Der Meistergesang in Nürnberg und/oder die Meistersinger von Nürnberg

Der Meistergesang in Deutschland geht auf das Ende des 14. und den Anfang des 15. Jh. zurück. Es wurden Gesellschaften oder Bruderschaften gegründet, in denen sich kunstinteressierte Laien, hauptsächlich Handwerker, versammelten und meist öffentlich sog. Singschulen oder Konzerte in Form eines Wettbewerbs abhielten. Die Lieder waren nach strengen Regeln gedichtet und wurden solistisch ohne Instrumentalbegleitung vorgetragen. "Die wichtigste Regel war, daß die Lieder in vorher festgelegten "Tönen", d. h. in Strophenform und Melodien, abgefaßt sein mußten." Bis ins 18. Jh. haben sich fast 16000 solcher Meisterlieder, meist in handschriftlicher Form abgefasst, erhalten. Nürnberg spielte unter den süddeutschen Reichstädten, in denen sich der Meistergesang überwiegend stattfand, eine besondere Rolle.

Der wohl bedeutenste Nürnberger Meistersänger ist Hans Sachs, der neben seinen anderen Dichtugen 4286 Meisterlieder verfasste. Er drückte in seinen Liedern (ab 1523) hauptsächlich reformatorische Gedanken aus. Hans Sachs, seinen Zeitgenossen und auch Nachfolgern, ging es darum den Text der ins deutsche übersetzten Lutherbibel inhaltsgemäß wieder zu geben. Die Inhalte der Meisterlieder behandelten zu jener Zeit auch zunehmend weltliche Themen (s. a. Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterBrunnen: "Das Ehekarusell", das einem Gedicht von Hans Sachs nachempfunden ist). Es wurden "auf Basis antiker, mittelalterlicher und zeitgenössischer literarischer Quellen historische Ereignisse und ernste oder heitere Begebenheiten" dargestellt. Es sollte damit auch Wissen an Mitbürger weiter gegeben werden, die nicht Lesen und Schreiben konnten. Hans Sachs trug so einen großen Teil dazu bei reformatorisches Wissen im Volk zu verbreiten.

Zur Zeit des Hans Sachs wurde hauptsächlich im Heilig-Geist-Spital gesungen, ab 1562 im Dominikanerkloster und in der Marthkirche und ab 1620 wurde in der Katharinenkirche gesungen.

Die Zeit des Meistergesanges kann man insgesamt in drei Epochen unterteilen: Zunächst die Anfänge zu Beginn des 15. Jh. bis zum Beginn des 16. Jh., bekannte Vertreter waren: Fritz Kettner, der Bäckermeister Michel Nachtigall,  der Nagler Fritz Zorn, der Bäckermeister Konrad Nachtigall (Michels Sohn), der Spengler Kunz Vogelsang, der Heftelmacher Hermann Örtel, etc.. Ihre Lieder befassten sich ausschließlich mit religiösen Themen (Maria, Weihnachten, Ostern etc.).

Als zweiten Zeitraum kann man die Zeit von Hans Sachs abgrenzen. Bekannte Zeitgenossen waren: Der Taschner Hans Vogel, der Pfarrer Michael Lorenz und der Färber Jörg Schechner.

Die dritte Periode dauerte vom Ende des 16. Jh. bis ca. 1630, deren bedeutenste Vertreter ware Georg Hager, Bendedikt von Watt, Hans Winter und Ambrosius Metzger.

Richard Wagners Oper "Die Meistersinger von Nürnberg" machte den Meistergesang der frühen Neuzeit, der wohl bis ca. 1770 praktiziert wurde,  weltweit bekannt.

Die Oper hat zwar wenig mit den historischen Hintergründen zu tun, dennoch festigte sich durch sie ein Bild von Nürnberg, das an die romantische Tradition von Mittelalter und Deutschtum  anknüpft. Die Erstaufführung in Nürnberg fand am 24.03.1874 statt. Danach wurden sie Im Dürerjahr 1928 aufgeführt, während der Reichsparteitage standen sie alljährlich zur Eröffnung der Reichsparteitage auf dem Spielplan und auch in den Jahren 1950 und 2000 war die Festaufführung der "Meistersinger von Nürnberg" Höhepunkt der Stadtjubiläen. Der Prinzregent Luitpold (1886 bis 1912) schenkt die Originalpartitur dem Germanischen Nationalmuseum zum 50jährigen Bestehen.

Die Meistersingerhalle wurde im Jahre 1963 als Komplex für Konzerte, Tagungen und Feierlichkeiten eröffnet. Die Planung stammte von Harald Löbermann und die Innenraumgestaltung von Wunibald Puchner.

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