das Bild "Die Verfolgung der hl. Barbara" von Meister Francke, um 1415 genannt werden. Die Jahreszahl zeigt auch, dass es in Deutschland länger dauerte, bis sich die neue Malerei durchgesetzt hatte. In der Rennaissance rückte der Mensch als Individuum ins Zentrum des Schaffens. Klarheit und gesetzmäßige Schönheit (harmonische Proportionen) galten als Ideal. Mehr Natürlichkeit in den Bildern ergab sich zudem durch die Entdeckung der Zentralperspektive, die die Malerei zu jener Zeit revolutionierte. In der Architektur löste die Baukunst der alten Griechen und Römer mit Säulen, Rundbögen und klaren Strukturen die Spitzbögen der Gotik ab.

Die Kunst der Renaissance entwickelte sich wie die Vorstellungen des Humanismus in Italien. Die Zeit der Renaissance wird heute auf die Jahre von ca. 1400 bis ca. 1600 eingegränzt und liegt zwischen dem "barbarischen Stil" der Gotik und der Ausgelassenheit des Barock. Humanistische Dichtung, Philosophie und Wissenschaft formulierten ein neues Weltbild, das die westliche Welt bis heute geprägt hat.

"Der" frühe Vertreter der Renaissance in Italien, Giotto die Bondone (Maler und Baumeister, ca. 1267 bis 1337), galt als prägend für die Maler des 14. Jahrhunderts und die Figuren seiner Bilder werden treffend im Sinne des Hummanismus wie folgt beschrieben: "Ihre verhaltenen, oft von kraftvollem Pathos erfüllten Bewegungen lassen sie als von echt menschlichen Empfindungen geleitete, aus eigenem Antrieb handelnde Wesen erscheinen." Eines seiner Hauptwerke "Der Judaskuss". Die bekanntesten Vertreter der Renaissance in Italien waren Leonardo da Vinci*, Michelangelo Buonarotti* und Raffael* ("Die Schule von Athen").

In Nürnberg war der berühmteste Vertreter Albrecht Dürer (geb. 1471 in Nürnberg, gest. 1528 ebd.). Er "versuchte Zeit seines Lebens als Theoretiker wie als Schöpfer einer Bildwelt voll klarer und gesetzmäßiger Schönheit, die Ideale der Renaissance mit "Zirkel und Richtscheyt aus dem Maß" zu proportionieren." Weitere bedeutende Vertreter waren Veit Stoß, Peter Vischer d. J., Peter Flötner, Barthel, Sebald Beham und Pencz.

Die Epoche ab 1480 wird auch als "Dürerzeit" bezeichnet und beschreibt die Hochblüte Deutscher Kunst zwischen 1480 und 1530. Sie umfasst die endende, nochmals aufblühende Spätgotik und die Kunst der Renaissance die Dürer selbst gerne als "Wiedererwachsung" bezeichnete. Oft wird der Begriff Dürerzeit auch gleichgesetzt mit Reformationszeit, was in der Schaffung von Dürers letztem großen Werk "Die vier Apostel" (1526) begründet ist (Humanismus und Reformation waren allerdings nie komplett vereinbar). Er durchbrach mit diesem Bild die bestehende Kunsttradition, indem er ein Bild religiösen Inhalts für einen weltlichen Rahmen bestimmte. Der weltliche Aspekt wurde durch das Fehlen der Mitteltafel unterstrichen. Die Mitteltafel stellte für gewöhnlich eine Madonna mit Kind oder eine Kreuzigungsgruppe dar. Auch rückte Dürer seinen Petrus auf der linken Tafel, der den goldenen Schlüssel als Zeichen der Papstwahl in der Hand hält, in den Hintergrund. Petrus beugt sich ehrfürchtig über die Heilige Schrift, die ihm der im Vordergrund stehende Apostel Johannes vorhält, indem er auf die Anfangszeile des Evangeliums deutet: "Im Anfang war das Wort." So hatte auch Martin Luther versucht die zentrale Autorität der katholischen Kirche auszuschalten und an ihrer Stelle das Wort der Bibel (Übersetzung des Neuen Testaments ins Deutsche) gesetzt. Obwohl Albrecht Dürer nie konvertierte konnten seine Zeitgenossen das Bild als pro-lutherisches Manifest verstanden haben.

Dürer hielt sich 1494/95 und 1505/06 in Italien, mit jeweils längeren Zwischenstopps in Venedig (er lernte dort von Bellini* und Mantegna*), auf. Beim zweiten Besuch (1505/06) war er wahrscheinlich auch in Bologna (lange Zeit Wirkungsstätte Michelangelos) und Rom.

Seine Auseinandersetzung mit der Formenklarheit der italienischen Renaissance spiegelt sich am deutlichsten in dem Stich "Adam-und-Eva" (1504), er verdeutlicht Dürers theoretische Bemühumgen um die vollkommene Proportion der Menschengestalt, ähnlich wie es auch Leonardo da Vinci anhand seines "Homo ad circulum" getan hatte. Zudem könnte man Dürers Kupferstich "Melancholie" (1514) als typisches Renaissancewerk bezeichnen. Es entstand im Todesjahr seiner Mutter. Ihr Tod hat ihn tief getroffen und so zeigt die Allegorie sicher nicht nur einen psychischen Konstitutionstyp, sondern ist auch eine Selbstdarstellung seines persönlichen Befindens, was deutlich den humanistischen Zeitgeist wiederspiegelt.

