Stadt der Kinder und des Spielzeugs

Das Spielzeugmuseum in Nürnberg

Weltberühmtes Spielzeugmuseum - Jährliche Kinderstadt, Erfahrungsfeld der Sinne und Kinderkulturzentrum laden zur Entdeckungsreise - Hochburg der Spielwarenindustrie

Deutschland gilt insgesamt oft als nicht besonders kinderfreundlich. Zumindest der Region Nürnberg täte man mit diesem Adjektiv Unrecht. Gibt es doch gerade hier viele familienfreundliche Einrichtungen und Angebote, Naherholungsgebiete, Erlebnisbäder und Freizeitparks. Auch die Stadt Nürnberg bietet Kindern und jung gebliebenen Erwachsenen so einiges, wie ein kleiner Streifzug durch die Stadt der Kinder und des Spielzeugs beweist. 30 Jahre - dem Kindesalter also längst entwachsen - wurde das Nürnberger Spielzeugmuseum im Jahr 2000. Vier Millionen Besucher pilgerten in den vergangenen drei Dekaden durch die Räume des Spielzeugmuseums und damit oft auch durch die eigenen Kindheitserinnerungen. Mit rund 130.000 Besuchern pro Jahr ist das Spielzeugmuseum derzeit auch das meistbesuchte der städtischen Museen in Nürnberg, noch vor dem Dürer-Haus.

Die Museumsgründerin Lydia Beyer, die leider im Jahr 2000 verstarb, sammelte zusammen mit ihrem Mann seit den 20-er Jahren privat Spielzeug. Zunächst war das Museum in Würzburg angesiedelt, ehe es der langjährige Nürnberger Kulturreferent Hermann Glaser in die Noris holte, denn hier in die "Weltspielzeugstadt" gehörte es nun einmal. Seitdem ist das Museum zum Publikumsmagneten geworden, wenn es auch nach und nach immer mehr Konkurrenz bekommen hat. In der Qualität und wissenschaftlichen Betreuung zählt das Nürnberger Spielzeugmuseum nach Einschätzung seines Leiters, Helmut Schwarz, noch immer zur Weltspitze. Das Museum ist indes nicht "erwachsen" geworden sondern noch kinderfreundlicher. Im Dachgeschoss des Gebäudes wurde eigens eine Spielzone eingerichtet, denn ganz klar, Spiel und Spaß müssen im Spielzeugmuseum an erster Stelle stehen. Und dort können die Kinder von heute Spielzeug der Eltern und Großeltern ausprobieren. Ja, manche Spiele sind gar fast so alt, wie die Menschheit selbst: homo ludens. Den Erwachsenen stehen hingegen oftmals die Tränen in den Augen vor Rührung und dem Schwelgen in Kindheitserinnerungen, wenn sie das Schuco-Auto aus ihren Kindertagen entdecken. Im Jahr 2001 wurde auch die jahrelang stillstehende Modellbahn wieder in Betrieb genommen. Sie ist ein Nachbau des historischen Bahnhofs von Omaha in den USA. Damit das Spielzeugmuseum noch mehr Schätze zeigen kann, möchte es sich gerne erweitern.

Auf den 1.200 m² Ausstellungsfläche können gerade einmal fünf Prozent des 60.000 Exponate umfassenden Bestandes gezeigt werden. In den Pfingstferien bietet sich jährlich in Nürnberg die Gelegenheit, die Welt der Erwachsenen zu erkunden. Dann nämlich öffnet die "Stadt der Kinder" in einem der Nürnberger Parks ihre Tore. 2001 war es der Cramer-Klett-Park, der zu einer Kommune der Kleinen wurde. Die Besucher mussten allerdings erst einmal einen Gesundheits-Check durchlaufen und sich auf dem Arbeitsamt nach einem geeigneten Job erkundigen. Wer Glück hatte wurde Polizist oder Postbote, aber auch der Müll war wie im richtigen Leben zu entsorgen. Von der Krankenversorgung über den täglichen Markt bis zur Produktion, alles musste wie im richtigen Leben bewältigt werden. Selbst ein Stadtrat wurde gewählt. Für die harte Arbeit gab es natürlich auch Lohn, in Form von grünen "Spielratzen" - die konnte man dann etwa gegen Essen im Restaurant eintauschen. Polizei, Umweltamt, Jugendamt, Sparkasse, Pfadfinder, Jugendrotkreuz und selbst die Naturhistorische Gesellschaft (mit archäologischen Ausgrabungen) beteiligten sich an der "Stadt der Kinder" und ließen sie zu einer Miniaturwelt der Großen werden. Erfahrungen ganz anderer Art können Kinder wie Erwachsene auch jedes Jahr wieder auf dem Nürnberger "Erfahrungsfeld der Sinne" sammeln, das sich herumgesprochen hat. Längst wollen nicht nur Besucher aus der Region sondern auch aus ganz Süddeutschland, Sachsen und Thüringen ihre Sinne bewusster wahrnehmen. 70 Stationen entlang der Pegnitz boten beispielsweise im Sommer 2001 die Gelegenheit, das Schwerpunktthema "Wasser" zu erleben. Bis zum 2. September waren die Vormittagstermine für Schulklassen schon komplett ausgebucht. Während das Erfahrungsfeld größtenteils im Winter Pause machen muss, gibt es in Nürnberg seit kurzem eine weitere Einrichtung, die fest in Kinderhänden und ganzjährig geöffnet ist. "Kachelbau" nennt sich ein Kinderkulturzentrum, das in dieser Form wohl bundesweit einmalig sein dürfte. In dem Gebäude auf dem gerade entstehenden Leonhardspark wird aktiv wie passiv all das geboten, was ein Kinderherz erfreut: angefangen vom Kindertheater bis zur Cri-Cri-Circusschule, bei dem die jungen Artisten ihr Talent testen können. Das "Museum im Koffer" und ein Krämerladen wie anno dazumal sind weitere Highlights. Brot backen, Wäsche waschen, natürlich mit dem Waschbrett, oder eine überdimensionale menschliche Zelle erkunden, der "Kachelbau" bietet eine wahre Entdeckungstour.

Christian Rechholz, Juli 2001

(Quelle: Pressetexte der Stadt Nürnberg)

Nürnberg lädt zum Spielen ein

Spielen und Spielzeug haben in Nürnberg eine lange und ungebrochene Tradition. Über das ganze Jahr verteilt laden attraktive Veranstaltungen Groß und Klein zum (Mit-)Spielen ein. Namhafte Vertreter der Spielwarenindustrie haben hier ihren Sitz, und nicht zuletzt ist auch die alljährlich in Nürnberg stattfindende internationale Spielwarenmesse - weltweit die bedeutendste ihrer Art - ein Ausdruck dafür, dass für die Nürnberger und ihre Gäste das Spiel noch längst nicht vorbei ist.

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