Mittelfränkische Stifte

Mittelfränkische Stifte für Kreative in aller Welt

In der Ahnenreihe historischer Schreib- und Zeichenwerkzeuge ist zum Beispiel der Bleistift ein “Jüngling” - seit seiner ersten Erwähnung 1562 und einer bildlichen Widergabe aus dem Jahr 1565 hat er sich jedoch zu einem Werkzeug der Schaffenden profiliert. In den vielen Jahrhunderten davor arbeiteten Kreative mit anderen Werkzeugen, vornehmlich mit Pinsel und Federkiel. Die Schreibkundigen der Antike benutzten Ritzwerkzeuge wie Griffel oder Schreibbinsen aus Pflanzenfasern.

Um so stolzer können die Nürnberger sein, dass gerade die Herstellung von alles vereinfachenden Blei- und Farbstiften mittlerweile eine lange Tradition in der Stadt an der Pegnitz und in unmittelbarer Nachbarschaft hat. Das im Jahre 1761 in Stein bei Nürnberg gegründete Familien-Unternehmen Faber-Castell feierte im Jahr 2001 immerhin bereits sein 240-jähriges Bestehen. Mittelfränkische Qualität lässt sich seit dieser Zeit gewissermaßen weltweit auf so manchem Blatt Papier wieder finden. Mit 1,8 Milliarden Stiften ist Faber-Castell wohl der bedeutendste Hersteller von Blei- und Farbstiften, und die Unternehmensgruppe ist eines der ältesten Industrieunternehmen, das sich auch nach acht Generationen in gleicher Familienhand befindet.

Unter der Marke STABILO produziert und vertreibt auch das Nürnberger Unternehmen Schwan-STABILO weltweit ein breites Sortiment an Schreib- und Zeichengeräten für die verschiedensten Anwendungen. Seit 1855 trägt die einstmalige “Schwan Bleistift-Fabrik” zur Bewahrung dieser industriellen Tradition im Großraum bei und präsentierte bereits im Jahre 1906 in Nürnberg den größten Bleistift der Welt, welcher die beachtliche Länge von 30 m aufwies.

Mit Stammhaus in Nürnberg ist auch das Unternehmen STAEDTLER mittlerweile ein Begriff in Sachen Stiftpvroduktion. Bereits im 17. Jahrhundert wurde Friedrich Staedtler als Bleistiftmacher in den Nürnberger Ratserlässen urkundlich erwähnt und im Jahre 1835 gründete Johann Sebastian Staedtler in der Nürnberger Altstadt eine industrielle Bleistiftproduktion. So war das Unternehmen über 100 Jahre lang eine traditionelle Fabrik, in der nur Bleistifte sowie Kopier- und Farbstifte hergestellt wurden. Heute jedoch umfasst die Produktpalette noch vieles mehr - bis hin zu Farben und Stiften für die Hobby-Malerei. Napoleon wiederum soll es zu verdanken sein, dass ein gewisser Johann Froescheis anno 1806 eine Bleistiftmanufaktur beim Magistrat in Nürnberg eintragen lassen konnte, die heute unter dem Namen LYRA ebenfalls weltweit aktiv ist. Ein rascher Aufstieg der Firma machte es einst notwendig, der Fertigung durch Wasserkraft in der Kleinweidenmühle um 1900 zu entsagen und statt dessen die modernere Dampfkraft in der Großweidenmühle zu nutzen. Hier fertigten schon damals etwa 500 Beschäftigte im Jahr 53 Millionen in Holz gefasste Blei- und Farbstifte, dazu Federhalter und auch mechanische Stifte. Um die Marktposition zu verstärken, gründete das Unternehmen Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts verschiedene Tochterfirmen in Europa, Amerika und Asien, die der Nürnberger Stiftproduktion ebenfalls zu internationalem Erfolg verhalfen.

Bleistift kontra Feder
Seit jeher hat der Bleistift Dichter und Denker inspiriert und es ihnen ermöglicht, Geistesprodukte in mehr oder weniger flotter Manier abzufassen ... um diese wieder und wieder bis zur Endgültigkeit zu korrigieren. Goethe zum Beispiel bevorzugte den Bleistift und notierte für die Nachwelt: “In eben diesem Sinn griff ich weit lieber zum Bleistift, welcher williger seine Züge hergab - denn es war mir das eine oder andere Mal geschehen, dass das Scharren und Spritzen der Feder mich aus meinem nachtwandlerischen Dichten und Denken aufweckte und ein kleines Produkt in der Geburt erstickte...”. Als Naturprodukt ist der Bleistift nach wie vor das wirtschaftlichste Schreibgerät der Welt - einfach in der Anwendung, ewig lagerfähig, unter Wasser und im Weltraum schreibfähig und nur von einem “Feind” bedroht: dem Spitzer. Sein bester “Freund” dagegen: der Radierer.

Modernes Design
Lange Zeit galt der Bleistift als unverbesserlic und absolut. Gerade in den vergangenen Jahren hat das Familienunternehmen Faber-Castell jedoch gezeigt, wie man selbst diesem unscheinbaren Altersprodukt mit pfiffigen, innovativen Ideen frische Impulse geben kann. So besitzt das Unternehmen in seinem Archiv nicht nur den wohl existierenden ältesten Graphitstift der Welt, aus dem 17. Jahrhundert, sondern mit heutigen, designorientierten Ausführungen ein attraktives Sortiment an Bleistiften - bis zum “perfekten Bleistift” mit eingebautem Spitzer und Radierer (Limited Edition zum Jubiläum). Als direkter Vorfahre des Bleistiftes gilt der Silberstift. Er besaß zwar keine Mine, doch erlaubte der kunstvolle Umgang mit diesem Stift auf speziell präpariertem Papier die Wiedergabe feinster Striche und Schraffuren. Der Nürnberger Künstler Albrecht Dürer arbeitete zum Beispiel auch mit dieser Technik.

Weitere Informationen zu den Unternehmen:

Faber Castell 

Staedtler 

Lyra 

(Quelle: Pressetexte der Stadt Nürnberg)

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