Die Lehre von den vier Temperamenten, ihren Mischungen und ihren kosmischen Bezügen, die den menschlichen Charakter mit der Ordnung der Dinge verbinden, war ein wiederkehrendes Thema der Renaissancephilosophie. Im melancholischen Temperament, beherrscht vom Planeten Saturn, sah man einerseits das "Laster düsterer Trägheit" oder gar der geistigen Umnachtung, andererseits wurde es als "Bedingung schöpferischer Genialität" angesehen.

Zu Beginn seines Schaffens war Dürer stark von Conrad Celtis beeinflusst (s. o. Selbstbildnis von 1500 und Philosophia-Holzschnitt von 1502, die den Renaissance-Humanismus in Nürnberg formulierten und verkündeten), nach dessen Tod wurde Willibald Pirckheimer sein einflussreichster Freund. "Pirckheimer und der Kreis seiner Freunde waren die Adressaten einer Reihe von kompliziert verschlüsselten Stichen, deren Bildinhalte die italienische Kunst und die klassische Renaissanceliteratur lieferte. Man setzte seine Ehre darein, sich Sujets auszudenken, die, nach Dürers eigenen Worten, "noch keines Menschen Geist ersonnen hat". Anders als bei den Holzschnitten, die im Allgemeinen eine bei aller künstlerischer Freiheit klar verständliche Aussage machen, hat man den Sinngehalt von vielen dieser Kupferstiche bis heute nicht sicher deuten können. Zu den rästelhaftesten gehören: "Die Vier Hexen", "Der Traum des Doktors", "Das Meerwunder" sowie die Schicksalsdarstellung "Nemesis", die zu dem Halbdutzend Dürischer Meisterblätter zählt."

Mit Veith Stoß (Bildschnitzer, Bildhauer, Kupferstecher, Maler ca. 1450 bis 1533) arbeitete Albrecht Dürer am "Allerheiligenbild" für den Nürnberger Hüttenbesitzer Matthias Landauer zusammen. Es sollte das Altarbild für die Kapelle des Zwölfbrüderhauses, ein Spital für arme und alleinstehende alte Männer, werden, das Matthias Landauer gestiftet hatte. Altar und Rahmen wurden von Veith Stoß angefertigt, der Rahmen nach einem Entwurf von Albrecht Dürer wie auch das Altargemälde. Er hat in diesem Bild seine Grundvorstellung von Gott, Vater, Sohn und Heiligem Geist, umgeben von Engeln, Heiligen und Auserwählten, verwirklicht.

Albrecht Dürer wurde auf dem Johannisfriedhof begraben, von Pirckheimer stammt das Epitaph auf seinem Grabstein, übersetzt heißt es: "Was von Albrecht Dürer sterblich war, birgt dieser Hügel." Albrecht Dürer hat sich aber auch eine eigene Grabschrift geschrieben: "Dann Gott giebt oft einem zu lernen und Verstand, etwas Guts zu machen, desgleichen ihm zu seinen Zeiten keiner gleich erfunden wirdet und etwan lang keiner vor ihm gewest und nach ihm nit bald einer kummt."

Auch Peter Vischer d. J. (1487 bis 1528) und Peter Flötner (1490/95 bis 1546) waren vom italiensichen Stil beinflusst und schufen ihre Werke im neuen Stil.

Peter Vischer verlieh seiner Begeisterung für die "neue Kunst" beim Gießen des Gehäuses für den Schrein des heiligen Sebald Ausdruck. Der Schrein wurde in den Jahren 1508-1519 in ein Gehäuse aus Bronze gehüllt. Die Arbeit wurde von ihm selbst, seinem Vater Peter Vischer und seinem Bruder durchgeführt. Er und sein Bruder hatten während eines Aufenthaltes in Italien die "neue Kunst" kennen gelernt und waren sehr beeindruckt gewesen. Die Abweichungen vom ursprünglichen Entwurf mit drei hoch aufragenden, gotischen Fialen waren daher gravierend (s. a. St. Sebald). Ein weiteres "Paradebeispiel" für Renaissancekunst in Nürnberg ist Vischers Werk "Orpheus und Euridice" (heute im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg) Zitat: "In ihrer Schlichtheit, in ihrer Feinfühligkeit zeugt diese kleine Platte von einer Faszination für die neue Welt der Renaissance und des Humanismus, die nur ein Künstler empfinden konnte, dessen einheimischer Tradition diese neue Auffassung von Welt und Mensch fremd war." Auch das Epitaph für den 1513 verstorbenen Probst von St. Lorenz, Anton Kress, stammt von Peter Vischer, sein Meisterstück war aber die Grabplatte für den Kurfürsten Friedrich den Weisen (1486 bis 1525) in Wittenberg.

Von Peter Flötner stammt die Figur des Apoll auf dem Apollobrunnen, der bis 1988 im Hof des Pellerhauses stand und heute im Stadtmuseum Fembohaus untergebracht ist (s. a. Apollobrunnen). Dieser Apoll ist eine Kopie von einem Stich von Jacopo de'Barbaris (italienischer Maler und Graphiker, geb. ca. 1440 in Venedig, gest. ca. 1516 in Brüssel).

Weitere Renaissancewerke in Nürnberg sind:

Der Johannesalter in St. Lorenz, eine Stiftung der Patrizierfamilie Imhoff aus dem Jahr 1521 (s. a. Lorenzkirche).

Der Dudelsackpfeiferbrunnen am Unschlittplatz entspricht in seiner Gesamtgestaltung dem Nürnberger Renaissancebrunnen und der Gänsemännchenbrunnen im Hof hinter dem Rathaus ist von einem schmiedeeisernes Renaissancegitter umsäumt.

Insgesamt ist das Nürnberger Stadtbild durch Bauwerke der Gotik und Renaissance geprägt.

Die Gedanken und Vorstellungen des Humanismus und der Renaissance bildeten zwangsläufig einen Nährboden für die reformatorischen Gedanken Martin Luthers, angesichts der Lebensführung des geistlichen Standes zu jener Zeit, der Krise im Papsttum und der weltliche Haltung der Renaissancepäpste im Allgemeinen. "Die meisten der sogenannten "Renaissancepäpste" haben mehrere uneheliche Kinder, an die sie bedenkenlos politische und kirchliche Ämter verschachern, sie machen Verwandte zu Kardinälen, sind in politische Intrigen bis hin zum Mord verwickelt - und sie geben enorme Mengen an Geld aus." Wer den Film "Luther" von Eric Till mit Joseph Fiennes gesehen hat, wird sich an Luthers Empörung erinnern können, als dieser von seiner Pilgerfahrt aus Rom zurückkehrt und seinem Mentor voller Entrüstung erzählt, dass in Rom eigens für den Klerus Bordelle eingerichtet sind. Der Dominikanermönch Girolamo Savonarola (1452 bis 1498) musste seine unnachgiebige Kritik am damaligen Papsttum noch mit dem Tode bezahlen. Er wurde im Mai 1498 auf der Piazza della Signoria im Herzen von Florenz zusammen mit zwei Mitstreitern erhängt.

Die Reformation, eine laut Definition durch Martin Luther (geb. in Eisleben, am 10. November 1483, gest. ebd., am 18.Februar 1546) ausgelöste Bewegung (den Stein ins Rollen gebracht hatten die 95 Thesen Martin Luthers gegen den Ablasshandel, die er am 31.Oktober 1517 an die Kirchentür von Witten geheftet hatte), die zur Teilung der abendländischen Kircheneinheit führte und eine neue religiöse Haltung (Protestantismus) entstehen ließ, konnte sich in einer Stadt wie Nürnberg gut ausbreiten. Zumal sich Spannungen zwischen den aufstrebenden Städten und der Kirche sowieso schon angestaut hatten und auch die Landesfürsten danach trachteten ihren Einfluss in der Kirche zu verstärken. In Nürnberg, eine der am schnellsten wachsenden Städte jener Zeit, hatte der Rat zudem schon im ausgehenden Mittelalter, also vor 1400, erfolgreiche Versuche zur "Kommunalisierung" der Kirche unternommen, d. h. die Stadt hatte ihren Einfluss auf die Kirche schon früh gestärkt.

Die Verbindung zwischen den Glaubensfragen der Reformation und den politischen Forderungen der Patrizier war eng, was zusätzlich zur Spaltung der Kirche und dem Entstehen des Protestantismus beitrug. Augustinus hatte, wie oben bereits erwähnt, eine Synthese zwischen kirchlichem Glauben und Philosophie schaffen können, im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich jedoch eine immer weltlichere Philosophie, die mehr dem Rationalismus des Aristoteles folgte und kirchliche Glaubensdinge mehr und mehr außer Acht ließ. Die Humanisten jener Zeit versuchten wieder eine Brücke zu schlagen, was für einige jedoch zu spät kam, so dass es zur Spaltung der Kirche kommen konnte.

Ab dem Jahre 1522 wurden in St. Lorenz, in St. Sebald und in der Heilig-Geist-Kirche reformatorische Prediger angestellt. Die Voraussetzungen hierfür waren durch humanistische Einflüsse im Patriziat, bei den Ratskonsulenten* und beim Ratsschreiber* selbst geschaffen worden. Zudem fanden die Reden des Johann von Staupitz* Gehör und nicht zuletzt wirkte der Einfluss der Schriften Luthers, der seinen Erfolg zu einem nicht geringen Teil der Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg um 1450 verdankte. Ohne die Vervielfältigung und rasche Verbreitung hätte wohl nie eine solche Einigkeit bei so vielen Menschen entstehen können.

In St. Lorenz predigte Andreas Osiander*11 ,in St. Sebald Dominikus Schleupner*12 und in der Heilig-Geist-Kirche Thomas Venatorius*13.

Die Stadt schien von Anfang an für die Reformation bereit. Den Flugschriften des Hans Sachs (Schuhmacher und Poet, 1494 bis 1576), die reformatorische Gedanken im ganzen Volk verbreiteten, setzte der Rat kaum Widerstand entgegen.
Das Wormser Edikt* galt in Nürnberg als nicht durchführbar, zudem zeigten sich bereits in der Almosenordnung aus dem Jahre 1522 reformatorische Tendenzen. Nach der Exkommunikation der Pröpste Georg Pesler (1490 bis 1536, er war der letzte Probst von St. Sebald und als einer der Wegbereiter der Reformation hatte er auch in Wittenberg studiert) und Hector Pömer (1495 bis 1541, Probst von St. Lorenz, nach ihm ist die Hector-Pomer-Straße in Großgründlach benannt), die im Juni 1524 mehr oder weniger eigenmächtig Änderungen im Kirchenwesen vorgenommen hatten, weil sie Unruhen in der Landbevölkerung fürchteten und nach dem Verbot eines Reichskonzils zur Klärung der Religionsfrage auf Reichsebene, bereitete sich Nürnberg mit dem Religionsgespräch vom März 1525 konkret auf die Reformation vor, wie schon zuvor Zürich und andere deutsche Städte. "Den Klöstern wurden Neuaufnahmen und Seelsorge verboten, ev. Gottesdienste angeordnet, Messen ohne Kommunikanten beseitigt, Feiertage eingeschränkt und das Kirchengut in Ratsverwaltung genommen." Dem Rat gelang es dadurch und durch hartes Vorgehen gegen Rädelsführer, aber auch durch politische Erleichterungen, dem Überspringen des Bauernkrieges* auf das Gebiet um Nürnberg entgegenzutreten. Im Jahre 1526 wurde mit Unterstützung Philipp Melanchtons* ein Gymnasium gegründet, für das die besten Lehrer gewonnen werden konnten (das spätere Melanchton-Gymnasium). In den folgenden Jahren konnte der Rat die Reformation mit Konsequenz, Hartnäckigkeit und teilweise radikalem Durchgreifen weiter durchsetzen, indem er z. B. Radikale wie Thomas Müntzer* und Andreas Bodenstein v. Karlstadt* aus der Stadt auswies und auch die Vertreter der zwinglisch-symbolischen Abendmahlslehre* nicht duldete.

Die Epoche der Reformation löste mit der "Rechtfertigung aus dem Glauben" und "der Freiheit eines Christenmenschen" die traditionellen Bindungen des späten Mittelalters ab und führte mit Humanismus und Renaissance und der von ihr ausgelösten Gegenreformation zu einem generellen Kulturwandel, also zu dem was wir heute als Neuzeit bezeichnen.


Fußnoten:

*1 Die Schule von Chartres:

Sie war eine Philosophen- und Theologenschule und wurde gegen Ende des 10. Jh. von Fulbert von Chartres gegründet. Führende Mitglieder waren: die Brüder Bernhard von Chartres und Thierry von Chartres, Clarenbaldus von Arras, Gilbert von Poitiers, Wilhelm von Conches und Johannes von Salisbury. Otto von Freising stand der Schule sehr nahe. Die philosophische Grundhaltung der Schule war der Platonismus des Boethius und Chalcidus. Boethius war römischer Staatsmann und Philosoph (ca. 480 bis 524). Er wollte die platonisch-aristotelische Tradition zu einer Synthese bringen und den jungen Völkern in lateinischer Sprache nahe bringen. Er übersetzte und/oder kommentierte logische Schriften des Aristoteles, die "Eisagoge" des Porphyrius und die Topic Ciceros. Seine theologischen Traktate zeichneten ihn als Christen aus. Im Kerker (er wurde vom Ostgotenkönig Theoderich des Hochverrats bezichtigt und hingerichtet) verfasste er sein Werk "Trost der Philosophie", das tiefsinnige Betrachtungen über den Sinn des Übels, wahre Glückseligkeit, Vorsehung, Schicksal und Freiheit behandelte. Chalcidus (4./5. Jh.) überlieferte durch seine Teilübersetzungen und Kommentierung von Platons "Timaios" (Timäus) dem Mittelalter die Grundgedanken des platonischen Kosmos.

*2 Karl IV. (röm.-deutscher Kaiser von 1347 bis 78):
Er machte seine Residenz in Prag zum geistigen Mittelpunkt des Deutschen Reiches und gründete im Jahre 1348 eine Universität. Seine Kanzlei vermittelte unter Johann von Neumarkt eine frühhumanistische Bildung. Er selbst schrieb u. a. seine "Vita" (bis 1346.

*3 Willibald Pirkheimer:
Humanist und Ratsherr geb. 1470 in Eichstätt, gest. 1530 in Nürnberg. Er war ein Freund Albrecht Dürers und Berater des Kaisers Maximilian I.
Von 1489 bis 1495 studierte er Recht, Geschichte, Philosophie, Geographie, Numismatik und Mathematik in Padua und Pavia, wodurch er sein umfangreiches Wissen und seine Hinwendung zum Humanismus begründete.
Willibald Pirkheimer war somit auch ein Universalgelehrter, er wollte in einer neuen Zeit einen neuen Lebens- und Geistesstil prägen. Er gründete zusammen mit seinem Vater eine Poetenschule, die sich in der Alten Waage in Nürnberg hinter der heutigen Handelskammer (Winklerstraße) befand. Hier setzte er seine humanistischen Kenntnisse um und eröffnete neue Bildungsmöglichkeiten. Im Jahr 1509 musste die Schule schließen, aber ihr Konzept blieb erhalten. Pirckheimer übertrug seine Erfahrungen auf die vier Lateinschulen in St. Sebald, St. Lorenz, Heilig Geist und St. Egidien. Dort wurden griechische und lateinische Autoren gelesen und Astronomie gelehrt. Die Lateinschulen waren die Vorstufen zum Universitätsstudium und Grundlage für das erste deutsche Gymnasium (1526), das heutige Melanchthon-Gymnasium (damals am Egidienberg, heute in der Sulbacherstraße). Er tat viel um Nürnberg zum Zentrum der humanistischen Erneuerung von Kunst, Erziehung, Wissenschaft und Religion zu machen. Er war Mitglied eines Kreises von Nürnberger Humanisten, dem auch Conrad Celtis, Sebald Schreyer und Hartmann Schedel, der Verfasser der Schedelschen Weltchronik, angehörten. Er übersetzte zahlreiche klassische Werke ins Deutsche sowie griechische Werke ins Lateinische, besonders erwähnenswert dazu seine "Geographia" von Ptolemäus, im Jahre 1525. Man nimmt an, dass er das Werk Albrecht Dürers was die zahlreichen klassischen und humanistischen Motive und Anspielungen angeht durch Gespräche mit diesem beeinflusst hat, da Dürer selbst keine klassische Ausbildung hatte. Er förderte Dürer zudem auch finanziell, indem er ihm das  Geld für seine zwei Italienreisen zur Verfügung stellte und ihn auf einer sogar begleitete, was als Beweis für die enge Freundschaft der beiden zu sehen ist. Pirckheimer setzte sich auch für Johannes Reuchlin und Martin Luther ein. Zudem vermutet man dass er unter einem Pseudonym: Joannefranciscus Cottalambergius im Jahre 1520 eine Satire veröffentlichte: "Eccius Dedolatus" (etwa: Der gehobelte Eck), mit der der Luthergegner Johannes Eck verspottet wurde. Auf jeden Fall veranlasste der verspottete Eck, dass Pirkheimer deshalb in die päpstlichen Bannandrohungsbullen von 1520 und 1521 eingeschrieben wurde. Pirckheimer war aber nicht völlig vom Protestantismus überzeugt und wandte sich ab 1524 wieder der alten Kirche zu.
Nach der Einführung der Reformation in Nürnberg setzte er sich für die Beibehaltung des Clarrissenklosters ein, dem seine Schwester Caritas seit 1503 als Oberein vorstand. Das Haus Pirkheimers und seine wertvolle Bibliothek standen allen Humanisten bis zu seinem plötzlichen Tod offen. Willibald Pirckheimer starb am 22. Dezember 1530, als letzter Pirckheimer. Er wurde, wie auch Albrecht Dürer auf dem Johannisfriedhof begraben. Eine Straße (zwischen Bucher Straße und Maxfeld) und ein Humanistisches Gymnasium in der Südstadt sind nach ihm benannt. Auch die Pirckheimer-Gesellschaft ist nach ihm benannt. In den 1960er wurde die Willibald-Pirckheimer-Medaille für literarische Leistungen verliehen. Eine Büste von ihm ist in der Ruhmeshalle in München ausgestellt.

*4 Konrad Peutinger:
Deutscher Humanist (geb. 1465 in Augsburg, gest. 1547 ebd.). Er entstammte einer alteingesessenen Augsburger Patrizierfamilie und wurde in Padua, Bologna, Florenz und Rom zum Juristen ausgebildet. Im Jahre 1486 kam er nach Augsburg zurück heiratete und wurde 1497 zum Stadtschreiber auf Lebenszeit. Er gehörte zu den Beratern Kaiser Maximilians I. und später Karls V. Nach der Einführung der Reformation in Augsburg legte er sein Amt nieder. Konrad Peutinger ist einer der Mitbegründer des Humanismus in Deutschland. Er sammelte alte Bücher und Handschriften, römische Inschriften, Altertümer und Münzen. Er war Herausgeber zahlreicher Schriftsteller des deutschen Mittelalters, wie z. B. der Gotengeschichte des Jordanes und der Langobardengeschichte des Paulus Diaconus. Er hatte brieflichen Kontakt zu fast allen berühmten Humanisten seiner Zeit: Celtis, Ökolampad, Morus, Rhenanus, Zasius, Pirkheimer, Luther, Spalatin, Mutian, Erasmus, Reuchlin, Trithemius und U. von Hutten.

*5 Beatus Rhenanus:
Humanist (geb. 1485 in Schlettstadt, gest. 1547 Straßburg). Er zählt zu den bedeutendsten deutschen humanistischen Philologen. Seine Ausbildung absolvierte er in Paris (1500 bis 07), wo er den Buchdruck erlernte. Er war ab 1511 Freund und Mitarbeiter des Erasmus von Rotterdam in Basel und editierte antike Klassiker, Kirchenväter und beschäftigte sich mit der germanischen und frühen deutschen Geschichte. Er blieb, trotz seiner Neigung zu kirchlichen Reformation, der alten Kirche treu.

*6 Erasmus von Rotterdam:
Humanist (geb. um 1466 in Rotterdam, gest. 1536 in Basel). Er war einer der bedeutendsten Humanisten des 16. Jh. und galt als Verfechter religiöser Toleranz. Er stand bei den Auseinandersetzungen der Reformation über den Parteien und wurde zum Begründer des theologischen Rationalismus. Im Kunstmuseum von Basel hängt sein Porträt, gezeichnet von Hans Holbein.

*7 Thomas Morus oder Thomas More:
Englischer Politiker und bedeutender Humanist (1478 bis 1535). Er stand in enger Verbindung zu J. Colet und Erasmus von Rotterdam, der ihm sein Werk "Lob der Torheit" von 1508 widmete. Das Hauptwerk von Thomas Morus "Utopie" wurde von der Nachwelt hauptsächlich als Staatsroman gesehen und nach ihm wurde eine gesamt literarische Gattung, die Utopie, benannt.

*8 Conrad Celtis:
Humanist und Dichter (geb. 1459 in Wipfeld bei Schweinfurt, gest. 1508 in Wien). Er wirkte "ungemein fruchtbar als Anreger humanistischer Studien in Deutschland", entdeckte mehrere Werke der Hrotsvit von Gandersheim und die "Tabula Peutingeriana" von Peutinger. Er gab die "Germania" von Tacitus heraus und hatte wesentlichen Einfluss auf die Entstehung eines deutschen Nationalgefühls, indem er den Humanismus in ganz Deutschland verbreitete.

*9 Kaiser Friedrich III:
Deutscher Kaiser von 1415 bis 1493. Er wurde in Innsbruck geboren und starb in Linz.

*10 Dichterkrönung
Die Dichterkrönung ist eine altgriechische Tradition, die von den Römern unter Kaiser Domitian wieder aufgegriffen wurde. Es geht darum, nach vorangegangenem Dichterwettstreit, den Dichterkönig zu finden. Im Zuge des Renaissance-Humanismus wurde diese Tradition wiederbelebt. In Italien wurde Francesco Petrarca im Jahre 1341 zum Dichterkönig gekrönt. In Nürnberg fand die erste Dichterkrönung im Jahre 1487 statt: Kaiser Friedrich III. krönte Conrad Celtis zum "poeta laureatus". Ein Dichterkönig hatte das Vorrecht an allen Schulen und Hochschulen des Reiches Vorlesungen über Poetik und Rhetorik zu halten.

*11 Leonardo da Vinci:
Ital. Maler, Bildhauer, Architekt, Naturforscher, Techniker (geb. 1452 in Vinci bei Empoli, gest. 1519 auf Schloss Cloux bei Amboise). "Als Maler war er der Vollender des klassischen Stils. Seine wenigen Werke galten allen nachfolgenden Zeiten als Beispiel höchster Vollkommenheit. Die ihm eigene Stil der Helldunkelmalerei, deren weiche Licht- und Schattenübergänge seine Bilder geheimnisvoll und ihre Formen zugleich plastisch erscheinen lassen, wirkte weit über den Kreis seiner Schüler hinaus. Als Naturforscher suchte er ein enzyklopädisches Wissen mit den Mitteln der Erfahrung und des Experiments zu gewinnen. Seine allumfassenden und seiner Zeit weit vorauseilenden Beobachtungen, die er auch zeichnerisch darzustellen vermochte, leiteten die systematisch beschreibende Methode in den Naturwissenschaften ein (er benutzte als Linkshänder fast durchgehend Spiegelschrift). Ebenso kann er auf dem Gebiet der angewandten Mechanik als Vorläufer einer elementaren Maschinenkunde gelten (1967 wiedergefunden: "Musterbuch der Maschinenelemente")" (Zitat aus dtv Brockhaus Lexikon).
Seine Hauptwerke in der Malerei, die Mona Lisa und das Letzte Abendmahl sind von zahlreichen Mythen und Deutungen umgeben.

*12 Michelangelo Bounarotti:
Ital. Maler, Bildhauer und Architekt (geb. 1475 in Caprese in der Toskana, gest. 1564 in Rom). Er gilt als Hauptmeister der Renaissance und Wegbereiter des Manierismus. Einige wenige seiner Werke sind: "Bacchus" (Florenz, Museum Nazionale), "Pieta" (Peterskirche, Rom), "Die Erschaffung Adams" (Sixtinische Kapelle, Rom).

*13 Raffael (Raffaello Santi):
Ital. Maler und Architekt (geb. 1483 vermutlich in Urbino, gest. 1520 in Rom).
Ihm wird nachgesagt, dass er die künstlerischen Idealvorstellungen der Renaissance am vollkommensten verwirklicht hat. Schöpfungen wie die "Sixtinische Madonna" (um 1513) haben klassisch-vorbildhafte Bedeutung erlangt.

*14 Bellini, Giovanni:
Ital. Maler (geb. um 1432 in Venedig, gest. 1516 ebd.). Er stammt aus der Malerfamilie der Bellini in Venedig, war Sohn des Jacopo Bellini und galt als Hauptmeister der venezianischen Malerei der Frührenaissance.

*15 Mantegna, Andrea:
Ital. Maler und Kupferstecher (geb. 1431 in Isola, zwischen Vicenza und Padua, gest. 1506 in Mantua). Er war neben Bellini der bedeutenste Meister der oberitalienischen Frührenaissance. Er hat die aus Florenz übernommene Perspektivenlehre folgerichtig weitergeführt. Eines seiner Werke, "Maria mit dem Kind" befindet sich heute in den Staatlichen Museen in Berlin.

*16 Patrizier (u.a. Familie Nützel):
Der bedeutenste Vertreter der Patrizierfamilie Nützel von Sündersbühl, Kaspar Nützel (1471 bis 1529), war einer der stärksten Befürworter der lutherischen Lehren im Nürnberger Rat. Nach ihm ist eine Straße in Gostenhof benannt.

*17 Rechtskonsulent:
Damaliger Rechtskonsulent war Christoph II. Scheurl: Rechtskonsulent und Diplomat (geb. 1481 in Nürnberg, gest. 1542 ebd.). Er war ab 1507 Professor an der Universität Wittenberg und ab 1512 trat er das Amt des Rechtskonsulenten in Nürnberg an, das er bis zu seinem Tod inne hatte. Er leitete das Nürnberger Religionsgespräch im Jahre 1525. Er lehnte die Reformation nicht ab, war aber auch kein ausgesprochener Befürworter.

*18 Ratsschreiber:
Damaliger Ratsschreiber war Lazarus Spengler, Dr. jur. (Ratsschreiber, geb. 1479 in Nürnberg, gest. 1534 ebd.). Er war ab 1507 bis zu seinem Tod Ratsschreiber. Im Jahre 1519 wurde eine seiner Schriften, in der er die Lehre Martin Luthers eifrig verteidigte, gegen sein Wissen veröffentlicht, woraufhin er vom Papst gebannt wurde. Dennoch förderte er die Reformation in Nürnberg (der Prediger von St. Lorenz, Osiander stand unter seinem Schutz). Im Dezember 1521 wurde der Bann wieder aufgehoben. Er gilt als Hauptmitverantwortlicher der Brandbenburg-Nürnbergischen Kirchenordnung und hat viele Schriften veröffentlicht, u. a. das vollständige Glaubensbekenntnis im Jahre 1535 mit einer persönlichen Vorrede von Martin Luther. Nach ihm ist eine Straße in Gostenhof benannt.

*19 Johannes von Staupitz:
Kath. Theologe (geb. um 1465 in Motterwitz, gest. 1524 in Salzburg):
Johannes von Staupitz war ab 1502 Professor in Wittenberg und Generalvikar der Augustiner-Observanten. Er war der Mentor des jungen Luther und machte ihn 1512 zu seinem Nachfolger als Professor in Wittenberg. Im Jahre 1518 löste er Luther von seinem Ordensgehorsam, um ihn so vor der Inquisition zu schützen.

*20 Andreas Osiander:
Luth. Prediger in St. Lorenz (geb. 1498 in Gunzenhausen, gest. 1552 in Königsberg/Preußen): Er war das geistliche Haupt der Reformation in Nürnberg und der Hauptwortführer beim Religionsgespräch im Jahre 1525. Er organisierte das Kirchenwesen in Nürnberg und hatte maßgeblichen Anteil an der Visitationsordnung von 1528 und der Kirchenordnung von 1533. Er lieferte dem Rat der Stadt theologische Gründe in der politischen Argumentation gegen reformatorische Abweichungen und geistliche und politsche Schwärmereien. Sein "Judenbüchlein" aus dem Jahre 1540 nahm die Juden gegen zeitgenössischen Antisemitismus in Schutz und ging nach 1548, als sich der Rat dem Interim unterworfen hatte, nach Preußen zu Markgraf Albrecht von Brandenburg-Ansbach, den er schon 1525 vom protestantischen Glauben überzeugt hatte.  

*21 Dominikus Schleupner:
Luth. Prediger in St. Sebald (geb. in Neisse (Polen), Datum unbekannt, gest. 1547 in Nürnberg): Er hatte sich bei seinen Studien in Witten im Jahre 1519 für die Reformation entschieden und erhielt das Predigeramt in St. Sebald auf Vorschlag Martin Luthers. Er verfasste zusammen mit Andreas Osiander und Thomas Venatorius reformatorische Prgrammschriften und hielt bei der Erföffnung des Religionsgesprächs im Jahre 1525 die Eröffnungsrede. Er war beteiligt bei der Erarbeitung der Visitationsordnung von 1528 und der Nürnberg-Brandenburgischen Kirchenordnung von 1533.

*22 Thomas Venatorius:
Luth. Prediger in der Heilig-Geist-Kirche (geb. 1490 in Nürnberg, gest. 1551 ebd.). Er wirkte auf Empfehlung Willibald Pirckheimers als Prediger in der Heilig-Geist-Kirche (und der Dominikanerkirche).

*23 Das Wormser Edikt:
In Worms (heute Rheinland-Pfalz) fanden vom 8. bis 16. Jh. über 100 Reichstage statt. Die wichtigsten sind der von 1495 (Reichsreform 1) und der von 1521 bei dem durch das Wormser Edikt die Reichsacht über Martin Luther und seine Anhänger verhängt wurde.

*24 Der Bauernkrieg:
Der Aufstand der Bauern und einzelner Städte in Süd- und Mitteldeutschland in den Jahren 1524 bis 26. Die Bauern wehrten sich in fast allen deutschen Gebieten gegen die wirtschaftlich-finanziellen Forderungen der Herren. Es war allerdings kein einheitlicher Aufstand, es leisteten immer wieder einzelne Regionen Widerstand. Es wurden auch teilweise reformatorische Gedanken missverstanden und übertrieben gedeutet.  Der wohl berühmteste Aufständler war Götz von Berlichingen der sich an die Spitze des Odenwälder "Haufens" stellte. Nach teilweise grausamen Metzeleien unterlagen schließlich die Bauern, ohne dass sich ihre Situation verschlechterte, allerdings blieb auch die angestrebte politische Aufwertung des bäuerlichen Standes aus.

*25 Philipp Melanchton:
Humanist, Reformator (geb. 1497 in Bretten, gest. 1560 in Wittenberg). Er war ab 1518 Professor für Griechisch in Wittenberg, schloss sich im Jahre 1519 Martin Luther an und war bis zu dessen Tod sein treuester und engster Mitarbeiter. Drei seiner wichtigsten Schriften zählen zu den Grundlagen der Reformation. 1530 das Augsburger Bekenntnis (Confessio Augustana), 1530/31 die gegen die katholische "Confutatio" gerichtete Apologie der Augustana und 1537 der "Tractatus de potestante et primatu papae". Man kann sagen, dass er die Kirchenwerdung der Reformation im Ganzen betrachtet stärker bestimmt hat als Luther. In Nürnberg erinnert ein Denkmal an ihn (Sebalder Altstadt, Egidienplatz), das Melanchton-Gymnasium ist nach ihm benannt und eine Straße in Steinbühl. In Ziegelstein gibt es eine Melanchtonkirche.

*26 Thomas Müntzer:
Protestantischer Theologe und Revolutionär (geb. 1468 oder 1489/90 in Stolberg im Harz, gest. (hingerichtet) 1525 bei Mühlhausen).
Er organisierte den Bauernaufstand in Thüringen und versuchte eine radikal christliche Ordnung durchzusetzen. Er lehnte Luthers "Zwei-Reiche-Lehre" ab und warf ihm vor sich auf die Seite er Obrigkeit gestellt zu haben. Müntzer wollte die Verwicklung des Reiches Gottes auf Erden, in dem völlige Gleichheit und Gütergemeinschaft herrschen sollte. Nachdem er 1525 nach Mühlhausen zurück gekehrt war und die Stadt eingenommen hatte, wurde er in der Schlacht bei Frankenhausen (15.5.1525) gefangen genommen und später hingerichtet.

*27 Karlstadt (Andreas Bodenstein):
Reformatorischer Theologe (geb. um 1480 in Karlstadt in Unterfranken, gest.  1541 in Basel an der Pest). Er war Professor in Wittenberg und trat gemeinsam mit Luther gegen Eck auf. Allerdings wurde er während Luthers Aufenthalt in der Wartburg zum Sprecher der radikalen Reformpartei und stachelte die Bauern zu Plünderungen von Klöstern und Kirchen an. Im Jahre 1522 führte eine seiner Schriften zum Bildersturm. Seine Interpretationen vom Letzten Abendmahl und die gegensätzliche Auffassung Luthers führten zum "großen Abendmahlstreit" zwischen Luther und Zwingli.

*28 Zwingli, Ulrich:
Reformator der Deutschen Schweiz (geb. 1484 in Wildhaus in der Grafschaft Toggenburg, gest. (gefallen) 1531 bei Kappel). U. a. auf Zwinglis Betreiben wurde 1525 in Zürich die Reformation eingeführt. Zwingli selbst war zunächst beeinflusst von den humanistischen Vorstellungen des Erasmus von Rotterdam, später durch das Lesen von Schriften des heiligen Augustinus und des Paulus und auch durch die Gedanken Martin Luthers. Er entwickelte im Laufe der Zeit aber andere reformatorische Ziele als Martin Luther. Der entscheidende Unterschied zwischen beiden war die Auffassung vom Letzten Abendmahl. Luthers Auffassung: Christus ist leibhaftig gegenwärtig während des Letzten Abendmahls. Zwinglis Auffassung: die Gegenwart Christi sei nur symbolisch gemeint. Diese unterschiedlichen Auffassungen führten zum "Marburger Religionsgespräch" (dem großen Abendmahlstreit) zwischen Luther und Zwingli. Zwinglis Theologie ist dargestellt in seinen Hauptwerken, den 67 "Schlussreden" und dem "De vera et falsa religione Commentarius" (1525). Zwingli fiel im 2. Kappeler Krieg, was für die Reformationsbewegung in der Schweiz ein herber Rückschlag war. Erst Calvin konnte die Reformation fortsetzen.

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